29. Dezember 2018 / 09:49 Uhr

Andreas Wellinger erklärt seinen Plan für die Vierschanzentournee und verrät seine Lieblingsschanze

Andreas Wellinger erklärt seinen Plan für die Vierschanzentournee und verrät seine Lieblingsschanze

Lars Becker
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Andreas Wellinger erklärt im <b>SPORT</b>BUZZER, worauf es bei der Vierschanzentournee besonders ankommt und wer seine ärgsten Rivalen im Kampf um den Tourneesieg sind.
Andreas Wellinger erklärt im SPORTBUZZER, worauf es bei der Vierschanzentournee besonders ankommt und wer seine ärgsten Rivalen im Kampf um den Tourneesieg sind. © imago/Montage
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Olympiasieger Andreas Wellinger will im Kampf um den Sieg bei der Vierschanzentournee der Skispringer ein Wörtchen mitreden. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 23-Jährige über seine Konkurrenten und die Faszination der Tournee.

Andreas Wellinger ist der Mann für die ganz großen Momente: Mit gerade 23 Jahren ist er schon zweimal Olympiasieger, Weltmeister und wurde im vergangenen Winter Zweiter bei der Vierschanzentournee. Der Triumph beim Skisprung-Grand-Slam gehört zu seinen großen Träumen, allerdings steckt er vor dem am Wochenende in Oberstdorf beginnenden Saisonhighlight in einer Formkrise. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht er über die Tournee und die Chancen der deutschen Skispringer.

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SPORTBUZZER: Andreas Wellinger, wie wichtig wäre Ihnen ein Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee?

Andreas Wellinger: Jeder Skispringer will die Tournee mal gewinnen. Die Herausforderung ist, das aus dem Kopf herauszubringen, weil es so aller Wahrscheinlichkeit nach nicht funktionieren wird. Ein Erfolg bei der Vierschanzentournee kann entstehen, wenn man gut in Form ist und dann beim Auftaktspringen in Oberstdorf das berühmte Quäntchen Glück hat. Das gibt dann ein Aha-Erlebnis und einem das Gefühl, dass man in der Folge überhaupt nicht mehr über seine Sprünge nachdenken muss. Mir ist das vor zwei Jahren schon einmal gelungen – leider erst kurz nach der Tournee.

Was in diesem Winter bislang nicht der Fall war…

Ich bin noch am Arbeiten. Ich hoffe, dass ich das mit der Stabilität hinbekomme.

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2001/2002: Sven Hannawald jubelt mit Bundestrainer Reinhard Hess (r.) und Co-Trainer Wolfgang Steiert. Sein Erfolg bei der Vier-Schanzen-Tournee löste in Deutschland einen Hype ums Skispringen aus... Zur Galerie
2001/2002: Sven Hannawald jubelt mit Bundestrainer Reinhard Hess (r.) und Co-Trainer Wolfgang Steiert. Sein Erfolg bei der Vier-Schanzen-Tournee löste in Deutschland einen Hype ums Skispringen aus... ©

Haben Sie Probleme damit, momentan nicht mehr die Nummer eins im Team zu sein?


Nein. Es ist doch eine coole Situation, dass wir so eine Challenge im Team haben. Da gibt es einige, die bei der Tournee gute Chancen haben, das macht es auch für mich einfacher! Karl Geiger und Stephan Leyhe springen momentan am konstantesten, auch Markus Eisenbichler hat in einigen Sprüngen extrem aufgezeigt. Richard Freitag fehlt nicht viel – ich hoffe, seine Hüfte spielt mit –, und er weiß wahnsinnig gut, wie man mit solchen Situationen wie bei der Tournee umgeht.

Wer sind für Sie die Favoriten bei der Tournee?

Ganz klar Ryoyu Kobayashi, wenn man sieht, mit welcher Konstanz er dominiert. An ihm müssen alle anderen erst mal vorbeikommen. Sein Sprung ist von der Kante extrem effektiv, die Verbindung zwischen Körper und Ski extrem gut. Er fliegt wie ein Pfeil in der Luft. Man muss aber auch die Norweger um Johann André Forfang auf dem Zettel haben und natürlich die Polen mit Piotr Zyla und Kamil Stoch. Natürlich wollen wir auch ein Wörtchen mitreden.

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Welche der Tourneeschanzen ist Ihnen die liebste?

Ganz klar die Fliegerschanze in Bischofshofen mit ihrem langen, flachen Anlauf – schließlich habe ich da schon einen Schanzenrekord aufgestellt und war im letzten Winter Dritter. Oberstdorf ist vor der grandiosen Kulisse immer ein extrem cooler Einstieg. Hier springen wir im Jahr am häufigsten. In Garmisch-Partenkirchen muss man genug Höhe vom Schanzentisch mitnehmen und dann extrem am Hang entlanggleiten. Und in Innsbruck hat man zwar oft schwierige Bedingungen, aber immer ein geiles Panorama – mit der Bergkette im Hintergrund. Die Tournee ist jeden Winter eine geniale Herausforderung, und es wäre schon grandios, am Ende in Bischofshofen mal ganz oben zu stehen.

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Was hat sich nach dem Olympiasieg von Pyeongchang geändert?

Prinzipiell nix Entscheidendes. Ich hatte ein paar Termine mehr, aber ich bin der Gleiche wie vorher geblieben. Mit dem Unterschied, dass ich einer von wenigen Menschen auf diesem Planeten sein darf, der sich mit dem Olympiasieg einen Kindheitstraum erfüllen konnte. Es ist einfach extrem, was mir da passiert ist. Am meisten beeindruckt mich, wie viel ich jungen Kindern mitgeben kann. Die stehen dann vor mir, bringen kein Wort raus oder stellen schüchtern Fragen – da merkt man, wie viel Leidenschaft und Emotion ich vermitteln kann. Es ist unglaublich, dass ich so etwas vorleben darf.