14. September 2021 / 08:27 Uhr

Sky-Reporter Fuss vor RB Leipzigs Partie in Manchester: "Werden nicht hoch gewinnen"

Sky-Reporter Fuss vor RB Leipzigs Partie in Manchester: "Werden nicht hoch gewinnen"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Kommentator Wolff Fuss blickt auf das Champions-League-Spiel von RB Leipzig bei Manchester City.
Hier wird am Mittwochabend um 21 Uhr angepfiffen: Das Etihad Stadium in Manchester wurde im Juli 2002 eröffnet. Rund 55.000 Zuschauern finden hier Platz. © Peter Byrne/PA Wire/dpa
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Nach dem Bundesliga-Topspiel ist vor dem Champions-League-Knaller: Sky-Reporter Wolff Fuss weiß, was RB Leipzig braucht, um bei Manchester City zu bestehen.

Leipzig. Am späten Samstagabend setzten sich zwei Mannschaftsbusse der Roten Bullen Richtung Manchester in Bewegung. Nicht im Gepäck: Fußballer. Die fliegen am Dienstag zum Champions- League-Spiel bei den ebenso begüterten wie talentierten Citizens. Stattdessen geladen: Ein schwer verdauliches 1:4 gegen den FC Bayern München, Getränke, Nudeln, Brot, Bälle, Schuhe, Turnhosen, Oberbekleidung, Massageliegen, Markierungshütchen - plus eine Tüte Hoffnung auf ein sächsisches Erfolgserlebnis beim Aufeinandertreffen von einem Ein-Milliarden-Euro-Kaderwert (City) gegen 500 Millionen Euro (RB).

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Countdown läuft

Und natürlich fuhren auch ein XXL-Taktikblock und ein 500er Edding mit. Gut möglich, dass auf Seite eins noch Jesse Marschs Aufstellung vom Bayern-Spiel zu lesen ist. Die wird sich beim Duell mit Pep Guardiolas Supermannschaft ändern. Der hingebungsvolle dänische Anläufer und Zweikämpfer Yussuf Poulsen ist wie gemalt für das Match im mit knapp 50.000 Zuschauern (100 aus Leipzig) besetzten Etihad Stadium. Auch die bissig-laufstarken Amadou Haidara, Tyler Adams und Josko Gvardiol könnten in der Start-Elf stehen. Ballmagnet Emil Forsberg sowieso.

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Countdown: Am Montag wurde geübt, am Dienstag, 10.30 Uhr, findet am Cottaweg das Abschlusstraining statt. Gegen 14 Uhr hebt der Jet mit der edlen Fracht ab. Genächtigt wird im Worsley Park, Worsley, Manchester M28 2QT, Vereinigtes Königreich. Anstoß ist am Mittwoch um 21 Uhr. Bis dahin stehen Fragen epochaler Bedeutung im Raum. Muss man die Niederlagen gegen Wolfsburg (Erster), Bayern (Zweiter) und Mainz (Vierter) mit Blick auf deren Platzierungen in gnädiges Licht tauchen? Gibt es Licht am Ende des Tunnels, das nicht vom entgegenkommenden D-Zug stammt. Und was geht bei Manchester City?

Wir fragten nach bei Einem, der sich im In- und Ausland auskennt, regelmäßig Reporter-Preise abräumt, der das Leipziger 1:4 gegen die Bayern zusammen mit Lothar Matthäus für Sky begutachtet hat.

Wolff Fuss (Sky/Sat1), 45, über...

...den größten RB-Umbruch seit Bundesliga-Zugehörigkeit und das so was von so was kommt:

„Neuer Trainer, neues System, neue Spieler: Das alles braucht Zeit. Ich bin weit davon entfernt, Zweifel am großen Ganzen zu haben. Ob es im Saisonverlauf noch zu einem knisternden Duell um den Titel mit den Bayern kommt, wage ich zu bezweifeln. Und sie werden in Manchester voraussichtlich auch dann nicht hoch gewinnen, wenn sie klasse spielen und vieles funktioniert. Und dann geht es zu Steffen Baumgarts Kölner Kampfmaschinen. Wie heißt es so schön: Da ist dann ein Sieg Pflicht. Aber da gewinnt es sich momentan auch nicht zwischen Tür und Angel. Wenn es in Köln nichts wird, könnte die Nummer ziemlich schräg werden.“


...Konrad Laimers Auswechslung nach seinem Traumtor gegen die Bayern: „Lothar und ich wunderten uns auch, dass das Laimers letzte Amtshandlung war. Aber er hätte ja auch angeschlagen sein können, deshalb haben wir das in dem Moment nicht groß thematisiert. Im Nachhinein muss man sagen, dass es keine gute Idee ist, einen auszuwechseln, der dem Neuer gerade einen 25-Meter-Strahl in den Winkel gesetzt hat. Er hätte vielleicht noch so einen ausgepackt. Oder wäre fortan von zwei Sonderbewachern begleitet worden und RB hätte mehr Raum bekommen.“

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...englischen Meister Manchester City:Manchester hat alles, was es braucht, um Spiele und Titel zu gewinnen. Sensationelle Techniker, jede Menge Tempo in beide Richtungen, einen Plan, einen ausgesuchten Übungsleiter. Nur eines haben sie nicht: Einen Mittelstürmer à la Robert Lewandwoski. Aber das ist jetzt auch kein Mega-Vorteil für Leipzig.“

...entbehrungsreiche Wege ins Glück inmitten orgiastischer Passfolgen: „Man muss mutig sein, den Ball wollen und versuchen, die Ballbesitz-Quote irgendwie von 20 auf 35 Prozent zu steigern. Klar ist, dass die Leipziger viele Meter machen und auch oft umsonst laufen müssen, um diese Kombinationsmaschinerie zumindest ansatzweise zu stören.“

...Allmachtsfantasien und Pep Guardiolas auffällige Anfälligkeit für selbige: „Es ist leider nur ein Gruppenspiel, kein Finale“, spielt Fuss auf die taktischen und personellen Verrenkungen an, die Guardiola vor großen Spielen beschleichen.

Erinnert sei ans Champions-League-Endspiel gegen Chelsea London, das die Hochglanz-Truppe von Manchester nicht zuletzt deshalb verlor, weil Guardiola den schlachtenerprobten Mittelfeldabräumern Fernandinho und Rodrigo einen Platz auf der Bank zuwies. Die Planstelle vor der Abwehr wurde Ilkay Gündogan zuteil. Die Süddeutsche Zeitung titelte: „Eine Aufstellung wie ein Druckfehler“.

Fuss glaubt an eine konservative-blickige Herangehensweise des Herrn Guardiola. „Pep kennt RB aus der Bundesliga. Er weiß, was zu tun und zu lassen ist.“