25. Januar 2023 / 14:51 Uhr

Skandal überschattet französischen Handball: Liga-Chef Bruno Martini wegen Kinderpornografie inhaftiert

Skandal überschattet französischen Handball: Liga-Chef Bruno Martini wegen Kinderpornografie inhaftiert

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Ex-Nationalspieler Bruno Martini ist seit 2021 Präsident der französischen Handball-Liga.
Ex-Nationalspieler Bruno Martini ist seit 2021 Präsident der französischen Handball-Liga. © IMAGO/PanoramiC
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Ein Skandal erschüttert der französischen Handball am Tag des WM-Viertelfinals gegen Deutschland. Wie am Mittwoch bekannt wurde, ist Bruno Martini, zweimaliger Weltmeister und heutiger Liga-Präsident, am Montag vorübergehend inhaftiert worden.

Kurz vorm WM-Viertelfinale gegen Deutschland wird die Handball-Nation Frankreich von einem Skandal getroffen. Bruno Martini (52), Weltmeister von 1995 und 2001, wird wegen "Bestechung eines Minderjährigen" und "Aufnahme von kinderpornografischen Bildern" strafrechtlich verfolgt. Das enthüllte France-Info. Martini ist auch Präsident der nationalen Handball-Liga.

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Der ehemalige Torhüter stand 171 Mal für Frankreich zwischen den Pfosten, gab 1999 ein Bundesliga-Gastspiel beim HC Wuppertal. 2007 hatte er bei USAM Nimes seine Karriere beendet, konnte so im März 2009 vom THW Kiel bis zum Saisonende als Ersatz für den verletzten Andreas Palicka verpflichtet werden. Vor seiner Zeit als Liga-Präsident war er bis Januar 2021 Geschäftsführer von Frankreichs Top-Klub Paris Saint-Germain.

Die französische Zeitung L’Equipe berichtet, dass Martini im Sommer 2020 Gegenstand einer Anzeige eines 13 Jahre alten Kindes gewesen sei. Der Junge habe erklärt, dass er in einem Netzwerk von einem Mann angesprochen worden sei, der ihn dazu brachte, mehrere Selfies und Videos sexueller Natur mit ihm auszutauschen. Ein Treffen habe der Teenager abgelehnt. Die Abteilung zum Schutz von Minderjährigen entdeckte nach monatelangen Ermittlungen, dass Martini hinter dem Pseudonym stecken soll, das im Internet zur Kontaktaufnahme angegeben wurde.

Laut France-Info habe der Ex-Nationalspieler zugegeben, den Jungen angesprochen zu haben, dieser hätte aber versichert, dass er über 15 Jahre alt sei. Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AFP bestätigte die Pariser Staatsanwaltschaft, dass Martini nach Aufhebung seines Polizeigewahrsams am Dienstagabend wegen eines "wahrscheinlichen Erscheinens zur vorherigen Schuldanerkennung" freigelassen worden sei. Er soll am Mittwoch offenbar einem Haftrichter vorgeführt werden.

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Französischer Handballverband ruft Bruno Martini zum Rücktritt auf

"Wie alle bin ich zutiefst geschockt", reagierte Sportministerin Amélie Oudéa-Castéra auf Twitter. Sie denke natürlich sehr bewegt an den Jungen und seine Familie. Ein außergewöhnlicher Lenkungsausschuss der nationalen Liga soll am Mittwoch "alle notwendigen Entscheidungen treffen, sowohl in Bezug auf Disziplinarmaßnahmen als auch in Bezug auf die Zukunft der Liga", präzisierte die Ministerin.

Der französische Handballverband FFH distanzierte sich am Mittwoch von dem Liga-Präsidenten und rief ihn zum Rücktritt von seinen Ämtern auf. "Der Handballverband hat heute mit Erstaunen die äußerst schwerwiegenden Tatsachen zur Kenntnis genommen, die Bruno Martini, dem Präsidenten der Ligue Nationale de Handball, vorgeworfen werden und die er anscheinend zugibt, und die im Sport keinen Platz haben."

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