26. August 2020 / 09:47 Uhr

Sitzplatz to go, Abstände auf Tribünen: So planen Klubs für die Fans

Sitzplatz to go, Abstände auf Tribünen: So planen Klubs für die Fans

Jürgen Braun, Benno Seelhöfer und Yannik Haustein
RedaktionsNetzwerk Deutschland
copy of Fußball; TSV Hillerse- Lupo Martini Wolfsburg, Stühle
Mitgebrachte Stühle: Die Zukunft in der ersten Fußball-Saison unter Corona? Fakt ist, Vereine und Zuschauer müssen Regeln einhalten. Kommen mehr als 50 Besucher wird es - Stand 26. August 2020, kompliziert. © Sebastian Preuß
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Abstände auf Tribünen einzeichnen, Sitzplätze selbst mitbringen oder gar Zuschauer abweisen: Wie bereiten sich heimische Fußball-Klubs zu Corona-Zeiten auf den Spielbetrieb mit Fans vor? Wir haben bei einigen Vereinen nachgefragt.

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Ab dem 51. Fan wird es komplizierter

Kreative Lösungen, wie Sitzplätze selbst mitbringen, oder pragmatische Anätze, wie beispielsweise nicht mehr als 50 Zuschauer zulassen - es gibt viele Herangehensweisen, wie Fußball, Fans und Corona-Vorgaben unter einen Hut zu bringen sind. Wir haben bei einigen heimischen Klubs nachgefragt, wie sie das Thema angehen und ein möglichst sicheres Fußball-Erlebnis auf den Sportplätzen bieten wollen.

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Die Situation ist schwierig. Bernd Hartwig, Spielausschuss-Vorsitzender des NFV-Kreises Wolfsburg, sagt: "Für viele Vereine wird es das Beste sein - 50 Zuschauer und Schluss." Die Tücke sei nämlich: "Bis 50 Zuschauer kann man einlassen. Die können alle stehen. Ab dem 51. brauchen alle einen Sitzplatz. Auch die ersten 50." Dokumentation wird dann zudem zur Pflicht. Insbesondere Vereine, die von Haus aus keine Sitzplätze haben, stellt das vor logistische Probleme. Bitter in der neuen Fußball-Zeitrechnung mit Corona: Mancher Verein könnte in die Situation kommen, dass er Fans abweisen muss.

So steht es in den NFV-Richtlinien: Bis zu 50 stehende Zuschauer dürfen unter konsequenter Einhaltung der Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen zusehen. Liegt die Zahl der Zuschauer bei mehr als 50, so ist das Verfolgen für alle Zuschauer ausschließlich sitzend zulässig. Zudem sind bei dieser Zahl die Kontaktdaten der Zuschauer zu dokumentieren und ein Hygiene-Konzept zu erstellen. In die Personengruppe der Zuschauer zählen alle auf dem Vereins-/Sportgelände anwesenden Personen, die nicht unter die Personengruppe der aktiv Sportausübenden (also der 50er Gruppe aktiver Sportler inklusive Haupt-Schiedsrichter) fallen. Damit sind Trainer, Betreuer, Ordner, Presse, TV, Catering, Turnierleitung, Kassierer, etc. allesamt auf die zulässige Anzahl der Zuschauer anzurechnen.

Bis zum Start der Punktspiele kann es noch Änderungen geben. Allerdings in jede Richtung. Und: Örtliche Verfügungslagen können abweichen.

Hat im August schon einmal vor heimischem Publikum getestet: Der MTV Gifhorn (in Gelb-Schwarz) im Duell mit dem SSV Vorsfelde.
Hat im August schon einmal vor heimischem Publikum getestet: Der MTV Gifhorn (in Gelb-Schwarz) im Duell mit dem SSV Vorsfelde. © Foto: Lea Rebuschat

MTV Gifhorn (Oberliga)

Seinen ersten Heim-Test bestreitet Gifhorns Staffel-Konkurrent Lupo/Martini Wolfsburg ohne Zuschauer, der MTV ist da schon ein wenig weiter in den Vorbereitungen - bestritt das Testspiel zu Hause gegen Landesligist SSV Vorsfelde Anfang August vor rund 140 Fans. "Wir haben das damals schon gut hinbekommen", sagt Spartenleiter Serkan Güngör. Und deshalb will der MTV in der Saison an demselben Konzept festhalten. "Unsere Tribüne bietet knapp 800 Leuten Platz - wenn wir die Abstände dort einhalten, passen noch rund ein Viertel der Leute darauf." Sitzschalen, die nicht benutzt werden dürfen, seien abgeklebt, dazu sei der Zuschauer-Strom mit Einbahnstraßen geregelt, sagt Güngör. Und was ist, falls es bei Top-Spielen mal einen größeren Andrang geben sollte? "Wenn Spiele sind, bei denen wir mit mehr Zuschauern rechnen, werden wir um den Platz noch Stühle bereitstellen oder die Fans bitten, selbst welche mitzubringen." Dann würden neben den rund 200 Fans auf der Tribüne noch 100 weitere um das Feld herum Platz finden.

