29. Juli 2020 / 10:04 Uhr

"Was, so viel habe ich gemacht?": Hockeylegende Siegfried Aberle erhält Bundesverdienstkreuz 

"Was, so viel habe ich gemacht?": Hockeylegende Siegfried Aberle erhält Bundesverdienstkreuz 

Matthias Abromeit
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet: Hannover 78-Legende Siegfried Aberle. 
Wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet: Hannover 78-Legende Siegfried Aberle.  © Matthias Abromeit
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Siegfried Aberle (79) hat für sein Engagement beim Hockeyverein Hannover 78 das Bundesverdienstkreuz erhalten. NHV-Präsident Reinhard Krull freut sich für den 79-Jährigen und bezeichnet ihn als "Glücksgriff für den Verein, Hannover und die ganze Region".

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Die Liste ist lang gewesen, sehr lang sogar. Oberbürgermeister Belit Onay las minutenlang aus dem Manuskript vor, bevor er am Ende seiner Laudatio angekommen war und Siegfried Aberle das Bundesverdienstkreuz am Bande übergeben konnte. „Was, so viel habe ich schon gemacht?“, kokettierte der Geehrte. Mit seinen vielen Stationen, Aufgaben und Leistungen in der Hockey-Abteilung von Hannover 78 hat sich der 79-Jährige diese Auszeichnung jedoch mehr als verdient.

Aberles Karriere begann mit zwölf Jahren zunächst bei Hannover 96. Über Freunde kam er zu 78 – und blieb dem Verein bis heute treu. Sein größtes Talent lag nicht im spielerischen Bereich – auch wenn er als Akteur in der Erstvertretung des Vereins antrat. „Das habe ich aber immer nur gemacht, wenn die weniger beliebten Auswärtsfahrten nach Flensburg oder Itzehoe anlagen, wo wir sonntags um 5 Uhr losfahren mussten. Sonst habe ich in der 1B gespielt“, erzählte Aberle.

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Ein wahres Organisationstalent

Das größere Talent offenbarte er im Organisatorischen. Es gab fast keinen Posten, den er im Verein, im niedersächsischen oder deutschen Verband nicht bekleidet hätte. „Nur Schiedsrichter Obmann war ich nie.“ Die größten Erfolge feierte Aberle als Pressesprecher. „Die EM, die mein Verein in seinem 100. Jubiläumsjahr ausgerichtet hat, war schon ein Riesenerlebnis. Wer kann denn schon mal eine Pressekonferenz in einer Sporthalle ausrichten?“, fragte Aberle. Dass Deutschland damals, im Jahr 1978, Europameister geworden ist, war das i-Tüpfelchen.

NHV-Präsident Reinhard Krull erinnerte sich als einer der Laudatoren gern daran zurück. „Ich habe damals wenige Tage vorher mein Debüt in der Nationalmannschaft gefeiert und war kurze Zeit später Europameister. Dass wir solche Leute wie Siegfried Aberle in Hannover haben, ist damals wie heute ein Glücksgriff für den Verein, Hannover und die ganze Region“, sagte Krull.

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"Die deutsche Meisterschaft fehlt dem Verein und mir allerdings noch."

Aberles Funktionärskarriere hatte weitere Höhepunkte. Als Pressesprecher des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) war er bei zahlreichen Veranstaltungen dabei. „Für die Damen-WM in Argentinien habe ich ein Jahr lang Spanisch gelernt, um eine Pressekonferenz in der Landessprache abhalten zu können“, erinnerte er sich. Durch seine Aufgaben hat er die halbe Welt und alle Erdteile bereist. Die Champions Trophy in Karatschi (Pakistan) mit 25 000 hockeyverrückten Zuschauern „war ebenso ein bleibendes Erlebnis“. Den Rest der Welt erkundete Aberle als Pressesprecher der Continental AG.

Seine Heimat blieb stets Hannover und 78 sein Verein – mit vielen guten Freunden, die auch in den schweren Stunden halfen, als Aberle vor zwei Jahren ein Unterschenkel amputiert werden musste. Sein Lebensmotto: „Geht nicht, gibt es nicht.“ Und auch mit 78 hat er noch Ziele. „Es gab Zeiten, da hat 78 zehn von elf Landestiteln in der Jugend geholt. Die deutsche Meisterschaft fehlt dem Verein und mir allerdings noch“, sagte Aberle.