06. März 2022 / 17:40 Uhr

Siegtreffer nach der Schlusssirene: DHfK Leipzig feiert 25:24-Sieg gegen Flensburg

Siegtreffer nach der Schlusssirene: DHfK Leipzig feiert 25:24-Sieg gegen Flensburg

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
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Sime Ivic haut nach Ablauf der Zeit den Ball per Freiwurf in die Maschen - der SC DHfK Leipzig gewinnt damit ein Wahnsinnsspiel gegen Flensburg-Handewitt! © Klaus Trotter
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Im ersten Spiel mit Publikum seit viereinhalb Monaten feiert der SC DHfK Leipzig einen frenetisch bejubelten Last-Second-Sieg. Beim 25:24 gegen die SG Flensburg-Handewitt sorgt Sime Ivic für die Entscheidung zu Gunsten der Grün-Weißen - mit einem unmöglichen Freiwurf nach Abpfiff.

Leipzig. WAS! FÜR! EIN! NACHMITTAG! Der SC DHfK Leipzig hat am Sonntagnachmittag eine Handballparty gefeiert, die alles mitbrachte, was sich Fans wünschen: einen hochkarätigen Gegner, viel Spannung, starke Tore, Gänsehaut-Momente - und einen Heimsieg. 25:24 (13:12) gewann der sächsische Handball-Bundesligist gegen den Tabellendritten SG Flensburg-Handewitt.

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Nur vor dem Anpfiff ist es ganz still

Star und wesentlicher Garant dieses Erfolges waren - natürlich - die Zuschauerinnen und Zuschauer. Erstmals seit dem 21. November durften die wieder live dabei sein. Mehr als 3000 Tickets waren im Vorverkauf weggegangen. 3565 Fans, unter ihnen RB Leipzigs Keeper Philipp Tschauner, fanden sich schlussendlich auf den Rängen ein und feierten - sich, ihre Teams, die Tatsache, wieder zusammen sein zu dürfen. Nur einmal war es so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Vor dem Anpfiff erhoben sich alle von ihren Plätzen, für einen Moment des Gedenkens an den Krieg in der Ukraine und seine Opfer.

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Unfassbar! Sime Ivic haut mit einem direkten Freiwurf nach Abpfiff den Ball noch ins Tor! Der SC DHfK Leipzig gewinnt das Spiel gegen Flensburg mit 25:24! Zur Galerie
Unfassbar! Sime Ivic haut mit einem direkten Freiwurf nach Abpfiff den Ball noch ins Tor! Der SC DHfK Leipzig gewinnt das Spiel gegen Flensburg mit 25:24! ©

Im extra aus diesem Anlass entworfenen Friedenstrikot erwischten die Hausherren dann keinen guten Start, brauchten knapp fünf Minuten für das erste Tor. Lukas Binder markierte es per Tempogegenstoß. Der Tabellendritte aus Flensburg fasste in der Defensive robust zu. Simon Hald Jensen und Anton Lindskog bildeten in der Zentrale ein starkes Doppel. Problem der SG (und Vorteil für die Hausherren): Die sehenswerte Abwehrarbeit klappte immer nur für kurze Zeit. Fassten die Gäste nicht richtig zu, brachten sie die Grün-Weißen ins Spiel. Beim Stand von 6:3 (11.) reichte es Coach Maik Machulla das erste Mal: Auszeit. Seine Worte fruchteten, der SC DHfK kam kaum noch zum Zug

Nach dem 6:6 (15.) reichte es dann Leipzigs Trainer André Haber: Auszeit. "Haltet euch an unseren Plan. Ich sehe zu wenig von unserem Plan", sagte er seinen Jungs. In der Folge entwickelte sich ein phasenweiser Schlagabtausch - beide Kontrahenten hatten ihre guten Phasen und ihre weniger guten. Die Gastgeber überzeugten vor allem mit ihrem Tempospiel, die SG mit ihrem Rückraum. Franz Semper, geboren in Borna, handballerisch groß geworden beim SC DHfK hatte seinen Anteil daran. Die Hausherren gingen mit einem 13:12 in die Kabine. Angesichts mehrerer Würfe ans Gebälk wäre mehr drin gewesen.

