11. Januar 2021 / 20:38 Uhr

"Sind der kritische Faktor": Studenten spielen große Rolle in RB Leipzigs Fanszene

"Sind der kritische Faktor": Studenten spielen große Rolle in RB Leipzigs Fanszene

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
So sieht die Red-Bull-Arena schon seit Monaten nicht mehr aus.
So sieht die Red-Bull-Arena schon seit Monaten nicht mehr aus. Zu denen, die ohne Corona regelmäßig hier zu Gast sind, gehören viele Stundenten. © RB Leipzig / motivio
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RB Leipzig muss sich seit der Gründung 2009 regelmäßig Kommerzialisierungsvorwürfe anhören. Inzwischen sind auch immer mehr Studenten Fans der Roten Bullen, wollen sich an der Zukunftsgestaltung des Clubs beteiligen und sich Kritik nicht verbieten lassen.

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Leipzig. Kaum ein Verein polarisiert unter Fußballfans so sehr wie RB Leipzig. Die Einen sehen hier die Zukunft des Volkssports Nummer 1: furioser Offensivfußball in einer Zeit, in der die Kommerzialisierung die Bundesliga längst überrollt hat. Geld, dass der Getränkekonzern klug für Talente, nicht für gestandene Spieler investiert. Und endlich mal ein Verein, der die Monotonie der vorzeitigen Titelgewinne durch den FC Bayern durchbrechen und für Spannung an der Spitze Deutschlands höchster Spielklasse sorgen kann. Die Anderen sehen das Fußball-Ufo, das nur in Leipzig gelandet ist, weil es in anderen Städten keine Landeerlaubnis erhielt. Ein Marketingkonstrukt aus Österreich ohne Tradition, das einzig und allein die Marke Red Bull präsentieren will. Eine geschlossene Gesellschaft, die Fans keinerlei Mitbestimmung bietet.

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Kein Mitläufer

Max ist Student an der Universität Leipzig und hat das Entstehen der Fanszene von RB miterlebt. „Das erste Mal im Stadion war ich 2010, also mit 10 Jahren. Ich bin dort mit meinen Freunden hingegangen, und es war immer eine Menge Arbeit, meine Eltern davon zu überzeugen“, erinnert sich der heute 20-jährige Leipziger. 2013, da spielte der Verein gerade in der 3. Liga, trat Max seiner ersten Fangruppierung bei. „Ich habe mich damals schon immer im Umfeld aufgehalten, der Beitritt war also die logische Folge.“ Gerade zu Beginn sei es sehr einfach gewesen, neue Fanclubs zu bilden und diesen beizutreten.

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Der Student kennt die Kritik an RB: „Ich sehe es auch nicht gerne, wenn der Verein zu jedem Spiel die Red-Bull-Dose in die Kamera hält. Es ist mir natürlich bewusst, wer da dahintersteht und welches Ziel der Konzern mit Rasenballsport verfolgt.“ Und damit ist Max nicht allein: Nachdem Anfang vergangenen Jahres der Fanbeauftragte Timm Mertens entlassen wurde, verfassten mehr als 20 Fanclubs und -organisationen einen offenen Brief. In diesem heißt es unter anderem „RB Leipzig – wir fühlen uns als Fans von Dir schon lange nicht mehr richtig ernst genommen und respektiert.“ Und weiter: „Im eigenen Stadion werden wir uns jedoch ganz sicher nicht zu den meinungslosen und stromlinienförmigen Konsumenten machen lassen, als die uns andere Fanszenen gern verrufen. Wir wollen uns identifizieren können mit dem Verein, für den wir brennen!“

Heterogene Fankultur normal und gewünscht

Dennoch überwiegt die Motivation, die noch junge Fanszene mitzugestalten: „Mir geht es vor allem darum, dass ich gesellschaftliche Arbeit leisten kann. Ich möchte mich gegen Homophobie, Sexismus und Faschismus in deutschen Stadien einsetzen“, argumentiert Max. Außerdem sei ihm die bereits genannte Kritik wichtig: „Wenn wir den Verein kritisieren, schadet das automatisch dem Image von Red Bull. Das wollen sie natürlich verhindern. Und genau darum ist unser Veto so wichtig!“

Rund acht Prozent Studenten

Als Student spielt Max eine wichtige Rolle für den 2009 gegründeten Bundesligisten. Wie der Verein mitteilte „unterstützen und leben Studenten die Stimmung im Stadion mit und vor. Unsere Fans allgemein sind divers, somit auch die Studenten unter ihnen. Verschiedene Ansichten, Meinungen und Haltungen sind in einer heterogenen Fankultur vollkommen normal und gewünscht.“ RB geht davon aus, dass etwa acht Prozent seiner Fans Studenten sind: „Der Anteil wird auf jeden Fall immer größer. Neben einem Fanklub mit 72 Mitgliedern gibt es verschiedene Angebote, die sich direkt an Studenten richten. So zum Beispiel die Uni-Lecture oder das Arena-Zocken.“

Die acht Prozent schätzt Max als realistisch ein. In der aktiven Fanszene seien es aber mit 15 bis 20 Prozent etwas mehr. Als Student hat er unter der Woche mehr Zeit, sich für den Verein einzusetzen. „Ich habe aber auch einen Nebenjob.“ Das verdiente Geld wird gleich wieder in die Dauerkarte und Auswärtsfahrten investiert: „Eigentliche arbeite ich, um zu RB zu gehen“, lacht Max.

Die Fanszene ist inzwischen um ein Vielfaches gewachsen. Max teilt die Eindrücke des Vereins: „Heterogenität spielt bei uns eine wichtige Rolle. Die Mitglieder unserer Fangruppierung sind Leipzig-weit verteilt, sie sind Studenten, Azubis, Arbeitnehmer.“

Hendrik Schirner