28. Januar 2020 / 08:00 Uhr

Sky-Kommentator Wolff Fuss über seinen Podcast "Eine Halbzeit mit...", Tabuthemen und Selbstreflexion

Sky-Kommentator Wolff Fuss über seinen Podcast "Eine Halbzeit mit...", Tabuthemen und Selbstreflexion

Lena Obschinsky
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ich glaube, die Mischung aus Information und Unterhaltung zieht die Leute an: Sky-Kommentator Wolff Fuss.
"Ich glaube, die Mischung aus Information und Unterhaltung zieht die Leute an": Sky-Kommentator Wolff Fuss. © imago/MADSACK Mediengruppe
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Er ist die Stimme des deutschen Fußballs: Im SPORTBUZZER-Interview spricht Sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss über den Fußball-Podcast des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) „Eine Halbzeit mit...“, mit dem er am Mittwoch beim SPOBIS in Düsseldorf live auftreten wird. Außerdem verrät er, worüber man am Mikro besser nicht spricht und welche Podcasts er selbst gerne hört. 

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SPORTBUZZER: Herr Fuss, wie kam es zum Podcast „Eine Halbzeit mit …“?

Wolff-Christoph Fuss (43): Es ist ja im Moment so, dass die Idee, einen Podcast zu produzieren, nicht schrecklich kreativ ist, weil es schon unglaublich viele gibt. In den vergangenen Monaten sind immer mal wieder Ideen an mich herangetragen worden, die ich dann aber so semi-cool fand. Als mein Podcast-Partner Heiko Ostendorp dann mit diesem netten, kreativen Ansatz auf mich zukam, hab ich sofort gesagt: „Das will ich ausprobieren.“

Sie haben die Masse der bereits vorhandenen Podcasts angesprochen. Warum braucht es überhaupt noch einen Fußballpodcast?

Ob es noch einen braucht, das vermag ich nicht zu beurteilen. Aber die Resonanz, die wir bislang bekommen haben, übrigens auch von Menschen, die keinerlei Fußballaffinität haben, lässt mich zumindest glauben, dass es diesen einen dann doch noch gebraucht hat. Es geht nun mal um die Massensportart Fußball, aber nicht um die klassischen Analysen. Bei uns gibt’s fundierte Infos, überraschende Hintergrundgeschichten aus unseren vielen Jahren im Fußballgeschäft und einfach auch Unterhaltung.

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Wie viel vom Gespräch ist spontan und wie viel vorher festgelegt?

Natürlich legen wir vorher grundsätzlich die Themen fest, um die es gehen soll. Das geben die Ereignisse aus der Woche oft vor. Aber es gibt kein Skript, sonst wäre es nicht authentisch. Wir reden frei von der Leber weg, weil man das Gefühl haben soll, dass da einfach zwei Jungs miteinander reden, die Bock auf Fußball haben.

Was ist das Geheimnis eines guten Podcasts?

Ich bin grundsätzlich erst mal überrascht, dass sich Podcasts so einer Beliebtheit im Moment erfreuen. Eigentlich hat man doch das Gefühl, dass wir in einer Zeit leben, wo alle nur möglichst schnell und kurz mit Informationen versorgt werden wollen. Und auf einmal merken wir: wenn wir wollen, haben wir doch einfach mal Zeit, zuzuhören. Und das stundenlang. Es geht den Menschen nicht mehr nur um Überschriften, sondern auch um Inhalte. Ich glaube, die Mischung aus Information und Unterhaltung zieht die Leute an.

"Mich haben mehrere Bundesliga-Spieler angesprochen"

Hören Sie denn selbst auch andere Podcasts?

Ausgewählt, ja. Ich find vor allem diese Verbrechenspodcasts interessant. Wo es dann um skurrile, politische Verstrickungen geht. Am liebsten höre ich das beim Sport auf dem Laufband oder auf dem Crosstrainer. Wenn man etwas hört, was einen interessiert, geht die Zeit viel schneller um (lacht). Aber tatsächlich gehöre ich auch zu den Menschen, die sich noch Zeit nehmen, ein Buch zu lesen.

Gibt es jemanden aus der Branche, den Sie sich als Zuhörer wünschen?

