28. April 2022 / 19:14 Uhr

So feierten die Fans der Glasgow Rangers vorm Spiel gegen RB Leipzig

So feierten die Fans der Glasgow Rangers vorm Spiel gegen RB Leipzig

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Die schottischen Fans der Glasgow Rangers feiern in Leipzig weit vor Anpfiff.
Die schottischen Fans der Glasgow Rangers feiern in Leipzig weit vor Anpfiff. © IMAGO/Matthias Koch
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Bier, Dudelsäcke, Gesänge und Fußballspielchen auf dem Marktplatz sorgen schon Stunden vor der Anpfiff für großartige Atmosphäre. Manche Fans haben dafür eine echte Odyssee auf sich genommen.

Leipzig. Die Innenstadt um den Mittwochs-Schlaf gebracht und am Donnerstag direkt weitergemacht: Die Anhänger der Glasgow Rangers haben vorm Europa-League-Halbfinale Leipzig vorübergehend zur schottischen Exklave erklärt. Ein Meer von Menschen in tiefblauen Rangers-Trikots zieht durch die Straßen. S-Bahn-Stationen und Häuserwände rund um das Epizentrum Marktplatz sind mit Fan-Bannern beflaggt. Ein Dudelsack-Bläser unterlegt die Szenerie mit der passenden Musik. Schon kurz vor zwölf Uhr mittags sind die besten Sonnenplätze in den Bars und Kneipen friedlich von den Briten erobert worden.

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Mit jeder Minute erhöhen die Herren und einige Damen das Tempo. Mobile Musikanlagen und Getränkestände scheppern übers Pflaster. Alkohol in verschiedensten Darreichungsformen fließt in ausgetrocknete Kehlen, Bierflaschen verlieren das Eins-gegen-Eins-Duell mit dem Untergrund und zerschellen. Volleybälle fliegen quer über dem Markt durch die Luft. Motto: kick and rush. Schallende Fan-Gesänge lösen den dudelnden Sack ab.

DURCHSCROLLEN: Einige Bilder der schottischen Fans in Leipzig

In Leipzig ist was los: Die Fans von Glasgow Rangers tummeln sich am Marktplatz. Zur Galerie
In Leipzig ist was los: Die Fans von Glasgow Rangers tummeln sich am Marktplatz. ©

Die Rangers-Gefolgsleute haben teilweise einiges auf sich genommen, um an die Pleiße zu kommen. Da wären zum Beispiel Derik und Peter. Sie sind mit dem Auto fast vier Stunden von Glasgow nach Manchester gefahren, von dort nach Frankfurt geflogen, umgestiegen und schließlich in Berlin gelandet. Für den Rest der Strecke saßen sie im Zug. „Hat nur 14 Stunden gedauert“, sagt Peter.

Derlei Expeditionen sind er und Derik gewohnt. Allein in dieser internationalen Saison waren sie in Belgrad, Braga, Lyon und Dortmund. Da lacht das Bonusmeilen-Herz. Nun also schon wieder Deutschland. In Leipzig haben sie sich mit Kumpel Ronald getroffen, der die kühlere Jahreszeiten in Lanzarote verbringt und nun über Gran Canaria nach Leipzig geflogen ist. Und er scheint ein wenig von gewissen Klischees abzuweichen, will sich erst nach dem Spiel ein Bierchen gönnen. „Falls ihn der Coach heute Abend noch braucht“, erklärt Peter. Gut gelaunt sind die Drei so oder so. „Ich wünsche Leipzig ein sehr gutes Spiel – und eine Niederlage“, sagt Ronald, geht weiter und dreht sich noch einmal lächelnd um.

Fans der Glasgow Rangers in der Innenstadt: Derik, Ronald und Peter (v.l.) haben einiges für die Reise nach Leipzig auf sich genommen.
Fans der Glasgow Rangers in der Innenstadt: Derik, Ronald und Peter (v.l.) haben einiges für die Reise nach Leipzig auf sich genommen. © Johannes David

Ein paar Meter entfernt stehen Scott und Scott Junior im hautschonenden Schatten. Rangers-Fans „since ever“ seien sie. Grob übersetzt also etwa seit Anbeginn der Zeit. Liebenswürdig nuscheln sie in ihrem gefürchteten Dialekt vor sich hin, loben ungefragt die Freundlichkeit der Leipziger und den Zauber der Stadt. Die gefällt ihnen offenbar so sehr, dass sie sich am Abend sogar mit einem Unentschieden zufriedengeben würden. „2:2“, weissagt Scott Senior. „Den Rest erledigen wir dann im Rückspiel in Ibrox.“ Jene legendäre Betonschüssel also, die zwar wenig mit einem modernen Stadion zu tun hat, die aber aus jedem Riss in den Mauern, jedem angerosteten Stahlträger echten Fußballduft verströmt.

Woher sie auch kommen, wie viel oder wenig sie trinken und feiern, wie lange sie schon Fans sein mögen, eines verbindet alle Rangers miteinander, ihr Motto: „We are the people“ – „Wir sind das Volk“. Wohin könnte dieser Satz besser passen als in die Stadt, in der er zum Symbol der Friedlichen Revolution wurde.


Fanmarsch zum Stadion

Vor dem Gastspiel bei RB Leipzig: Fanmarsch der Glasgow Rangers

Gegen Abend füllte sich die Innenstadt immer mehr. Während auf dem Markt gefeiert wurde, bildete sich eine Menschentraube an den Absperrungen vor dem Hotel Steigenberger. Dort hatte das Team von Coach Giovanni van Bronckhorst Quartier bezogen. Die Spieler winkten ihren Fans aus den geöffneten Fenstern zu, bevor sie gegen 19 Uhr in den Bus Richtung Arena stiegen. Da war ein Großteil ihrer Anhängerinnen und Anhänger schon losgezogen. Nach Polizeiangaben rund 2000 bis 2500 machten sich gegen 18.45 Uhr auf den Weg. Ursprünglich war ein späterer Start geplant. Die Ordnungskräfte empfahlen via Lautsprecherdurchsagen aber einen früheren Start.

Auch für die, die sich dem Zug nicht anschließen und noch auf das Team warten wollten, war im Übrigen gesorgt. An der Thomaskirche standen kostenlose Shuttlebusse bereit.