"Schaut euch diese Halle an!"

Die zweite Hälfte begann die Haber-Sieben hoch konzentriert, bereit, jeden Fehler der Flensburger, für sich zu nutzen. Und weil die SG mit leichten Ballverlusten und ähnlichen Patzern nicht sparte, konnten die Grün-Weißen ihre Stärken voll ausspielen. Als Sime Ivic in der 47. Minute per Siebenmeter zum 23:18 traf, nahm der Lärmpegel in der Arena allmählich schmerzhafte Züge an. Die Halle vibrierte, das Klatschen, Trampeln und Schreien ging in Mark und Bein. Jeder von DHfK-Keeper Kristian Saeveras gehaltene Ball - der Norweger steigerte sich zusehends - löste einen wahren Jubelorkan aus. Nach zwei Jahren Pandemie, nach viereinhalb Monaten gänzlicher Handballabstinenz ein Wahnsinnsgefühl.

Und die Spieler? Für die galt es, sich zwar tragen zu lassen, aber dennoch einen kühlen Kopf zu bewahren. Die Leipziger sündigten in den letzten zehn Minuten einmal mehr mit ihren Chancen, hielten so unnötig die Flensburger Hoffnung auf Zählbares am Leben. So vergaben Binder (Querlatte) und Lucas Krzikalla (gehalten) aus sicherer Position. Die Folge: Der Vorsprung schmolz. Bei 56:21 Minuten stand nur noch ein 24:22 zu Buche. Acht Minuten waren die Hausherren da schon ohne Tor.


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Sime Ivic (SC DHfK Leipzig): „Keine Ahnung, wie ich den reingemacht habe. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben so ein Tor erzielt. Davor ich habe Marko Mamic noch gefragt, ob er das Tor machen will, weil er Geburtstag hat. Er hat gesagt, ich bin nicht sicheralso habe ich es versucht. Das Tor selbst habe ich nicht gesehen, habe den Ball nur gehört. Das war geil, aber das Beste heute ist eigentlich, nach so langer Zeit ohne Zuschauer hier in der Arena, wieder vor fast 4000 Fans zu spielen.“ Zur Galerie
Sime Ivic (SC DHfK Leipzig): „Keine Ahnung, wie ich den reingemacht habe. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben so ein Tor erzielt. Davor ich habe Marko Mamic noch gefragt, ob er das Tor machen will, weil er Geburtstag hat. Er hat gesagt, ich bin nicht sicheralso habe ich es versucht. Das Tor selbst habe ich nicht gesehen, habe den Ball nur gehört. Das war geil, aber das Beste heute ist eigentlich, nach so langer Zeit ohne Zuschauer hier in der Arena, wieder vor fast 4000 Fans zu spielen.“ ©

Haber zog die grüne Karte. Noch einmal Auszeit, noch einmal 30 Sekunden sammeln, den Fokus finden. Habers Botschaft an seine Jungs: "Männer, wir haben schon drei gute Chancen rausgespielt, jetzt muss der nur noch rein. Schaut euch diese Halle an! Die sind alle da, um mit uns zu feiern. Jetzt müssen wir es nur noch zu Ende bringen!" Sie schafften es, mit einem Freiwurf von Ivic, beim Stand von 24:24, als die Spielzeit schon abgelaufen war und die Flensburger Mauer viel zu hoch schien. Ein Wahnsinnstor passend zu einem Nachmittag, der sich wahnsinnig gut anfühlte, endlich wieder.

Die Statistik zum Spiel:

Leipzig: Saeveras; El-Tayar; Ernst; Witzke (4); Krzikalla (2); Binder (4); Mamic (3); Ivic (6/1); Remke; Sunnefeldt (3); Gebala (3); Milosevic; Esche; Peter.

Flensburg: Buric; Möller; Golla (5); Jensen; Wanne (5/1); Steinhauser (4); Mensah Larsen; Sogard (1); Gottfridsson (4); Jakobsen; Semper (3); Mensing (1); Einarsson; Lindskog; Rod (1).

Siebenmeter: Leipzig 1/1; Flensburg 1/2.

Strafen: Leipzig 2; Flensburg 1.