Ich weiß, dass bereits viele aus der Fußballbranche den Podcast hören. Das freut uns total. Ich war über Weihnachten zum Beispiel in einem Hotel, wo ebenfalls etwas Bundesliga-Prominenz war. Da haben mich gleich mehrere Spieler auf unser Format angesprochen und den Podcast sehr gelobt. Aber auch Menschen, die sonst mit Fußball überhaupt nichts am Hut haben und quasi durch Zufall bei uns reingeraten sind und jetzt dabeibleiben, hören uns. Das ist ein tolles Kompliment.

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Hat sich schon mal jemand beschwert, weil er im Gespräch nicht gut weg gekommen ist?

Bisher nicht. Das ist mir aber auch noch nie in meiner Kommentatorenlaufbahn passiert. Ich neige nicht dazu, jemanden im Affekt zu beleidigen. Ich bemühe mich immer, fundiert und nachvollziehbar zu kritisieren. Ich kann mich nur an eine Sache erinnern, wo ich etwas übers Ziel hinaus geschossen bin: Da habe ich nach einer ungünstigen Kameraeinstellung auf Frank Ribéry gesagt: „Da hat der Figaro wohl nach Gehör geschnitten“. Mir wurde gesagt, dass seine Mitspieler das ziemlich lustig fanden – von ihm selbst habe ich aber nie etwas gehört.

Worüber würden Sie vor laufendem Mikro nie sprechen?

Ich würde nie jemanden bloßstellen. Weder im Kommentar noch im Podcast. Wenn ich die Konfrontation suchen würde, würde ich meinem Gegenüber immer die Möglichkeit geben, sofort darauf zu antworten. Und wenn mir ein Spieler oder Trainer etwas anvertraut, was geheim bleiben soll, dann bleibt das natürlich auch geheim.

Fuss: "Wichtig, um fürs nächste Mal zu lernen"

Wie entsteht der Podcast genau?

Wir nehmen nahezu jeden Podcast übers Telefon auf, weil wir meistens gar nicht zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind. Technisch wird das dabei sehr einfach gehalten: Jeder hat ein Mikro vor sich, Kopfhörer im Ohr und wir telefonieren miteinander. Anschließend werden die beiden Files zusammen geführt. Das macht die Erstellung des Podcasts von jedem Ort der Welt möglich. Das Exotischste bislang war allerdings nur ein Hotelzimmer ... (lacht)

Hören Sie sich die Aufzeichnung später noch mal an?

Immer! Ich möchte sehen, wo wir noch nachlegen können, wo es vielleicht zu lang war, wo wir beim nächsten Mal schneller thematisch wechseln müssen. Das mache ich auch bei ausgewählten Bundesliga-Spielen – da aber nur, wenn ich das Gefühl habe, dass es besonders gut oder besonders schlecht war. Das ist wichtig, um fürs nächste Mal zu lernen.

Im Jahr 2012 lieferten sich die beiden Topklubs ein spektakuläres Duell. Wolff Fuss lief auf Hochtouren und bescherte uns so viele geniale Sprüche, dass wir allein damit die komplette Galerie füllen könnten.  Zur Galerie
Im Jahr 2012 lieferten sich die beiden Topklubs ein spektakuläres Duell. Wolff Fuss lief auf Hochtouren und bescherte uns so viele geniale Sprüche, dass wir allein damit die komplette Galerie füllen könnten.  ©

Welche Form von Podcast würden Sie sich noch wünschen?

Ich fänd etwas Interaktives toll, so eine Art Live-Podcast. Wo die Leute nicht nur zuhören, sondern sich einbringen können. Per Telefon oder übers Internet.

Sie und Heiko Ostendorp wagen demnächst auch ein Experiment: Sie nehmen auf der Spobis einen Podcast vor Publikum auf.

Das wird nicht interaktiv, aber es wird ein Livegespräch vor Zuschauern auf einer Fachmesse. Man wird dadurch unmittelbar mit Zuschauer- und -hörerreaktionen konfrontiert. Es wird ein großer Spaß.

Zur Person: Wolff-Christoph Fuss wurde 1976 in Ehringshausen (Hessen) geboren und ist seit 1999 als Sportkommentator tätig. Seit August 2012 arbeitet er bei Sky Deutschland. Dort kommentiert er die Bundesliga, den DFB-Pokal sowie die UEFA Champions League und englische Premier League. Seit Oktober 2019 moderiert er gemeinsam mit Heiko Ostendorp, dem Fußballchef des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), den Podcast „Eine Halbzeit mit ...“. Zu hören sind die beiden 14-tägig bei rnd.de, radio.de und allen gängigen Podcast-Anbietern.

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