04. Mai 2020 / 21:37 Uhr

So ein Ärger! Leipzigs Sportstätten bleiben trotz grünem Licht aus Dresden erstmal gesperrt

So ein Ärger! Leipzigs Sportstätten bleiben trotz grünem Licht aus Dresden erstmal gesperrt

Antje Henselin-Rudolph / Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Der Zugang zum Gelände der SG Rotation 1950 Leipzig ist verriegelt und verrammelt bis mindestens zum 20. April.
Auch bei der SG Rotation 1950 bleiben die Türen erst einmal noch zu. © Privat
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Leipziger Sportvereine, allen voran die Fußballclubs, die am Montag oder Dienstag den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen wollten, fühlen sich unsanft ausgebremst und falsch informiert. Denn obwohl der Freistaat Sachsen die Öffnung von Außensportanlagen ab dem 4. Mai gestattet, ist in der Messestadt noch längst nicht alles in den sprichwörtlich trockenen Tüchern.

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Leipzig. Was für ein Kuddelmuddel! Lange hatten Leipzigs Sportvereine auf die Wiedereröffnung ihrer Sportplätze und damit die Aufnahme des Trainings gewartet. Sachsen machte dafür in der vergangenen Woche den Weg frei und teilte mit: "Ab 4. Mai 2020 dürfen Sportvereine Außensportanlagen unter Auflagen wieder nutzen. Wir schließen keine Sportarten aus, machen aber zur Bedingung, dass der Mindestabstand von 1,5 Metern ebenso einzuhalten ist wie die geltenden Hygienevorschriften." Also alles klar, oder?

Nutzungsuntersagung gilt nach wie vor

Offenbar nicht. Denn am Montagnachmittag veröffentlichte der Fußballverband der Stadt Leipzig (FVSL) via Facebook: "Aufgrund einiger Nachfragen möchten wir darauf hinweisen, dass die unbefristete Verlängerung der Nutzungsuntersagung durch das Amt für Sport der Stadt Leipzig vom 17. April 2020 trotz der neuen Verordnung des Freistaates Sachsen nicht aufgehoben wurde und weiterhin gilt. Die Sportanlagen dürfen daher ausschließlich zur Pflege betreten werden." Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich eine hitzige Diskussion. Mit Beleidigungen in Richtung des FVSL sparte so mancher Nutzer nicht.

! Stand 4. Mai 2020 - Nutzungsuntersagung der Sportstätten der Stadt Leipzig gilt weiterhin ! Aufgrund einiger...

Gepostet von Fußballverband Stadt Leipzig e.V. am Montag, 4. Mai 2020

FVSL-Vizepräsident Oliver Gebhardt bestätigte dem SPORTBUZZER am Montagabend noch einmal: "Uns wurde heute auf telefonische Nachfrage seitens des Sportamtes mitgeteilt, dass die Nutzungsuntersagung Bestand hat." Immerhin: Die Stadt habe zeitnah neue Infos angekündigt. Zeitnah bedeutet in diesem Fall laut Kerstin Kirmes bereits am Dienstag. "Wir wollen alles so aufarbeiten, dass wir am Nachmittag zu unseren Pächtern eine ordentliche Kommunikation aufbauen können", so die Sportamtschefin.

Abstands- und Hygieneregeln müssen definiert werden

Aufzuarbeiten gibt es offenbar Einiges. Laut Matthias Hasberg, Sprecher der Stadt Leipzig, ist die Sächsische Staatsregierung an der Verunsicherung in Leipzig nicht ganz unschuldig. "Dresden hat die neuen Regelungen am Samstag verkündet. Dahinter steht natürlich ein sehr löblicher Gedanke. Die Tücke steckt hier aber im Detail." Denn das Land spreche in seiner Verordnung zwar über Abstandsregeln und Hygienevorschriften. Wie genau die aber für die einzelnen Sportarten aussehen sollen, stehe dort nicht. "Das müssen wir jetzt leisten. Und das lässt sich nicht von heute auf morgen machen." Oder in diesem Fall von Samstag auf Montag.

