21. August 2018 / 22:56 Uhr

Jagdszenen und Morddrohungen: SC Bananas gehen auf SC Alferde los - Spielabbruch

Jagdszenen und Morddrohungen: SC Bananas gehen auf SC Alferde los - Spielabbruch

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Polizeieinsatz in der Kreisklasse: Bei Spiel SC Alferde gegen Borussia Hannover III mussten Einsatzkräfte anrücken. Der Schiedsrichter hatte zuvor die Partie nach drei roten Karten gegen die Gäste in der 44. Minute abgebrochen.
Polizeieinsatz in der Kreisklasse: Bei Spiel SC Alferde gegen Borussia Hannover III mussten Einsatzkräfte anrücken. Der Schiedsrichter hatte zuvor die Partie nach drei roten Karten gegen die Gäste in der 44. Minute abgebrochen. © dpa/Symbolbild
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Polizeieinsatz in der 3. Kreisklasse Hannover: Nach Abbruch der Partie SC Alferde gegen Borussia Hannover III rücken vier Streifenwagen an. Das Entsetzen ist groß, die Mannschaft soll wohl abgemeldet werden. 

Schläge, Beleidigungen, Spielabbruch. Die Kreisklassen-Partie zwischen dem SC Alferde und Borussia Hannover III dauerte nur 44 Minuten. Dann brach Schiedsrichter Jens Tous die Begegnung nach drei Platzverweisen gegen die Borussia wegen Tumulten ab. Die Polizei rückte an. Und selbst da wollten sich die Akteure der Gäste nach Angaben des Gastgebers nicht beruhigen. Die Alferder Spieler – geschockt. Die Vereinsverantwortlichen auf beiden Seiten – entsetzt.

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​Schläge, Beleidigungen, Spielabbruch

Doch der Reihe nach: Die Borussia, als Aufsteiger mit 6:2 gestartet, führte nach rund einer halben Stunde in Alferde 2:1. Das kühlte die Emotionen aber nicht ab, im Gegenteil. "Mit zunehmender Spieldauer wurden die Jungs immer aggressiver", sagt SCA-Vorstand Sascha Fünfstück. Vor allem soll sich der Kapitän mit seinem schlechten Verhalten hervorgetan haben. Als zwei Hannoveraner in einer Szene kurz vor der Pause ineinander liefen und der Ball ins Aus rollte, eskalierte die Situation. "Einer unserer Spieler hat wohl gelacht, es gab einen Spruch von der Ersatzbank."

Danach waren die aufgebrachten Gäste nicht mehr zu halten, sahen drei rote Karten, von denen der Schiedsrichter eine nicht zuordnen konnte. Ein Zuschauer rief nach Abbruch und Tumulten, die bis auf die Terrasse des Vereinsheims getragen wurden, die Polizei. Borussias Spartenleiter Dirk Hasselmann sagte entsetzt:

Hasselmann: „Vier Polizeiwagen wegen eines Einwurfs – ich habe gedacht, ich falle ins Koma“

Eigentlich möchte er sich nicht zu den Vorkommnissen äußern, bis er den Schiedsrichterbericht gelesen und seine Spieler befragt hat. Dann spricht er doch. „Ich werde die Mannschaft wohl abmelden“, sagt der Funktionär. „Mir wurde von Rudelbildung mit Beleidigungen und Tätlichkeit berichtet“, sagt Hasselmann. „Das ist so peinlich.“ Ein Betreuer des Teams habe wegen der Ausschreitungen sofort hingeworfen. Hasselmann will die beteiligten Spieler um schriftliche Berichte bitten und dann mit dem Vorstand zusammen eine Entscheidung fällen. Das könnte noch in dieser Woche passieren. Und dann will sich Hasselmann auch beim SC Alferde melden.

