10. Februar 2018 / 18:33 Uhr

Skispringen-Olympiasieger Andreas Wellinger: Was für ein cooler Typ

Skispringen-Olympiasieger Andreas Wellinger: Was für ein cooler Typ

Lars Becker
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Was für ein Moment: Andreas Wellinger ist der zweite deutsche Goldmedaillen-Gewinner bei Olympia 2018. 
Was für ein Moment: Andreas Wellinger ist der zweite deutsche Goldmedaillen-Gewinner bei Olympia 2018.  © imago
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Am Ende flossen die Tränen: Andreas Wellinger ist Olympiasieger im Skispringen auf der Normalschanze. Der 22-Jährige ist der erste deutsche Einzel-Sieger seit 24 Jahren. Den Schlusspunkt eines verrückten Wettbewerbs setzt er mit dem wohl besten Sprung seines Lebens.

Es war 19 Minuten nach Mitternacht. Die meisten Zuschauer waren längst vor der eisigen Kälte geflüchtet, als Andreas Wellinger auf die Knie sank und die Hände vors Gesicht schlug. Ein paar Tränen flossen in Alpensia Skisprung-Stadion von Pyeongchang, später wurden es bei der Siegerehrung und der Pressekonferenz noch ein paar mehr. Der 22-Jährige konnte einfach nicht fassen, dass er sich zum ersten deutschen Einzel-Olympiasieger im Skispringen seit 24 Jahren gekrönt hatte. Als Jens Weißflog damals in Lillehammer triumphierte, war Wellinger noch nicht einmal geboren.

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Andreas Wellinger über seinen Olympia-Sieg

„Unglaublich, mein Kopf ist leer. Da brauche ich ein paar Tage mehr, um das zu begreifen“, sagte Wellinger und sehnte sich nur noch nach einem Weißbier. Es war ein denkwürdiges Springen an diesem eisig kalten Abend bei minus elf Grad, die sich durch den Wind noch viel schlimmer anfühlten. Fast drei Stunden dauerte der Wettkampf, der wegen der häufigen Windunterbrechungen zu einer wahren Tortur für die Flieger wurde. Der viermalige Olympiasieger Simon Ammann (Schweiz) musste sechsmal vom Absprungbalken herunter, ehe er letztendlich doch springen durfte. Er bibberte wie alle anderen Springer vor Kälte, obwohl ihm in den Pausen immer wieder eine Decke über die Schulter gelegt wurde.

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Die deutschen Skispringer sind in dieser Saison in bestechender Form gewesen. Richard Freitag führte den Gesamtweltcup sogar an. Bei den Olympischen Spielen zählt er deshalb als ein absoluter Medaillenkandidat. Zur Galerie
Die deutschen Skispringer sind in dieser Saison in bestechender Form gewesen. Richard Freitag führte den Gesamtweltcup sogar an. Bei den Olympischen Spielen zählt er deshalb als ein absoluter Medaillenkandidat. ©

Haushoher Vorsprung auf den Zweitplatzierten

Umso bemerkenswerter war der zweite Sprung von Andreas Wellinger auf den Schanzenrekord von 113,5 Meter. Nach dem ersten Durchgang hatte der Qualifikationssieger „nur“ auf Platz fünf gelegen, doch dann glückte ihm der vielleicht beste Sprung seines Lebens. „Mein Teamkollege Markus Eisenbichler ist sofort zu mir gestürmt und hat gesagt, dass das für Gold reichen kann“, berichtete Wellinger. Ein Favorit nach dem anderen – darunter Doppel-Olympiasieger Kamil Stoch (Polen) scheiterte danach an Wellingers Vorgabe. Als schließlich nur noch der nach dem ersten Durchgang führende Pole Stefan Hula oben stand, konnte Wellinger nicht mehr zuschauen.

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Doch es reichte mit einem für die Normalschanze haushohen Vorsprung von 8,4 Punkten auf den Norweger Johann Andre Forfang zu Gold. „Jetzt ist dieser Junge mit 22 tatsächlich Einzel-Olympiasieger. Ich habe die ganze Zeit immer nur Angst gehabt, dass sie den Wettbewerb abbrechen. Im Weltcup hätten sie das wegen dem Fernsehen längst getan, aber hier haben sie das Ding zum Glück durchgezogen“, kommentierte Bundestrainer Werner Schuster. Er sprach trotz der wechselnden Winde von einem „hochverdienten Sieg“, schließlich hatte Wellinger schon die Qualifikation gewonnen und musste mit dem Druck des Topfavoriten umgehen. Wie ein Flummi sprang Schuster durch den Schanzenauslauf, auch für ihn war es die Krönung seiner zehnjährigen Arbeit als Bundestrainer.

Auch die Teamkollegen feierten noch im Schanzenauslauf ausgelassen ihren Goldjungen. Ur-Bayer Markus Eisenbichler, ein Kumpel seit der Kindheit, landete selbst auf Platz acht. Dahinter folgten Richard Freitag und Karl Geiger auf den Rängen neun und zehn. „Welle ist halt ein cooler Typ“, kommentierte Freitag. Schon vor vier Jahren in Sotschi hatte Wellinger als 18-Jähriger zum deutschen Skisprung-Quartett gehört, das Team-Gold gewann. „Damals hatte ich überhaupt keine Erwartungshaltung und das Glück, zu einem geilen Team zu gehören. Diesmal stand ich allein oben und war der Favorit.“ Der am Ende nach einem wahren Mitternachts-Thriller Gold gewann.