02. September 2020 / 18:11 Uhr

Sitzplätze schaffen: Göttinger und Eichsfelder Klubs setzen auf die Fans

Sitzplätze schaffen: Göttinger und Eichsfelder Klubs setzen auf die Fans

Kathrin Lienig und Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Daniel Vollbrecht, Fußball-Abteilungsleiter des Bovender SV (l.), und Lars Willmann, Co-Trainer des SC Hainberg, freuen sich auf das Bezirkspokalspiel im Jahnstadion.
Daniel Vollbrecht, Fußball-Abteilungsleiter des Bovender SV (l.), und Lars Willmann, Co-Trainer des SC Hainberg, freuen sich auf das Bezirkspokalspiel im Jahnstadion. © Warda
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Während Fußball-Oberligist Eintracht Northeim ein ausreichendes Angebot an Sitzplätzen hat, müssen andernorts zum Pflichtspielstart am Wochenende Stühle mitgebracht werden, um den Corona-Abstandsregeln zu genügen – so auch auf den Plätzen im Eichsfeld.

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Verspätet und mit coronabedingten Abstandsregeln beginnen am Wochenende die Pflichtspiele der Fußballsaison 2020/21: Während in der Staffel Hannover/Braunschweig der Oberliga-Niedersachsen der erste Spieltag das Derby zwischen dem FC Eintracht Northeim und der SVG Göttingen mit sich bringt (Anstoß: Sonntag um 14 Uhr), stehen für die Teams im Bezirk Pokalspiele auf dem Programm.

Wer am Wochenende Fußballspiele besuchen will, steht allerdings vor der Stuhl-Frage: Bei einigen Klubs ist es aus Gründen der Abstandswahrung Pflicht, Stühle mitzubringen, bei anderen nicht, und dann gibt es Klubs, die ausreichend Sitzgelegenheiten für sämtliche Zuschauer, selbst für die maximale Anzahl von 500 Besuchern, vorhalten. Wir haben uns bei den Heimmannschaften des kommenden Wochenendes umgehört – damit die Zuschauer am Ende nicht zwischen allen Stühlen sitzen.

Kapazitäten könnten schnell erschöpft sein

„Wir haben in Brochthausen schon einige Sitzgelegenheiten. Es macht aber Sinn, dass die Zuschauer sich eigene Stühle mitbringen“, sagt Fabian Adam, Teammanager der SG Bergdörfer vor dem Pokalspiel gegen den TSV Landolfshausen/Seulingen. Bänke und die Bestuhlung eines Sozialraums stehen zur Verfügung. Da Adam für diese Partie aber „hundert und aufwärts Zuschauer“ erwartet, setzt er auf die Besucher und ihre Mithilfe.

„Wir haben ein spezielles Konzept für den Umgang mit den Zuschauern erarbeitet, beispielsweise was die Eingänge betrifft. Ich denke, insgesamt muss man mit Fingerspitzengefühl rangehen und auch an die Disziplin der Besucher appellieren“, sagt der Teammanager. Er und die anderen Verantwortlichen der SGB haben bei den Testspielen, von denen einige auch Derby-Charakter hatten, beobachtet, dass viele Zuschauer schon eigene Stühle dabei hatten. „Auch an dieses Thema muss man sich herantasten und bestmöglich umsetzen. Wir lernen von Mal zu Mal.“ Es sei keinesfalls sinnvoll, schon im Vorfeld in Panik zu verfallen. „Es gibt Absprachen mit der Stadt Duderstadt zu Sitz-Zonen, einem Gastro-Bereich und einem Bereich, in dem sich die Spieler aufhalten. Letztlich ist es auch hier ein Geben und Nehmen, an dem alle mitarbeiten müssen“, sagt Adam.

Generalprobe im Testspiel gelungen

Beim Bezirksliga-Neuling SV Germania Breitenberg, der in der ersten Pokalrunde den Liga-Konkurrenten SV Bilshausen zum Eichsfeld-Derby empfängt, wurde der Ernstfall bereits am Dienstagabend beim Testspiel gegen TSV Landolfshausen-Seulingen II geprobt. „Da waren mehr als 50 Zuschauer da. Wir haben dann die, die stehen geblieben sind, aufgefordert sich zu setzen. Nicht alle waren begeistert, sind der Aufforderung aber gefolgt“, berichtet Germanen-Vorsitzender Bernd Deppe.

Sein Verein hat sich etwa 50 Bänke von der Kyffhäuser-Kameradschaft ausgeliehen und wird diese vor jedem Spiel aufstellen und anschließend wieder abbauen. „Das ist natürlich erhebliche Mehrarbeit, aber unsere Spieler haben zugesagt mitzuhelfen.“ Der Vorsitzende fordert die Zuschauer aber dennoch auf, Stühle mitzubringen, weil pro Bank nur zwei Besucher Platz finden.