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facebook/SCA
Das Facebook-Statement des SC Alferde zum Skandal-Spiel gegen Borussia Hannover III.  ©

"SC Bananas" droht das Aus

Vor drei Jahren nahm der Klub das Team, das sich SC Bananas nennt, in seine Strukturen auf. Im ersten Jahr "waren wir mit Abstand die unfairste Mannschaft der Liga", erinnert sich Hasselmann. Die Verantwortlichen trennten sich von einigen Unruhestiftern. In der letzten Saison lief es eigentlich ganz gut. Es gab zwei Ampelkarten und 26 Gelbe - ein Durchschnittswert. "Und jetzt gibt es so einen Rückfall - mir fehlen die Worte", sagt Hasselmann, der auf den zweiten Bericht des Schiedsrichters wartet. Am Donnerstag wird es ein Gespräch zwischen Vorstand und Mannschaft geben.

Fünfstück: "So etwas möchte ich nie wieder mitmachen"

Die Gastgeber haben bereits am Abend des Skandals beschlossen, das Rückspiel zu boykottieren. „Wir hoffen, dass der Verband reagiert“, sagt SCA-Vorstand Fünfstück, noch immer mitgenommen von den Vorkommnissen, die er hautnah miterlebte. Seit 14 Jahren ist der 42-Jährige Vorsitzender des Klub, auf Amateurfußballplätzen tummelt er sich noch viel länger herum, „aber so etwas habe ich in meinem Leben noch nicht mitgemacht - und so etwas möchte ich auch nie wieder mitmachen“. 

Es sei zu Jagdszenen gekommen, Spieler hätten sich in der Kabine eingeschlossen. Selbst als die Polizei mit den ersten Einsatzkräften vor Ort war, beruhigten sich die aggressiven Borussen nicht. „Wir haben auf Wunsch der Spieler die Polizei gebeten, so lange vor Ort zu bleiben, bis der Gegner das Gelände verlassen hat“, sagt Fünfstück.

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Schuschel: Borussia nicht in die Randale-Ecke stellen

Der Spielausschuss unter der Leitung von Thorsten Schuschel wird die Angelegenheit an das Sportgericht weitergeben. Es sei ein zweiter Bericht erstellt worden, den er bis zum Zeitpunkt des Gesprächs noch nicht gelesen habe. "Dort wird dann entschieden", sagt Schuschel. Er plädiert dafür, im Rahmen des Gewalt-Mediationsprojekts Waage e.V. "die Verfahrensbeteiligten und mutmaßlichen Verursacher an einen Tisch zu bekommen". Er warnt zudem, den Verein in die Randale-Ecke zu stellen. "Ich kenne viele Mitglieder und Ehrenamtliche, die solch ein Verhalten nicht gutheißen", sagt Schuschel und verweist darauf, dass Borussia Hannover gemeinsam mit dem DFB prämierte Integrationsprojekte durchgeführt habe.

Nicht die erste Verfehlung der Borussia

Auf Facebook ging der Spielabbruch schnell viral. "Wir haben uns dazu entschieden, unsere Sicht der Dinge zu posten. Viele Leute im Dorf haben den Polizeieinsatz mitbekommen", sagt Fünfstück. Daraufhin meldeten sich auch Spieler anderer Teams. So soll es bereits am 1. Spieltag beim 6:2 der Borussen gegen die dritte Mannschaft des TSV Barsinghausen im Stadion am Großen Kolonnenweg zu ähnlichen Szenen gekommen sein. Ein Spieler des TSV kommentierte die Vorfälle gegenüber dem SPORTBUZZER:

"Wir haben uns zusammengeschlossen, um gemeinsam zu kicken und Spaß zu haben aber nicht, um uns über den Platz jagen zu lassen"

Er berichtet von Morddrohungen, Handgreiflichkeiten und übelsten Beleidigungen durch Spieler und Zuschauer. Die Barsinghäuser überlegen ebenfalls, im Rückspiel gegen Borussia nicht anzutreten. Aber vielleicht sind diese Überlegungen eh bald hinfällig.

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