14. Januar 2021 / 16:24 Uhr

So blickt Delitzschs Handball-Oberligist auf die WM: Bloß keine Blasenschwäche

So blickt Delitzschs Handball-Oberligist auf die WM: Bloß keine Blasenschwäche

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Trainer Jan Jungandreas von Handball-Oberligist Concordia Delitzsch hofft, dass die Handball-WM in Ägypten trotz Corona ohne weitere Vorkommnisse vonstatten geht.
Trainer Jan Jungandreas von Handball-Oberligist Concordia Delitzsch hofft, dass die Handball-WM in Ägypten trotz Corona ohne weitere Vorkommnisse vonstatten geht. © Alexander Prautzsch
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Jan Jungandreas, Trainer von Handball-Oberligist NHV Delitzsch, spricht mit dem SPORTBUZZER über die Weltmeisterschaft in Ägypten - und hofft, dass dort das Konzept der „Bubble“ (dt. Blase) standhält.

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Delitzsch. Am Freitag startet die deutsche Handball-Nationalmannschaft mit der Partie gegen Uruguay in eine Weltmeisterschaft, die seltsamer kaum sein könnte. Die Titelkämpfe in Ägypten finden ohne Zuschauer statt. Spieler, Teamverantwortliche und Berichterstatter sind während des Turniers in einer „Blase“ zwischen Hotel-Einzel-zimmer, Halle und ständigen Corona-Tests gefangen. Jan Jungandreas, Trainer von Oberligist NHV Concordia Delitzsch, schwankt zwischen Skepsis und Vorfreude.

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„Wichtig, dass der Handball international präsent ist“

„Ein ganz schwieriges Thema“, hebt er an, um selbiges dann abzuwägen. „Natürlich fragt man sich, ob eine WM in diese Zeit reinpasst. Man kann nur hoffen, dass es keine Corona-Fälle gibt. Das wäre wahnsinnig schade.“ Die USA und Tschechien haben ihre Teilnahme wegen Corona-Ausbrüchen innerhalb ihrer Mannschaften bereits kurzfristig abgesagt und sind gar nicht erst angereist. Und: Ausgerechnet jetzt sind beim Welt-Turnier erstmals 32 Nationen statt wie bisher 24 dabei.

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Trotz der unglücklichen Vorzeichen kann Jungandreas verstehen, dass der Verband an der Austragung festhält. „Es ist wichtig, dass der Handball international präsent ist. Das sorgt für Euphorie. Und ich denke, die Leute haben genug Ahnung, sind auf der Hut und halten das Risiko so gering wie möglich.“ Die NBA (nordamerikanische Baskteball-Profiliga) habe vorgemacht, wie ein solches Konzept in einer so genannten „Bubble“ funktionieren könne.

Uruguay und Kap Verde: Dankbare Gegner?

Überzeugt ist deswegen dennoch längst nicht jeder. Die Deutschen mussten heftige Absagen verkraften. Leistungsträger wie Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek oder Steffen Weinhold verzichten wegen der Pandemie auf die WM. „Ich kann verstehen, dass man als Familienvater in dieser Situation nicht vier Wochen von zu Hause weg sein will“, sagt Jungandreas. Angesichts geschlossener Kindergärten und Schulen liefe das Leben derzeit ohnehin nicht gerade problemlos.

Und so stehen auch die sportlichen Vorzeichen für Handball-Deutschland denkbar ungünstig. Sollte man meinen. Der NHV-Coach sieht die Personalkrise freilich eher als Chance. „Wir sind in der Underdog-Rolle. Keiner hat uns mehr auf dem Zettel. Wir können ohne Druck aufspielen“, sagt er und ergänzt: „Wenn die Mannschaft an ihre Grenzen geht, warum soll sie es nicht bis ins Halbfinale schaffen?“ Die Jüngeren werden sich erinnern, dass die DHB-Auswahl schon einmal als Außenseiter auftrumpfte. 2016 mündete das im sensationellen Titelgewinn bei der Europameisterschaft in Polen. Als Favoriten gelten für Jungandreas in diesem Fall aber andere, namentlich Dänemark und Norwegen.

Mit denen bekommen es die Deutschen zunächst jedoch nicht zu tun. Stattdessen warten in der Vorrunde neben Ungarn mit Uruguay und Kap Verde zwei Truppen aus dem Lexikon der Handball-Exotik. Über die beiden letztgenannten Teams weiß Jungandreas zwar nichts genaues, kann sich allerdings „prinzipiell nicht vorstellen, dass sie selbst einer geschwächten deutschen Mannschaft weh tun können“. Da ist Corona womöglich der härtere Gegner.