„Problematisch wird es wahrscheinlich, wenn das Wetter schlechter wird und es regnet. Denn es kommt ja auch noch die Dokumentationspflicht dazu. Das kann im Herbst schon mal schwierig werden“, sagt Deppe. „Aber wir lernen mit jedem Spiel dazu.“

Stühle schon im Sporthaus deponiert

„Der eine oder andere hat seinen Stuhl schon im Sporthaus deponiert“, hat Bernd Mühlhaus, Seniorenspielleiter des SV Rotenberg, in den vergangenen Tagen beobachtet. Er schätzt die Quote derer, die einen eigenen Stuhl dabei haben, auf „85 Prozent“. Das habe sich in den Testspielen, die in Pöhlde ausgetragen wurden, schon eingespielt.

Auf der Anlage in Rhumspringe, auf der der SV Rotenberg am Sonntag die SG Denkershausen/Lagershausen empfängt, könne der Verein etwa 20 bis 30 Sitzgelegenheiten auf den Bänken an der Sporthausseite bieten. „Wir fangen frühzeitig an und richten die Anlage für Sonntag her, werden mit Flatterband Laufwege kennzeichnen.“ Mit dem Niedersächsischen Fußballverband habe es einen regen Austausch gegeben, bekommen die Vereine Ratschläge und Hinweise.

Northeim ist für Derby gerüstet

Das Gustav-Wegner-Stadion in Northeim ist groß, und deshalb sind die Zuschauer trotz Corona in der angenehmen Situation, keine Sitzgelegenheit mitbringen zu müssen: Selbst bei der maximal erlaubten Zuschauerzahl von 500 Besuchern bestehe angesichts der Holz- und der Steintribüne auf der Gegengerade sowie Sitzmöglichkeiten rechts und links von der Haupttribüne kein Problem, den Sicherheitsabstand zu wahren, unterstreicht Eintracht-Pressesprecher Moritz Braukmüller vor dem Prestigederby der Oberliga gegen den Aufsteiger SVG. Wer sich allerdings auf die Gegengerade setzen möchte, sollte sich ein Sitzkissen oder eine Pappe mitbringen – sonst wird der Hintern kalt.

I. SC 05 kontrolliert genau

Landesligist I. SC Göttingen 05 trifft im ersten Spiel der Bezirkspokal-Gruppenphase am Sonntag um 15 Uhr im Maschpark auf den Bezirksligisten FC Grone. Die Sitztribüne des A-Platzes bietet 50 Zuschauern Platz, weshalb die Schwarz-Gelben die Fans dringend darum bitten, Sitzgelegenheiten mitzubringen. Werde das Limit von 50 Personen ohne Stuhl erreicht, komme es zu einem Einlassstop für Personen ohne Stuhl, teilt 05 mit. Sollte die Partie wider Erwarten auf Kunstrasen stattfinden, müssen sowieso sämtliche Zuschauer Stühle mitbringen.

Weißenborn ist übersichtlicher

Das Pokalspiel der Bezirksligisten FC Gleichen und TSV Groß Schneen wird am Sonntag (15 Uhr) auf dem Sportplatz in Weißenborn angepfiffen. „Da klappt das besser mit dem Einlass,. In Diemarden wäre es problematisch, weil der Platz von vielen Seiten zugänglich ist“, sagt FC-Vorstandssprecher Hans-Werner Lüther. Er bittet die Zuschauer, eigene Stühle mitzubringen, die vorhandenen Klappbänke würde bei weitem nicht ausreichen. „Ich appelliere an die Vernunft der Besucher. Viele haben schon bei den Spielen des Sparkasse Göttingen Cups Sitzgelegenheiten dabei gehabt, sie haben das teilweise schon verinnerlicht.“

Hainberg zieht ins Jahnstadion um

Landesligist SC Hainberg zieht wegen der Baustelle auf den Zietenterrassen für die drei Heimspiele in der Gruppenphase des Bezirkspokals ins Jahnstadion um – zuerst ist am Sonntag um 13 Uhr der Bezirksligist Bovender SV zu Gast in der 15 000 Zuschauer fassenden Arena. Geöffnet wird laut dem SCH-Vorsitzenden Jörg Lohse die Stehtribüne, auf der allerdings, wie in Coronazeiten üblich, die Fans das Spiel nur sitzend verfolgen dürfen. Mitgebracht werden sollten deshalb Sitzkissen, wer will, kann auch einen Stuhl mitbringen. Die Idee zum Umzug ins Jahnstadion stammt von Lohse, der Stadionbetreiber GoeSF hatte nichts dagegen.

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Bezirksligist SG Lenglern tritt am Sonntag um 15 Uhr auf heimischem Platz gegen den Ligakonkurrenten SCW Göttingen an. Auch hier gilt: Stühle sind mitzubringen. „Dazu haben wir auf der Homepage aufgerufen, und das hat bis jetzt zu 100 Prozent geklappt“, sagt SG-Teammanager Jens Schiele. Einige Sitzplätze sollen wie immer freigehalten werden, denn es soll den älteren Fans aus Lenglern nicht zugemutet werden, den Stuhl einmal durchs Dorf zu schleppen.