23. Februar 2021 / 18:05 Uhr

Raus aus "Pippos" Schatten: So hat Lazio-Trainer Simone Inzaghi seinen Bruder überholt

Raus aus "Pippos" Schatten: So hat Lazio-Trainer Simone Inzaghi seinen Bruder überholt

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Simone vs. Pippo: Welcher Inzaghi ist der erfolgreichere? Der SPORTBUZZER wagt den Brüder-Vergleich.
Simone vs. "Pippo": Welcher Inzaghi ist der erfolgreichere? Der SPORTBUZZER wagt den Brüder-Vergleich. © IMAGO /Insidefoto (Montage)
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Als Fußballer sorgte Filippo Inzaghi für die größere Furore. Als Trainer ist es "Pippos" jüngerem Bruder Simone gelungen, aus diesem Schatten hervorzutreten. Der SPORTBUZZER stellt den Coach von Bayerns Champions-League-Gegner Lazio Rom vor.

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Größer als Trainergrößen wie Carlo Ancelotti und Giovanni Trapattoni – das muss man erst mal schaffen. Simone Inzaghi, der Coach von Bayerns Champions-League-Gegner Lazio Rom, hat es geschafft. Durch das 1:0 am Samstag gegen Sampdoria Genua erreichte Inzaghi die Marke von 100 Siegen als Fußballtrainer in der Serie A, er brauchte dafür 182 Spiele. Also mehr als Antonio Conte (145 Spiele), Maurizio Sarri (169) und Fabio Capello (180), die diesen Meilenstein schneller erreichten. Aber eben weniger als die Ex-Bayern-Trainer Ancelotti (185) und Trapattoni (187). Super! Bravissimo, Simone – feiern ihn die Italiener.

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Und so tritt er einmal aus dem Schatten seines Bruders Filippo, besser bekannt als „Superpippo“ oder: der, der stets auf der Abseitslinie tanzte, die „Gleiche Höhe“ aus Fleisch und Blut. Pippo Inzaghi war der Schrecken aller Torhüter im Allgemeinen und im Speziellen der Albtraum von Ex-Bayern-Keeper Oliver Kahn, der einst über ihn sagte, Inzaghi sei „der unangenehmste Stürmer“ gewesen, gegen den er je gespielt habe, weil der ihn „immer am meisten genervt“ habe – ob im Trikot von Juventus Turin oder dem AC Mailand. „Du wusstest nicht, ob er überhaupt mitgespielt hat, und am Ende stand auf der Anzeigetafel: 1:0 und 2:0 In­za­ghi‘“, ärgert sich Kahn heute noch.

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Simone (44) war ebenfalls Stürmer, nur längst nicht so kaltschnäuzig und erfolgreich. Er kickte in Piacenza, war Edeljoker bei Lazio und wurde nach Bergamo und Genua verliehen. Insgesamt 13 Jahre in der Serie A, zehn davon in Rom – stets begleitet von chronischen Rückenproblemen, daher hatte er nur drei Länderspiele in der Squadra Azzurra. Sein Höhepunkt als Aktiver: die Meisterschaft mit Lazio im Jahr 2000. Simone aber blieb stets der kleine Bruder von „Superpippo“, der knapp drei Jahre älter ist. Der größte gemeinsame Brudererfolg: 2000 wurden die Inzaghis mit der italienischen Nationalelf unter Trainer Dino Zoff Vize-Europameister.

Seit 20 Jahren parkt Simone Inzaghi sein Auto auf demselben Parkplatz in Formello

Seit dem 3. April 2016 ist Simone Trainer der Laziali, zuvor hatte er dort als Jugendcoach gearbeitet. Er hatte 2010 direkt nach Ende der aktiven Karriere dort angefangen. Insgesamt ist Inzaghi nun seit 1999 ununterbrochen bei seinem Herzensverein. Zu den sieben Titeln als Stürmer fügte er als Trainer 2019 den Gewinn der Coppa Italia hinzu und holte 2017 und 2019 den italienischen Supercup. Keiner in der Lazio-Vereinsgeschichte war erfolgreicher – und bodenständiger. „Seit 20 Jahren parkt er sein Auto auf demselben Parkplatz in Formello (dem Lazio-Trainingsgelände, Anm. d. Red.)“, erzählt sein Vater Giancarlo, der die Spiele seiner Söhne immer mit einem Gläschen Likör und ein paar Zigaretten verfolgt. „Superpippo“ trainiert nach Stationen beim AC Mailand, Venedig und Bologna aktuell Aufsteiger Benevento Calcio. Nicht so super.


Simone Inzaghi ist ein Verfechter des schnellen und vertikalen Spiels. Lazio spielt Umschaltfußball à la Jürgen Klopp. Nicht lange den Ball haben. Erobern und kontern, zack, zack. So will er den Bayern an diesem Dienstag (21 Uhr, Sky) beikommen und die gute Heimserie ausbauen. Für den Bruder ist Simone „durch und durch Laziale“ und die Symbiose zwischen Verein und ihm „ein Märchen“. Er hofft, dass Simone „Lazios Alex Ferguson“ wird – ein ewiger Coach wie jener schottische Sir einst bei Manchester United.

Der dynamische Spielstil der Laziali ist maßgeschneidert für Stürmer Ciro Immobile (31), hierzulande bekannt als Gescheiterter, der Borussia Dortmund nach nur einer Saison (2014/2015) wieder verließ. In Italien erlebt Immobile, amtierender Torschützenkönig der Serie A, seinen x-ten Frühling. Dank des Coachings von Stürmer zu Stürmer.