31. Dezember 2021 / 08:00 Uhr

Sieg beim 100. Prix de l’Arc de Triomphe: 2021 war René Piechuleks Jahr

Sieg beim 100. Prix de l’Arc de Triomphe: 2021 war René Piechuleks Jahr

Jens Sorge
Leipziger Volkszeitung
3. Oktober 2021 – der größte Moment seiner Karriere: René Piechulek gewinnt in Paris auf Torquator Tasso den Prix de l’ Arc de Triomphe.
3. Oktober 2021 – der größte Moment seiner Karriere: René Piechulek gewinnt in Paris auf Torquator Tasso den Prix de l’ Arc de Triomphe. © Frank Sorge/Imago
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Was für ein vergangenes Jahr für Jockey René Piechulek aus Dessau! Angefangen hat alles vor einigen Jahren im Leipziger Scheibenholz - inklusive schwieriger Lehrjahre. Nun blickt er auf seinen Husarenritt beim Prix de l’Arc de Triomphe in Paris zurück.

Dessau. 2021 war sein Jahr – ein Jockey aus Mitteldeutschland ist endgültig ins Rampenlicht geritten. Und hat sich vor allem auch international bestens in Szene gesetzt. Der fünf Millionen Euro schwere Sieg im Prix de l’Arc de Triomphe auf der Pariser Nobelrennbahn Longchamp markierte einen herausragenden Höhepunkt in der Laufbahn des Jockeys René Piechulek. Mit dem besten deutschen Galopper Torquator Tasso bezwang der 34-Jährige im prestigeträchtigsten Galopprennen der Welt Europas Vollblut-Elite.

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Aller Anfang ist schwer

Und das ausgerechnet in der 100. Auflage des Weltereignisses – und in den schwarz-rot-goldenen Rennfarben des Gestütes Auenquelle, als daheim der Tag der deutschen Einheit gefeiert wurde. Bei seinem Husarenritt kam dem Außenseiter das nach zwei Regentagen schwere Geläuf auf weichem Boden entgegen. Der 56 Kilogramm leichte Rene Piechulek weiß, wer ihm das Vertrauen für den Ritt geschenkt hat: „Ich danke Torquator Tassos Besitzern Peter Endres und Karl-Dieter Ellerbracke sowie Trainer Marcel Weiß, dass sie an mich geglaubt haben. Immerhin war es mein erster Ritt in diesem Toprennen gegen die Reiterelite Europas.“

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Dabei war Rene Piechulek bei seinem Einstieg ins Berufsleben alles andere als ein idealer Start gelungen. Das Arbeitsamt Leipzig hatte ihn ins Scheibenholz vermittelt. Doch ein Schlüsselbeinbruch setzte ihn zu Beginn seiner Ausbildung zum Pferdewirt mit Schwerpunkt Rennreiten bei Peter Hirschberger außer Gefecht. Dann kam noch ein Schienbeinbruch hinzu. „Ich habe kaum etwas gelernt und die Rennbahn nicht verlassen,“ erinnert sich der aus Dressau stammende Piechulek, der in der Jugend in Halle Boxer war. „Daraufhin wechselte ich nach intensivem Suchen im Internet zusammen mit meinem jetzt im Ruhestand lebenden Vater Jens zu Trainer Christian von der Recke. In Weilers-wist ging meine Lehre 2004 weiter. Das war eine sehr gute Wahl.“ Sein zweiter Chef formte den jungen Mann: „Bei ihm habe ich sehr viel gelernt.“

Dazulernen blieb sein Wunsch, als fast 100 Siege auf dem Konto standen. Deshalb machte er sich im Februar 2010 auf den Weg nach Kentucky, bezog in der Nähe des Trainingszentrums Lexington Quartier. Michael Kolpin, einst in die USA ausgewandert und Eigentümer einer Farm, half ihm, Fuß zu fassen. Der Ausflug endete jedoch vorzeitig, weil in der inzwischen verkauften Speditionsfirma seiner Eltern in Dessau (Sachsen-Anhalt) Not am Mann war. „Ich wurde als Kraftfahrer gebraucht.“

Ab 2011 ging es aufwärts

Die Rückkehr zum Rennsport gestaltete sich 2011 endlich als Erfolgsgeschichte. Dabei erweiterte Piechulek sein Wissen und Können in mehreren Orten: Von Dave Richardson ging es zu Uwe Ostmann, Gerald Geisler, Jens Hirschberger (Schlenderhan), Markus Klug (Röttgen) bis nach München, um im Training montags und dienstags die Pferde von Hans-Gerd Wernicke zu reiten. Aus dem Kontakt zu Trainerin Sarah Steinberg ist inzwischen eine enge private Verbindung geworden – beide leben und arbeiten zusammen in München, der neuen Heimat von René Piechulek.

Aus der Fülle der mehr als 460 Siegen sei der erste wertvollste – Jahr 2007 mit Mister Minister im Auktionsrennen in München. Kurios: Reiter und Pferd haben am gleichen Tag (24. April) Geburtstag. Besonderen Stellenwert besitzt der erste Erfolg in einem Gruppe-Rennen: Shadow Sadness im Metzler-Preis von Frankfurt am 3. Mai 2015. Unvergessen für den Familienvater ist auch der Ausflug nach Spanien im Jahre 2008 und dem Triumph von Sky Crusader im Mijas Cup, wobei zur Krönung dieses Renntages bei sieben Ritten sensationelle sechs Siege gelangen. Und in diesem Jahr, am 29. Mai, saß René Piechulek in Dresden auf fünf Siegern.


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Dem aufmerksamen Beobachter war schon früh der gute Sitz und wirkungsvolles Finish aufgefallen. Sportlich betätigte sich Rene Piechulek zeitig. „Ich war als Schüler auf der Sportschule und habe geboxt, aber mit meinen 34 Kilo war ich für den Ring einfach zu leicht.“ Inzwischen hat er sich beruflich bis ganz nach oben „durchgeboxt.“ Spaß bereiten ihm auch die Fußballspiele am Rande der Meetings in Bad Harzburg und wie auch in Iffezheim, wo er stets eine gute Figur abgibt.