07. April 2020 / 15:11 Uhr

An der Hauswand gegen den Lagerkoller: So halten sich Hannovers Tennis-Talente fit 

An der Hauswand gegen den Lagerkoller: So halten sich Hannovers Tennis-Talente fit 

Sybille Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Nicole Rivkin
 kann es kaum erwarten, wieder Tennis zu spielen.
Nicole Rivkin "kann es kaum erwarten, wieder Tennis zu spielen". © Florian Petrow
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Aufgrund der Corona-Pandemie ruht der Tennissport aktuell. Hannovers Talente wissen sich in diesen schwierigen Zeiten allerdings zu helfen und halten sich fit. "Wer das jetzt fit und motiviert übersteht, hält auch später schwierige Phasen durch", meint auch Bundesstützpunktleiter Julian Battmer.

Tennisfreaks kennen die leicht verwackelten Aufnahmen des legendären Björn Borg, der noch nach seinem Training an der Garagenwand Tennis spielte. Stunde um Stunde hämmerte der fünfmalige Wimbledonsieger Bälle gegen die Wand, um den brennenden Ehrgeiz zu befriedigen.

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Eine solche Szene ist eigentlich undenkbar für die Tenniskids heute – es gibt genug Vereine, Plätze und Tennisschulen, um stundenlang auf dem Platz stehen zu können. Jedenfalls bis vor zwei Wo­chen. In den vergangenen 14 Tagen erlebten die Garagen- und Hauswände eine echte Renaissance als Platzersatz. „Wir bekommen viele Videos von unseren Athleten, wie sie an der Wand oder im Garten über die Hecke oder ein gespanntes Seil spielen“, be­rich­tet Julian Battmer, Bundesstützpunktleiter an der Tennis-Base in Hannover. „Die brennen alle für eine Rückkehr auf den Platz.“

Bilder vom Tennis-Spiel zwischen dem DTV Hannover und TK Blau-Weiß Aachen

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Angelina Wirges ©

Wirges und Rivkin vermissen ihren Sport

Denn diese kleinen Spielchen reichen tatsächlich nur aus, um sich in der Zwangspause die Zeit zu vertreiben. Oder einfach, um den Schläger zwischendurch in der Hand zu halten. „Ich vermisse Tennis so sehr“, schrieb Angelina Wirges, die beste Juniorin an der Tennis-Base, bei Instagram. Geplant wa­ren für sie in diesen Tagen zwei große Jugendturniere in Spanien und eine Saisonvorbereitung in Marbella. „Ich hatte mich ex­trem auf diese Wochen gefreut“, sagt Wirges.

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Auch Talent Nicole Rivkin setzte in ihren Whats­app-­Sta­tus ein Tennisbild, dazu schrieb sie: „Kann es kaum erwarten, wieder zu spielen.“ Die deutsche Jugendmeisterin musste ihren Siegeszug mit zwei Turniererfolgen in Folge abbrechen. Beim nächsten Versuch wurde sie in der Dominikanischen Re­pu­blik gestoppt, das Turnier wurde vor dem Halbfinale beendet und die 16-Jährige wie alle anderen Teilnehmer ausgeflogen. „Die ersten Ta­ge zu Hause waren schwierig, jetzt habe ich mich daran gewöhnt, arbeite Schulstoff auf und halte mich natürlich fit“, erzählt Rivkin.

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<b>Daniel Koch</b> spielt mit seinem Rugby-Team von Germania List in der ersten Bundesliga - und in der deutschen 7er-Nationalmannschaft. Der 23-Jährige spielt auf der Position des Verbinders und kam schon in den deutschen Jugend-Nationalmannschaften des Rugby zum Einsatz.  Zur Galerie
Daniel Koch spielt mit seinem Rugby-Team von Germania List in der ersten Bundesliga - und in der deutschen 7er-Nationalmannschaft. Der 23-Jährige spielt auf der Position des Verbinders und kam schon in den deutschen Jugend-Nationalmannschaften des Rugby zum Einsatz.  ©

"Ich bin mit Laufen, Kraft- und Schnelligkeitstraining, Sprüngen und Stabilisationsübungen bis zu zweieinhalb Stunden beschäftigt."

Aber wie genau halten sich die ambitionierten Nachwuchstalente in dieser Phase fit? „Als sich andeutete, dass es zu einer längeren Pause kommen würde, haben wir frühzeitig reagiert“, erklärt Arne Carl. Er ist im Tennisverband Niedersachsen-Bremen (TNB) und an der Tennis-Base verantwortlich für die Athletik der Spieler. Zuerst erfolgte eine Abfrage, welche Trainingsgeräte die Spieler zu Hause haben. „Dann habe ich jedem Einzelnen einen individuellen Trainingsplan für vier Wochen geschrieben“, erzählt Carl.

Und der Plan ist durchaus fordernd. „Ich bin mit Laufen, Kraft- und Schnelligkeitstraining, Sprüngen und Stabilisationsübungen bis zu zweieinhalb Stunden beschäftigt“, berichtet Rivkin. Sie arbeitete, ohne es geplant zu haben, an der Entwicklung des Trainings sogar mit. „Nicole interessierte sich schon etwas länger für Yoga zur Dehnung und Entspannung und hat mittels einer App für alle dann ein Training entwickelt“, erzählt Athletik-Experte Carl. Zweimal pro Woche steht für die Tennistalente nun also Yoga auf dem Plan, „und das macht riesigen Spaß“, sagt auch Wirges.

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Battmer glaubt, dass die Talente gestärkt aus der Krise zurückkehren

Die 17-Jährige muss sogar zwei Athletikpläne koordinieren, denn sie hat einen weiteren vom Deutschen Tennis-Bund (DTB) bekommen. „Ich kombiniere beide Pläne, ma­che vormittags und nachmittags jeweils eine Einheit, die alles abdeckt. Obwohl mir Tennis sehr fehlt, ziehe ich das jetzt natürlich durch“, kündigt sie an. Ihr Ziel hat Wirges trotz Corona-Pandemie nicht aus den Augen verloren: „Ich hoffe, dass ich in diesem Jahr noch die Chance habe, an Junior-Grand-Slams teilzunehmen.“ Eine gute Einstellung!

Bundesstützpunktleiter Battmer ist sich sogar sicher, dass seine Talente gestärkt aus der Krise zurückkehren. „Wer das jetzt fit und motiviert übersteht, hält auch später schwierige Phasen durch“, meint er. Und Wirges wird sogar ein wenig philosophisch: „Erst durch so was weiß man zu schätzen, was man für ein Leben führt.“ Auch das klingt nach einer starken Einstellung.