🔴 Die Abteilung Fußball informiert über das weitere Vorgehen in der Corona-Zeit! Das gesamte Schreiben der Abteilungsleitung findet ihr in den Kommentaren 👇

Gepostet von Leipziger SC 1901 e.V. - Fußball am Sonntag, 3. Mai 2020

Klar sei, sagt Hasberg, dass die Auflagen sportartspezifisch seien müssten. "Im Tennis oder Golf lassen sich beispielsweise Abstandregeln leicht einhalten. In Mannschaftssportarten wie Fußball nicht. Dort bleibt Vieles schwierig." Außerdem sei es möglich, dass sich Regelungen auf von Verein zu Verein unterscheiden, je nach den örtlichen Gegebenheiten zum Beispiel im Bereich der Sanitäranlagen. All das gilt es nun zu klären. "Dafür gibt es seitens des Deutschen Olympischen Sportbundes und seiner Spitzenfachverbände unterschiedliche Konzepte", erklärte Kerstin Kirmes. Die Botschaft der Stadt Leipzig in Person ihres Sprechers Hasberg war deshalb am Montagnachmittag klar: "Die Vereine müssen geduldig sein, können nicht sofort loslegen." Klug beraten waren demnach die Clubs, die bei ihren Trainern und vor allem dem Nachwuchs am Wochenende nicht schon Euphorie geweckt hatten, sondern von sich aus auf die Bremse getreten waren.

Keine Handreichung vom Deutschen Fußball-Bund

Für Fußballvereine im Speziellen besteht in dieser ganzen Diskussion noch ein weiteres Problem. Denn der Deutsche Fußball-Bund gehört NICHT zu den Spitzenfachverbänden, die bereits eigene Regularien für Breitensport-Training während der Corona-Pandemie veröffentlicht haben. Pfiffige Funktionäre finden allerdings in der „Allgemeinverfügung zum Vollzug des Infektionsschutzgesetzes“ des Freistaates Sachsen Hinweise, dort unter „Maßnahmen anlässlich der Corona-Pandemie“. Da stehen unter Punkt 12 Hygieneregeln für Außensportstätten:

• Personen mit erhöhter Körpertemperatur und/oder Erkältungssymptomen dürfen die Sportstätte nicht betreten.

• Bei Sportstätten im Freien dürfen nicht mehr als eine Person pro 20 m² Nutzungsfläche trainieren; der Mindestabstand zwischen Sportlern und Trainern ist in jeder Trainingseinheit sowie den Pausen einzuhalten. Trainingseinheiten mit Mannschaftsspielcharakter sind nicht erlaubt. Jeglicher Körperkontakt ist zu vermeiden.

• Der Mindestabstand zwischen den Personen von mindestens 1,50 Meter ist auch in den Sanitärbereichen unbedingt einzuhalten. Möglichkeiten zum Händewaschen (mit entsprechendem Abstand zueinander) müssen ausgerüstet sein mit Flüssigseife, zum Abtrocknen mit Einmalhandtüchern. Elektrische Handtrockner sind weniger geeignet, könnten aber belassen werden, wenn sie bereits eingebaut sind.

• Bei Laufsport ist der Mindestabstand hintereinander zu vergrößern: für schnelles Gehen mit 4 km/h ungefähr 5 Meter und für Läufer mit 14,4 km/h ca. 10 Meter.

• Enge Bereiche sind so umzugestalten oder der Zugang zu beschränken, dass der Mindestabstand eingehalten werden kann.

• Trainingsgeräte sind nach der Benutzung zu reinigen.

• Die Sportstätte darf für den Publikumsverkehr nicht geöffnet werden.

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Manches ist wohl nicht ganz einfach einzuhalten und zu gewährleisten für kleine Vereine sowie deren Trainer und Spieler. Ob beispielsweise der Coach so ganz genau weiß, ob seine Schützlinge schneller sind als 14,4 Kilometer pro Stunde, scheint ungewiss. Und wenn ja, bremst er sie dann? Das wäre beim Sprinttraining eventuell kontraproduktiv. Oder lässt er sie vorsichtshalber gleich mit Bleiweste rennen? Doch der Bewegungsdrang dürfte nach der Zwangspause allenthalben so groß sein, dass die Aktiven alle Kröten schlucken. Schwieriger wird es vielleicht im Nachwuchsbereich, wo es vorm und im Kabinentrakt zu Staus kommen könnte, wenn Eltern ihre Youngster bringen. Und dann noch darauf achten müssen, dass die lieben Kleinen ihren Mitspieler nicht zu lieb und auch nicht zu viel Caracho auf dem Tacho haben.. 

Mit: Frank Müller / Frank Schober