27. März 2020 / 15:42 Uhr

Er hat schon den Weltmeister geschlagen: Felix Hampel und sein Coup gegen Magnus Carlsen

Er hat schon den Weltmeister geschlagen: Felix Hampel und sein Coup gegen Magnus Carlsen

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Das Internet macht es möglich: Vor wenigen Wochen spielte Hampel noch gegen Oberligisten, heute gewinnt er gegen den Weltmeister Magnus Carlsen. 
Das Internet macht es möglich: Vor wenigen Wochen spielte Hampel noch gegen Oberligisten, heute gewinnt er gegen den Weltmeister Magnus Carlsen.  © Debbie Jayne Kinsey
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Während des eingestellten Spielbetriebs hält sich der Laatzener Schachspieler Felix Hampel mit  Partien im Internet fit. Bei dem Sieg gegen einen Gegner hat sich der Laatzener hinterher wohl selbst die Augen reiben musste, hatte er doch gerade den amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen bezwungen.

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Weltmeister Magnus Carlsen hat Felix Hampel aus Ingeln bei Laatzen nicht vergessen. Zumindest dessen denkwürdige Leistung nicht. Schließlich können Schachspieler nicht nur gut Züge vorausberechnen, sie besitzen obendrein meist ein exzellentes Erinnerungsvermögen. Und der 24-jährige Informatikstudent hat etwas vollbracht, was nicht vielen gelingt. Er hat gegen den norwegischen Superstar den Königsweg gefunden und ihn besiegt.

Training wandert ins Netz

Wenngleich das nur in dreiminütiger Blitzpartie und online gelang – es war eine Glanzleistung. Carlsen forderte später eine Revanche, die er knapp gewann. Oberligaspieler Hampel wird seinen Coup dennoch in bester Erinnerung behalten. Wie seine Vereinskollegen vom HSK Lister Turm auch. Ungeachtet von Hampels Auftritt zeichnet sich ab: Besonders in Zeiten der Corona-Krise wird das Spielen im Netz immer wichtiger. Die Schach-Experten können im Gegensatz zu vielen anderen Sportlern fast normal trainieren.

Von klein auf mit dabei: Felix Hampel (links) überlegt sich schon 2009 seinen nächsten Zug. Zur Galerie
Von klein auf mit dabei: Felix Hampel (links) überlegt sich schon 2009 seinen nächsten Zug. ©

Inzwischen gibt es sogar eine Online-Blitzschach-Bundesliga (auf lichess.org), für die der HSK gemeldet hat. „Da spielen die Stars der oberen Ligen aber nicht mit“, sagt Hampel. Der normale Betrieb ruht wegen der Corona-Krise, der Lister Turm steckt in einer unerfreulichen Hängepartie fest. Als Tabellenzweiter der dritthöchsten Klasse ist der Aufstieg in die 2. Bundesliga (dort war der HSK bereits in der Saison 2016/17 am Zug) noch drin. „Wie es weitergeht, ist schwer zu sagen“, so Hampel. „Wir wären aber stark genug, aufzusteigen und die 2. Liga zu halten.“

Aufstieg auch aus sportlicher Sicht schwierig

Ob die beiden ausstehenden Begegnungen noch ausgetragen werden können, ist offen. Überdies müsste der Lister Turm am finalen Spieltag mit dem starken SV Kirchweyhe den punktgleichen Spitzenreiter im direkten Duell aus dem Weg räumen. Dank eines finanzkräftigen Sponsors leistet sich Kirchweyhe sechs kroatische und zwei serbische Akteure, von denen nur zwei eine Elo-Zahl (nach ihr bemisst sich international die Stärke der Spieler) unter 2500 haben.

Zum Vergleich: Hampel steht aktuell bei 2295, ist damit nur fünf Zähler unter dem Mindestwert für einen FIDE-Meister, so nennt sich der internationale Verband. „Schach ist für mich Hobby und soll Spaß machen, es ist eine Kunst“, sagt Hampel, „ein spezielles Ziel habe ich nicht“. Er will sich einfach weiter verbessern und schauen, wohin es ihn führt.

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Dieses Ziel teilt er mit dem HSK. „Wir wollen mittelfristig in die Bundesliga, aber nicht mit teuren Profis. Sondern mit unseren Leuten, eben nachhaltig“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Max Wall. In der 1. Liga sind Stars wie die Ex-Weltmeister Anatoly Karpov (Hockenheim) oder Viswanathan Anand sowie der als Carlsen-Herausforderer gehandelte Fabiano Caruana am Brett. Beide grübeln für die OSG Baden-Baden, den FC Bayern des Schachs. „Die 1. Bundesliga gilt als stärkste Liga der Welt“, sagt Hampel. „Aber wir sind keine Profis, sondern eine echt verschworene Mannschaft. Das ist viel schöner.“

Falscher Mausklick hätte ihm fast den Sieg gekostet

Und wie war das nun mit dem Sieg gegen Carlsen? Nun, Hampel hatte Glück. Aber nur insofern, dass er gegen den Norweger antreten durfte. Der Weltmeister misst sich auf seiner Online-Plattform chess24 regelmäßig mit Premium-Mitgliedern. Es war das erste Duell, das Carlsen in diesem Rahmen verlor. Dabei unterlief Hampel sogar ein Patzer, als er seinen Bauern weiterzog, anstatt mit ihm vorentscheidend einen Läufer zu schlagen. „Ich bin mit der Maus auf dem falschen Feld gelandet“, so Hampel, der sich selbst als Allrounder bezeichnet.


Er rettete seinen Erfolg über die Zeit und stand bei der von Carlsen erbetenen Revanche ebenfalls auf Gewinn, wie es im Schach heißt. Diesmal lief indes dem Außenseiter die Zeit davon: „Ich war an der Uni und hatte nur ein Touchpad zur Verfügung, das reagiert eben nicht so schnell.“ Ein Erkenntnisgewinn ist ihm dennoch geblieben. „Onlinepräsenz ist im Schach die Zukunft“, sagt Felix Hampel.