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MTV Isenbüttel (Landesliga)

Nur der erste Test beim VfL Knesbeck hat auswärts stattgefunden, die restlichen Vorbereitungs-Partien bestritt oder bestreitet der MTV Isenbüttel noch zu Hause. "Das haben wir so festgelegt, um zu gucken, was sich umsetzen lässt oder wo es vielleicht Probleme geben könnte", erklärt Isenbüttels Trainer Rouven Lütke. "Am Sonntag haben wir es sogar mit einem Doppelspieltag mit der Zweiten versucht, das ging ganz gut." Isenbüttel orientiert sich an der Obergrenze von 50 Zuschauern, "bisher hat das auch ausgereicht", so Lütke. Für Spiele wie das Derby gegen den SV Calberlah "ist es wohl angedacht, mehr Sitzplätze anzubieten oder die Zuschauer Stühle mitbringen zu lassen - das steht aber alles noch nicht fest", sagt Lütke, dessen Team am Freitag gegen den Bezirksligisten SV Barnstorf testet.

SV Reislingen/Neuhaus (Landesliga)

Noch hat der SV nicht daheim gekickt: Sämtliche bisherige Vorbereitungsspiele fanden auswärts statt, auch der letzte Test am Sonntag wird kein Heimspiel, wenn es zu Atletico Wolfsburg geht. Erst am 6. September - zum Bezirkspokal-Start gegen den TSV Hehlingen - spielt Reislingen erstmals wieder auf heimischem Rasen. "Wir sind in der Planung, aber noch nicht fertig", sagt SV-Coach Tahar Gritli. Gut zwei Wochen hat der SV noch, um ein Konzept auszuarbeiten. "Geplant ist es jedenfalls, dass Zuschauer erlaubt sind. Ein paar Stühle haben wir zur Verfügung, aber wie genau wir es letztlich machen, steht noch nicht fest", so Gritli. Einen Verkauf von Essen oder Getränken wird es derweil nicht geben.

WSV Wendschott (Bezirksliga)

Schon beim Testspiel gegen Oberligist Lupo/Martini Wolfsburg hat Bezirksligist WSV Wendschott sein Hygiene-Konzept erfolgreich angewendet: Rund 70 Stühle wurden aufgestellt, am Eingang bekamen alle Fans die Hände desinfiziert und jeder musste sich in eine Liste eintragen. "Das werden wir auch in der kommenden Saison so machen", sagt der spielende Co-Trainer Jan Ademeit. "Maximal 200 Leute können dann hier zuschauen." Außerdem müssen alle Zuschauer beim Betreten und Verlassen des Geländes eine Maske tragen. Der WSV will bei Spielen auch wieder viele Stühle aufstellen - aber, so Ademeit: "Es wäre trotzdem gut, wenn sicherheitshalber jeder einen Stuhl mitbringt." Denn für den WSV ist klar: "Manche Vereine haben auf dem Staffeltag schon gesagt, dass sie ohne Zuschauer spielen wollen, weil sie es nicht stemmen können. Wir wollen auf jeden Fall mit Fans spielen."

FC Schwülper (Kreisliga Gifhorn/Staffel B)

Mit zwei nebeneinander liegenden Plätzen in Rothemühle hat Schwülper relativ viel Raum, um Abstände einzuhalten. Und: Zwei Heim-Testspiele hat der FC bereits absolviert, zwei weitere folgen noch. Wie beim SV Reislingen/Neuhaus wird es während der Spiele keinen Verkauf geben, "über die Zuschauer müssen wir uns keine großen Gedanken machen - so viele waren es sowieso nicht", sagt FC-Coach Thorsten Meyer. Ein größeres Problem sieht der Trainer beim Konzept an sich - das hat nämlich nicht der FC aufgestellt, sondern der TSV Rothemühle, dessen Anlage der FC (der aus dem TSV sowie der FSV Okertal hervorgegangen war) nutzt. "Und das ist bescheiden, wir können die Kabinen nicht nutzen. Die Jungs müssen also schon umgezogen zum Sportplatz kommen und hinterher verschwitzt wieder zurückfahren - die meisten in die Braunschweiger Gegend."

TSV Heiligendorf (Kreisliga Wolfsburg)

"Wir haben ein Konzept. Um auch beim Einlass den Sicherheitsabstand einzuhalten, werden nur einen Eingang haben", sagt Marco Paetz, Spartenleiter des TSV Heiligendorf. "In der Regel haben wir nicht mehr als 50 Zuschauer." Allerdings: Bereits am Sonntag steigt das Kreispokal-Spiel der Zweiten gegen Kreisligist FSG Neindorf/Amke. Ein Derby. Paetz: "Da beraten wir noch, ob wir auf 50 Zuschauer begrenzen." Die Alternative wäre - 50 Stühle aufzustellen UND Besucher aufzufordern, sich eine Sitzgelegenheit mitzubringen.