02. Februar 2020 / 10:41 Uhr

Sieg der BG Göttingen über Syntainics MBC: Fast schon der Klassenerhalt

Sieg der BG Göttingen über Syntainics MBC: Fast schon der Klassenerhalt

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Kyan Anderson (Mitte) und Dominic Lockhart (links) sind die Topscorer der Partie.
Kyan Anderson (Mitte) und Dominic Lockhart (links) sind die Topscorer der Partie. © Kuhl
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War das schon der Klassenerhalt? Vor 3447 Zuschauern in der ausverkauften Sparkassen-Arena hat Basketball-Bundesligist BG Göttingen am Sonnabend den Syntainics MBC spektakulär mit 107:95 (62:45) besiegt – und damit einen Big Point gesammelt.

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War die Dreierquote der Veilchen in den vergangenen Partien eher jämmerlich gewesen, legte der Gastgeber am Sonnabend zu Beginn einen fast schon zirkusreifen Auftritt hin. Aufgemerkt, hereinspaziert: Es geben sich die Ehre Captain Johans dynamische Dreierwerfer. Wir garantieren: Jeder Dreier ein Treffer!

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Und das war nicht übertrieben: Die BG versenkte zu Beginn sieben von sieben Dreiern in der MBC-Reuse, was Gästecoach Björn Harmsen am Rande des Parketts zur Verzweiflung brachte. Zu Recht: Assistenten bei der verrückten Veilchen-Show waren die MBC-Spieler, die konsequent einen Sicherheitsabstand zu den BG-Schützen einhielten. Die Worte des Ulmer Trainers Lakovic klangen im Ohr nach: „Wir wussten: Wenn wir hierherkommen, um nur einen Punkt mehr zu machen als der Gegner, wird es eine lange Nacht.“

Humba mit Dominic Lockhart

So begann für den MBC der Abend mit der Nacht der langen Messer. „Das hat natürlich geholfen. Die Würfe wurden nicht gut verteidigt, aber trotzdem musst du sie ja erst mal treffen“, sagte BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen später. „Die BG hat vor allem am Anfang alles reingeworfen, was man reinwerfen kann“, analysierte MBC-Coach Harmsen ungewollt doppeldeutig. „Bereits in Weißenfels hatten wir zu Beginn keinen Rhythmus, nur hat die BG damals nicht getroffen. Das war heute anders.“



So kam es, dass der Gastgeber vor verzückten Fans mit einer satten 30:20-Führung das Auftaktviertel beendete – nur um den Gegner zu Beginn des zweiten Viertels plötzlich in der Box zu ärgern: Alley-Oop Hundt mit Kramer, Dunk Kramer: 32:20. Tiefes Anspiel Hundt auf Kramer, Dunk Kramer: 34:20. Da stellst du dich vor die Nase der Shooting Guards, und dann zieht der Gegner zum Korb. Frustrierend.

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BG Göttingen gegen Syntainics MBC © Kuhl

Wurde Kramer gegen Ulm von Roijakkers kaum einmal aufs Parkett geschickt, hatte er diesmal am Ende fast so viel Einsatzzeit wie Center-Kollege Osetkowski. „Letztes Mal war Osetkowski gleich richtig im Spiel, und Kramer hatte nicht den glücklichsten Eindruck gemacht“, sagte Meinertshagen im Rückblick. Diesmal erntete Kramer bei einer Auswechslung Sonderapplaus, was ihm sicherlich gut getan hat.

Statistik:

BG: Lockhart (23 Punkte/6 Dreier/5 ­Rebounds/4 Assists), ­Anderson (26/5/1/5), Lasisi (2/0/0/0), Ruoff (8/2/5/7), Kramer (14/0/4/1), Andric (11/2/3/0), Mönninghoff (3/0/1/0), Osetkowski (6/0/14/4), Allen (7/1/2/0), Hundt (7/0/0/2). – Teamwerte: Feldwürfe 48% (31/64), Dreier 55% (17/31), ­Rebounds 37 (10 off./27 def.), 22 Fouls, 14 Turnover, 23 Assists. 

MBC: Micovic (10/2/2/2), ­Brembly (2/0/2/0), Kerusch (0/0/1/0), Zylka (5/1/0/0), Novak (17/2/5/8), Darden (18/0/3/3), Warren (14/3/3/2), Dorsey (10/0/7/1), Kajami-Keane (19/2/4/6). – Teamwerte: Feldwürfe 52% (36/69), Dreier 32% (10/31), 30 ­Rebounds (8 off./22 def.), 24 Fouls, 9 Turnover, 22 Assists.

Die Führung der Veilchen pendelte sich auf 20 Punkte ein, doch gegen Ende des dritten Viertels war auf einmal Schluss mit der BG-Herrlichkeit. Alex Ruoff nahm immer wieder Kontakt zu Roijakkers auf, der Headcoach war nach einem Defense-Fehler von Lasisi außer sich vor Wut, der MBC witterte seine Chance, und der Vorsprung schmolz.

Im Schlussdurchgang waren aus den Zirkusartisten angeknockte Boxer geworden, die ihre Führung über die Zeit retten mussten – und das ist fast wortwörtlich zu nehmen: Übermotivierte Gäste handelten sich mehrere unsportliche Fouls ein, Kyan Anderson, mit 26 Punkten Topscorer des Spiels, musste kurzzeitig mit Nasenbluten auf die Bank.

SPORTBUZZER-Fantalk mit Marvin Omuvwie

Doch die BG knackte die 100-Punkte-Marke, rettete sich über die Zeit, und den Schlusspunkt setzte mit einem Dreier Mathis Mönninghoff – der Zirkus war wieder in der Stadt, und die Fans bejubelten ihren Spieler der Partie Dominic Lockhart, der mit sechs von acht verwandelten Dreiern und 23 Punkten die Humba buchstabieren durfte.

„Er hat zuletzt nicht getroffen, und er ist einer, der sich dann nicht mehr traut. Also haben wir ihn im Training werfen lassen. Er hatte eine schwere Trainingswoche“, berichtete Roijakkers nach der Partie. „Er hat sehr gut aufgepasst. Kompliment an Dom, so muss man es machen. Er ist ein Topspieler.“

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Roijakkers hatte eine „fantastische erste Halbzeit“ gesehen, das Schlussviertel war in seinen Augen aber gar nicht top: Der Niederländer sprach von „Oberliganiveau“, vom „schlechtesten Viertel, seit ich beim Basketball bin“. Top sei hingegen der Einsatz des medizinischen Teams gewesen, das unter der Woche Ruoff (Schulter) und Anderson fit gemacht habe. Anderson war im Training umgeknickt, konnte aber im Gegensatz zu Omuvwie, der noch nicht so weit war, auflaufen: „Das medizinische Team kriegt von mir ein Extra-Bier“, sagte ein überaus gut aufgelegter Roijakkers. „Von mir nicht“, sagte Harmsen.

Vor dem Tipoff: Die BG-Fans feuern an.

Im Abstiegskampf sei die Partie ein Schlüsselspiel gewesen, unterstrichen unisono Roijakkers und Meinertshagen. „Das war sehr wichtig. Wir sind jetzt sechs Siege vor dem Abstiegsrang. Dass wir eingeholt werden ist nahezu ausgeschlossen“, verdeutlichte der BG-Geschäftsführer. Der Erstliga-Zirkus geht in Göttingen auch in der nächsten Saison weiter – so viel dürfte seit Sonnabend feststehen.

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