11. Januar 2020 / 18:01 Uhr

Überraschung beim Skilanglauf-Weltcup in Dresden bleibt aus

Überraschung beim Skilanglauf-Weltcup in Dresden bleibt aus

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Die Sieger beim Weltcup 2020 am Dresdner Elbufer: Sindre Bjoernstad Skar, Lucas Chanavat und Johan Haegestroem (von links nach rechts) holten Silber, Gold, Bronze.
Die Sieger beim Weltcup 2020 am Dresdner Elbufer: Sindre Bjoernstad Skar, Lucas Chanavat und Johan Haegestroem (von links nach rechts) holten Silber, Gold, Bronze. © Anja Schneider
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Lokalmatador Richard Leupold erreicht lediglich Rang 64 und die deutschen Damen scheitern denkbar knapp am Halbfinale. Die Siege gehen nach Schweden und Frankreich – auch wegen des Sturzes eines Favoriten.

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Dresden. Die Konkurrenz war hart und wieder übermächtig. Lokalmatador Richard Leupold vom Skiklub Niedersedlitz wollte zum Auftakt des Skilanglauf-Weltcups am Dresdner Königsufer so nah wie möglich an die Top-30 heranfahren. Am Ende stand bei dem anspruchsvollen Freistil-Sprintrennen vor der malerischen Altstadt-Silhouette für den 22-Jährigen allerdings Rang 64 von 76 Startern zu Buche. „Es lief nicht so wie erhofft. Das Resultat war nicht in dem Bereich, wo es eigentlich hingehört. In früheren Wettkämpfen hab ich schon bessere Ergebnisse gebracht“, gibt Richard Leupold zu. „Körperlich richtig frisch habe ich mich diesmal leider nicht gefühlt. Die meisten deutschen Läufer sind relativ spät gestartet, das macht es natürlich auch nicht leicht. Je länger man fährt, desto weicher wird die Strecke“, erklärt das Dresdner Talent.

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Rund 2500 Zuschauern feuerten die Läuferinnen und Läufer beim Sprint-Weltcup am Elbufer an. Zur Galerie
Rund 2500 Zuschauern feuerten die Läuferinnen und Läufer beim Sprint-Weltcup am Elbufer an. © Anja Schneider

So kam es, dass es kein Teilnehmer des Deutschen Skiverbandes unter die schnellsten 30 schaffte. Bester Deutscher vor den rund 2500 Zuschauern war Max Olex als 37., für Anian Sossau, Jonas Schröter, Maxim Cervinka und eben Richard Leupold reichte es nur für Rang 50 und dahinter. Damit blieb die erhoffte Überraschung aus, denn auch bei den deutschen Damen reichte es nicht fürs Halbfinale, auch wenn sie daran deutlich enger scheiterten: Coletta Rydzek (15.) und Anne Winkler (16.) fuhren als jeweils Drittplatzierte ihres Viertelfinals denkbar knapp an den Top-12 vorbei. Nadine Herrmann und Sofie Krehl hatten es ebenfalls bis ins Viertelfinale geschafft, Alexandra Danner und Julia Richter nicht.

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Die Frauenkonkurrenz entschied die junge Schwedin Linn Svahn für sich, die damit bei ihrer erst vierten Weltcup-Teilnahme bereits den zweiten Einzelsieg feierte, nachdem sie im Dezember bereits im schweizerischen Davos gewonnen hatte. „Ich bin sehr glücklich heute. Beim letzten Rennen habe ich mich sehr über meinen sechsten Platz geärgert. Mein Ziel heute war hier zu gewinnen. Ich freue mich, dass das geklappt hat. Schön, dass hier so viele Zuschauer sind“, sagt die 20-jährige Langläuferin. Die weiteren Podestplätze belegten die Slowenin Anamarija Lampic und Maja Dahlqvist aus Schweden. Bei den Männern triumphierte in Abwesenheit von Superstar Johannes Klaebo der Franzose Lucas Chanavat, der nach sechs von 14 Wettbewerben in diesem Winter aktuell die Sprint-Weltcup-Gesamtwertung anführt. Auf dem Treppchen landeten auch Sindre Bjoernestad Skar aus Norwegen und der Schwede Johan Haeggstroem.

