26. Februar 2019 / 06:00 Uhr

Skispringerin Katharina Althaus vor der WM-Premiere des Frauen-Teamspringens über die Probleme ihres Sports

Skispringerin Katharina Althaus vor der WM-Premiere des Frauen-Teamspringens über die Probleme ihres Sports

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Topspringerin will eine Medaille bei der WM: Katharina Althaus.
Topspringerin will eine Medaille bei der WM: Katharina Althaus. © Verwendung weltweit
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Am Dienstag findet das erste Mannschaftsskispringen der Frauen bei einer nordischen Ski-WM statt. Topfavorit ist Deutschland um Katharina Althaus. Im Interview spricht sie über Medaillenchancen, Kritik an der FIS und den Traum vom Fliegen.

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Jahrelang mussten die Skisprungfrauen um ihre Teilnahmeberechtigung bei einer WM kämpfen, heute (16.15 Uhr, ARD und Eurosport) wird mit dem ersten Teamspringen der Frauen bei einer nordischen Ski-WM ein Stück Wintersportgeschichte geschrieben. Das deutsche Quartett um Topfliegerin Katharina Althaus will Gold. Im Interview spricht Katharina Althaus über die Entwicklung ihrer Sportart und kritisiert den Skiverband FIS.

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SPORTBUZZER: Frau Althaus, welche Schlagzeile würden Sie am Mittwoch gern lesen?

Katharina Althaus: Natürlich wollen wir ganz oben stehen! Vier Mädels müssen ihre beste Leistung zeigen. Ich freue mich sehr darauf, weil wir ein sehr, sehr gutes Team haben. Die Chancen sind gut, dass wir um eine Medaille mitspringen. Ich bin gespannt, welche Schlagzeile Sie dann finden. (lacht)



Die Männer springen in Innsbruck – die Frauen dürfen nur auf der kleinen Schanze in Seefeld ran. Nervt Sie das?

Ja, es ist ärgerlich. Ich würde mir wünschen, wenn wir gerade bei Großereignissen auch von der Großschanze springen. Aber immerhin dürfen wir Frauen bei der WM im Mannschaftswettbewerb antreten. Wir haben dadurch drei Wettbewerbe mit drei Medaillenchancen. Aber ich hoffe, dass wir schon in Oberstdorf in zwei Jahren bei der WM einen Wettkampf auf der Großschanze haben werden.

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Am 14. Februar 2015 übersprang der Slowene </b>Peter Prevc</b> als erster Sportler überhaupt die 250-Meter-Marke - es sollte nicht der letzte Satz über diese Weite sein. Der <b>SPORT</b>BUZZER präsentiert euch die weitesten Skisprünge aller Zeiten. Zur Galerie
Am 14. Februar 2015 übersprang der Slowene Peter Prevc als erster Sportler überhaupt die 250-Meter-Marke - es sollte nicht der letzte Satz über diese Weite sein. Der SPORTBUZZER präsentiert euch die weitesten Skisprünge aller Zeiten. ©

Im Weltcup sind Sie kaum mit den Männern – wie in fast allen anderen Sportarten üblich – unterwegs, springen stattdessen beispielsweise in Rumänien. Muss sich das ändern?

Wenn wir die Wettkämpfe mit den Männern zusammen hätten, würden wir automatisch mehr Aufmerksamkeit bekommen. Auch für die Veranstalter wäre es von Vorteil, weil nur eine Schanze präpariert werden müsste – und wir würden noch häufiger auf den Großschanzen springen. Ich hoffe, dass es in den nächsten Jahren so kommen wird, dass wir mit den Männern an einem Weltcuport springen. Unser größter Wunsch wäre, wenn wir auch eine Vierschanzentournee springen könnten.

Immerhin gibt es wieder einen gemeinsamen Wettbewerb. Wie wichtig sind diese Events?

Sie sind sehr wichtig für uns, weil die Zuschauer sehen, dass wir genauso weit springen können wie die Männer. Natürlich brauchen wir dafür mehr Anlauf, aber das interessiert den Zuschauer ja weniger. Die sehen nur die Weite – und wenn die sehen, dass wir genauso weit kommen, pusht das unseren Sport. Frauenskispringen ist genauso attraktiv wie bei den Männern.

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Die großen Schanzen sind für die Frauen immer noch weitgehend tabu – dabei haben Sie in den wenigen Weltcups bewiesen, dass sie auch dort zurechtkommen. Woher rührt die Zurückhaltung des Verbandes?

Das Problem sind die vergangenen Jahre: In den wenigen Wettbewerben auf den großen Schanzen waren die Abstände zum Teil sehr groß. Mittlerweile ist das komplette Feld aber enger zusammengerückt, es gibt nicht mehr die großen Weitenunterschiede. Es war für uns besseren Springerinnen dennoch unverständlich, warum nicht schon vor einigen Jahren mehr Springen auf großen Schanzen stattgefunden haben.

Wo sehen Sie die größten Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Mittlerweile gibt es keine großen Unterschiede mehr. Wir springen genauso weit, sind von der Technik her auf einem ähnlichen Niveau. Natürlich haben die Männer körperlich andere Voraussetzungen – aber vom Springen sieht es ähnlich aus. Allerdings wird das von der FIS noch nicht so angenommen. Wettbewerbe, bei denen wir mit Männern zusammen springen, wären dennoch kontraproduktiv. Das wäre bei den Skifahrern ja ähnlich. Wenn man zuerst Marcel Hirscher starten lässt und dann eine Frau, sieht man den Unterschied extrem.

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Was hat sich ein Jahr nach Silber bei Olympia bei Ihnen verändert?

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Für mich persönlich nicht so viel. In der Heimat erkennt man mich jetzt eher mal. Ich bin in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt besser geworden, und natürlich hat die Silbermedaille mehr Selbstvertrauen gegeben. In dieser Saison konnte ich gerade am Anfang noch einmal einen drauflegen. Generell denke ich, dass wir etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen haben. Wir dürfen auf großen Schanzen springen, haben die Raw-Air- und eine Russland-Tour im Programm. Ich merke, dass wir auch im Fernsehen mehr stattfinden. Aber es kann noch mehr sein. Manchmal kommt dann doch nur eine Zusammenfassung. Wir wünschen uns, dass wir mehr TV-Zeiten bekommen.

Warum haben Sie sich eigentlich für eine Sportart entschieden, die vor allem bei den Frauen nicht besonders im Fokus steht?

Ich bin in Oberstdorf groß geworden, habe die Schanze vor der Haustür, und mein Bruder ist auch Ski gesprungen. Im Skiklub waren schon andere Mädels. Deshalb war es für mich nicht so ungewöhnlich, mit dem Sport anzufangen – und es hat sich gelohnt.

Vor Ihrer Haustür gibt es auch eine Skiflugschanze. Ist es Ihr Traum, dort auch mal herunterzusegeln?

Auf jeden Fall. Es braucht aber wohl noch ein paar Jahre. Ich denke, dass Frauen aber auf jeden Fall Skifliegen können. Das wäre schon jetzt kein Problem für die besten 15 im Gesamtweltcup. Die FIS könnte uns von der Schanze lassen. Alle Frauen träumen davon.