25. Juli 2020 / 17:52 Uhr

Sieben-gegen-Sechs-Regel vor dem Aus im Handball? Das sagen die Recken zur Debatte

Sieben-gegen-Sechs-Regel vor dem Aus im Handball? Das sagen die Recken zur Debatte

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Recken-Co-Trainer Iker Romero (links) kann die Kritik an der Regel nachvollziehen.
Recken-Co-Trainer Iker Romero (links) kann die Kritik an der Regel nachvollziehen. © imago images / Noah Wedel
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Die Regelung des Sieben-gegen-sechs steht in der Kritik, eine große Mehrheit internationaler Trainer ist für eine Abschaffung. Auch die Verantwortlichen der TSV Hannover-Burgdorf äußern sich in der Diskussion.

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Die Gegner sind offenbar ganz klar in der Überzahl. Anders beim Sieben-gegen-sechs, das nun seit vier Jahren international im Handball gespielt wird. Das taktische Mittel, den Torwart jederzeit durch einen Feldspieler ersetzen zu können, steht in der Kritik.

In einer Umfrage der „Handballwoche“ unter 38 internationalen Toptrainern votierte die große Mehrheit für die Abschaffung der Regel. Allen voran Bundestrainer Alfred Gislason, der betont, der Handball werde dadurch langsamer und unattraktiver. Recken-Co-Trainer Iker Romero ist kein großer Freund des Spiels mit einem zusätzlichen Feldspieler. „Ich denke, es wird irgendwann wieder abgeschafft werden.“

Bilder vom Laktattest bei den Recken

Sven-Sören Christophersen (Zweiter von rechts) streckt zur Begrüßung den Ellenbogen entgegen. Zur Galerie
Sven-Sören Christophersen (Zweiter von rechts) streckt zur Begrüßung den Ellenbogen entgegen. ©

Offensiv verteidigen "geht gegen sieben Angreifer schlecht"

Auch Chefcoach Carlos Ortega wählt dieses taktische Mittel freilich, wenn nichts mehr geht – oder sein Team in Unterzahl gerät. Zwei-Minuten-Zeitstrafen bringen für die angreifende Mannschaft kaum noch einen Nachteil, allenfalls die Gefahr, ein sofortiges Gegentor zu kassieren, wenn der Keeper nicht schnell genug wieder in sein Tor eilt. Für die defensivstarken Teams ist es ein Nachteil. „Man kann ihnen das Leben damit sehr schwer machen“, sagt Romero.

Da wundert es nicht, dass sich Meistercoach Filip Jicha vom THW Kiel oder Maik Machulla von Vize SG Flensburg-Handewitt gegen den zusätzlichen Feldspieler aussprechen. Was auch Romero stört: „Wir bevorzugen ja die spanische Schule, wollen also offensiv verteidigen und den Ball klauen. Das geht gegen sieben Angreifer schlecht.“

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Regel hat Recken mehr genutzt als geschadez

Das Sieben-gegen-sechs habe der TSV Hannover-Burgdorf mehr genutzt, als es geschadet, sagt Sportchef Sven-Sören Chris­tophersen. „Wir hatten immer gute Entscheidungsspieler, die Überzahlsituationen im Sieben-gegen-sechs erkannt haben.“ Es sei jedoch eine grundsätzliche Frage, denn die Regel habe den Handball ganz eindeutig verändert. „Sie hebelt das eine oder andere System natürlich aus.“

Der Ursprungsgedanke in diesem Sport sei es gewesen, dass „man mit der Zeitstrafe tatsächlich bestraft ist“, so Christophersen, „und damit kann ich mich auch anfreunden.“ Das sieht Romero ähnlich. „Früher konntest du eine Zeitstrafe zu einem 3:0 nutzen. Heute gibt es oft ein 1:1, wenn es der Gegner clever spielt und im Angriff so lange wartet, bis das Passivzeichen kommt. Es war früher schon attraktiver.“

Bilder vom Trainingsauftakt der TSV Hannover-Burgdorf

Her mit dem Ball: Neuzugang Johan Hansen erwartet das Spielgerät sehnsüchtig. Zur Galerie
Her mit dem Ball: Neuzugang Johan Hansen erwartet das Spielgerät sehnsüchtig. ©

Noch keine Abschaffung zur kommenden Saison

Recken-Keeper Domenico Ebner hat „generell kein Problem mit der Sieben-gegen-sechs-Regel“. Wenngleich da noch unschöne Szenen in seinem Kopf sind. „Da sind die Torhüter zurückgeeilt und mit dem Kopf gegen die Latte oder den Pfosten geknallt, beispielsweise in Österreich“, sagt Ebner. „Das ist schon brisant für uns, wenn ein langer Ball kommt und wir nur darauf fixiert sind.“ Ihm ist jedoch noch nichts passiert, im Gegenteil zeigten sich Ebner und Urban Lesjak im TSV-Tor in diesen kniffligen Situationen auf der Hut und erzielten ihrerseits jeweils drei leichte Treffer ins leere Tor.

Wie es weitergeht, ist offen. Den Weltverband IHF hat der Protest erreicht. „Wir werden uns die Argumente sehr intensiv anschauen“, sagte der Vorsitzende der IHF-Trainer- und Methoden-Kommission, Dietrich Späte. Zur nächsten Saison dürfte es aber keine Änderung geben. Romero hat erkannt, dass in den vergangenen Jahren die Lust der Zuschauer am Handball gewachsen ist. „Ich befürchte aber, dass das Sieben-gegen-sechs für viele doch zu schwer zu verstehen ist. Ich meine, dass wir in der Zukunft klare Regeln brauchen.“