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Bei den Frauen gewann die Schwedin Linn Svahn vor Anamarija Lampic aus Slowenien und Maja Dahlqvist aus Schweden. Die Männer-Konkurrenz entschied der Franzose Lucas Chanavat vor Sindre Bjoernestad Skar aus Norwegen und dem Schweden Johan Haeggstroem für sich. Zur Galerie
Bei den Frauen gewann die Schwedin Linn Svahn vor Anamarija Lampic aus Slowenien und Maja Dahlqvist aus Schweden. Die Männer-Konkurrenz entschied der Franzose Lucas Chanavat vor Sindre Bjoernestad Skar aus Norwegen und dem Schweden Johan Haeggstroem für sich. © Anja Schneider

In diese Sphären konnte Richard Leupold bei seinem dritten Weltcupstart erwartungsgemäß nicht vordringen, zumal der deutsche Trainerstab bei ihm auch technische Reserven ausgemacht habe. Und die flache Dresdner Strecke, die im Unterschied zu normalen Strecken so gut wie keine Höhenmeter aufweist, hat es natürlich auch in sich. „Hier geht es um eine konstant hohe Geschwindigkeit, da braucht man einen längeren Schritt mit explosivem Abdruck und längerer Gleitphase und Zug nach vorn aus dem Oberkörper. Da hat es bei mir doch noch ein bisschen gefehlt, meinten die Trainer zu mir. Es ist auch eine ziemlich kurze Strecke. Da kann man sich keine Fehler leisten. Hinten im Kurvenbereich war ich auch etwas wacklig und habe Zeit verloren“, resümiert Richard Leupold nach dem Lauf über zwei Runden auf dem 650-Meter-Kurs.

Leupold beim Teamsprint nicht dabei

Wenigstens blieb ihm ein Sturz erspart – im Gegensatz zu Spitzenläufer Federico Pellegrino. Kontrahent Richard Jouve hatte den Italiener in der Kurve an der Augustusbrücke mit einem Ski berührt, wodurch beide Athleten zu Fall kamen und dadurch keine Chance mehr aufs Finale hatten. „Beim Sprint generell braucht man immer Glück und hier sogar noch ein bisschen mehr, um sich hinten bei der Kurve aus dem Gerangel herauszuhalten. Was ich so beobachtet habe, gab es heute viele Stürze. Vielleicht wird die Kurve beim nächsten Mal etwas entschärft“, hofft Richard Leupold, der schon am Freitag beim 100-Meter-Supersprint an den Start gegangen war. Dort hatte er es nicht unter die besten 16 geschafft. „Das habe ich einfach mal mitgenommen, weil das ein neues, interessantes und zuschauerfreundliches Format ist“, berichtet der Sachse.

Das waren die Sprintwettbewerbe beim Weltcup in Dresden 2020

Für den Teamsprint, mit dem der Weltcup an diesem Sonntag ab 11.30 Uhr in Dresden endet, nominierte ihn der Trainerstab allerdings nicht. „Aber ich bin zuversichtlich, dass ich in zwei Wochen beim anderen Heimweltcup in Oberstdorf noch mal dabei sein darf“, so Leupold, der noch einen weiteren Saisonhöhepunkt im Auge hat: die U23-Weltmeisterschaft Ende Februar und Anfang März. „Mein Ziel sind die Top-15, denn dort werden schon sehr gute Leistungen erzielt. Klaebo ist ja auch nur ein Jahr älter als ich“, sagt der 22-Jährige, der für die JWM-Norm am vergangenen Wochenende immerhin schon die halbe Qualifikation geschafft hat. „Jetzt müsste ich noch eine zweite Quali hinbekommen, aber der Trainer hat gesagt, ich könne das beruhigt angehen“, meint Richard Leupold, der natürlich auch ein Lob fürs Dresdner Publikum übrig hatte: „Das hat extra gepusht. Und das hat bei mir als Lokalmatador schon viel Eindruck hinterlassen.“