27. Dezember 2019 / 12:05 Uhr

Neue Reize, verbessertes Material: So macht Horngacher die deutschen Tournee-Hoffnungen um Geiger stark

Neue Reize, verbessertes Material: So macht Horngacher die deutschen Tournee-Hoffnungen um Geiger stark

Lars Becker
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bundestrainer Stefan Horngacher (rechts) hofft auf gute Leistungen von Karl Geiger (links) und Co.
Bundestrainer Stefan Horngacher (rechts) hofft auf gute Leistungen von Karl Geiger (links) und Co. © imago images/Sammy Minkoff/dpa/Montage
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Die Ergebnisse im bisherigen Weltcup-Winter waren nicht ideal. Trotzdem gehen die deutschen Skispringer und Bundestrainer Stefan Horngacher optimistisch in die 68. Vierschanzentournee.

Jahr für Jahr seit Sven Hannawalds Triumph im Winter 2001/2002 hoffen die deutschen Skisprungfans auf einen Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee. Vor der 68. Auflage in Oberstdorf (29. Dezember), Garmisch-Partenkirchen (1. Januar), Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) stehen die Chancen auf den ersten deutschen Triumph seit 18 Jahren nach den Vorergebnissen so schlecht wie lange nicht mehr. Trotzdem ist der Optimismus nicht nur beim neuen Skisprung-Bundestrainer Stefan Horngacher groß.

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Dabei ist die Form der Deutschen bedenklich: Erstmals seit neun Jahren reisen die deutschen Flieger ohne einen Weltcupsieg bei der Tournee an. Klingt erstmal negativ, die Formkurve zeigt jedoch bei einigen Fliegern nach oben. Speziell Karl Geiger springt so stabil in der Weltspitze mit wie noch nie in seiner Karriere. In den ersten sieben Einzelspringen dieses Winters war er nie schlechter als Siebter, schaffte es als Zweiter und Dritter zweimal aufs Podest und liegt im Gesamtweltcup auf Rang drei.

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Ebenfalls auf dem Weg nach oben sind Teamweltmeister Stephan Leyhe, Tournee-Gesamtdritter des vergangenen Winters, und die sogenannten Anschlusskader. Speziell der als größtes deutsches Talent gehandelte Constantin Schmid (20 Jahre alt) sowie Pius Paschke (29) präsentieren sich unter Horngacher so stark wie nie.

Sorgenkinder sind die Weltmeister Richard Freitag und Markus Eisenbichler. Während bei Freitag die Probleme in der Anfahrtsposition nicht so schnell zu beheben sein werden, scheint bei Eisenbichler alles möglich. Der amtierende Dreifachweltmeister braucht nach Knieproblemen und einem schweren Sturz im finnischen Kuusamo nur ein paar Erfolgserlebnisse, um wieder ganz vorn mitmischen zu können. Der dauerverletzte Severin Freund fehlt bei der Tournee genau wie Olympiasieger Andreas Wellinger und Hoffnungsträger David Siegel (beide Kreuzbandriss).

Horngacher setzt auf Unbeschwertheit

Horngacher gefällt die deutsche Ausgangsposition vor dem Skisprung-Grand-Slam: „Unser Vorteil diesmal ist: Wir können nur gewinnen. Es erwartet momentan niemand von uns, dass ein Deutscher die Tournee gewinnt. Deshalb bleiben die Jungs im Arbeitsmodus und machen sich hoffentlich keinen so großen Kopf.“

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2001/2002: Sven Hannawald jubelt mit Bundestrainer Reinhard Hess (r.) und Co-Trainer Wolfgang Steiert. Sein Erfolg bei der Vier-Schanzen-Tournee löste in Deutschland einen Hype ums Skispringen aus... ©

Offiziell gibt Horngacher zwei Top-Ten-Plätze in der Gesamtwertung und im Optimalfall einen Podestplatz als Ziel aus. Wenn es perfekt läuft, sollte noch mehr drin sein. Schließlich weiß Horngacher, wie man Tourneesieger macht: Kamil Stoch gewann unter seiner Führung 2017 und 2018 zweimal das größte jährliche Skisprung-Highlight. Ein Triumph, der Horngachers Vorgänger Werner Schuster in seinen elf ansonsten überaus erfolgreichen Jahren als Skisprung-Bundestrainer verwehrt blieb.


Tournee-Vorjahressieger Kobayashi gilt als Favorit

Fast alle Experten nennen zuallererst den Titelverteidiger und aktuellen Gesamtweltcup-Spitzenreiter Ryoyu Kobayashi (Japan) als Topanwärter auf den Tourneesieg. Für Chefpsychologe Horngacher gibt es jedoch nur zwei Favoriten: „Geiger und Eisenbichler“.

Im deutschen Team hat sich unter Horngacher bereits einiges verändert. Mithilfe neuer Hotels und geänderter, direkter Wettkampfvorbereitung sollen neue Reize gesetzt werden. Dazu sind extra für die Tournee neue Materialien in den Anzügen und Schuhen der Flieger verarbeitet worden. Der Bundestrainer hofft, seinen Fliegern beim ersten Highlight in seiner Ära einen kleinen Vorteil verschaffen zu können.