14. August 2019 / 07:37 Uhr

So kann Hannover 96 nicht aufsteigen: Mirko Slomka fordert "Drecksäcke"

So kann Hannover 96 nicht aufsteigen: Mirko Slomka fordert "Drecksäcke"

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Stürmer Marvin Ducksch guckt nach dem Pokal-Aus beim Karlsruher SC ratlos in den Himmel.
96-Stürmer Marvin Ducksch guckt nach dem Pokal-Aus beim Karlsruher SC ratlos in den Himmel. © Uli Deck/dpa
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Mit einer desolaten Leistung schied Hannover 96 gegen den Karlsruher SC aus dem Pokal aus. Trainer Mirko Slomka fordert nun mehr "Drecksäcke" auf dem Platz und bemängelt die fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.

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Von drei Spielen zwei verloren und keins gewonnen – die vergangene Abstiegssaison scheint sich eine Etage tiefer nahtlos fortzusetzen. Die Mannschaft läuft Gefahr, sich erneut in eine Negativspirale hinein zu drehen. Der Weltmeister im 96-Tor hat das erkannt und versucht gegenzusteuern. „Natürlich ist es kritisch“, räumt Ron-Robert Zieler ein. Er bittet jedoch darum, „nicht alles in Schutt und Asche“ zu reden. Der Neuaufbau in der 2. Liga stockt aber, und es ist ungewiss, ob ein schönes 96-Haus entsteht – oder doch wieder nur eine Bruchbude.

Die Roten in Noten: Die 96-Einzelkritik zum Pokal-Aus in Karlsruhe

Ron-Robert Zieler – Note 3,5: Macht sich groß gegen Hofmann, bei Pisots Pfostenschuss wäre er wohl da gewesen. Nicht zu halten beim 0:1 und Elfmeter-0:2. Zur Galerie
Ron-Robert Zieler – Note 3,5: Macht sich groß gegen Hofmann, bei Pisots Pfostenschuss wäre er wohl da gewesen. Nicht zu halten beim 0:1 und Elfmeter-0:2. ©
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"Müssen auch mal Drecksäcke sein"

Beim Pokal-Aus in Karlsruhe „haben wir uns nicht so präsentiert, wie man es für Hannover 96 tun sollte“, gibt Marvin Bakalorz zu. Der Kapitän ist ein Kämpfer, dem das Spielerische abgeht. Bei manchem Kollegen ist es andersherum – sie sind fußballerisch begabter, aber ihnen fehlt das Kämpferische. „Wir haben uns in vielen Situationen abkochen lassen“, bemängelt Mirko Slomka. Der 96-Trainer erklärt den Unterschied zum Aufsteiger aus Karlsruhe: „Die haben Typen, die genau das machen, was sie können.“

Seine Mannschaft weiß dagegen noch nicht, was sie kann und machen muss. „Wir suchen immer nach einer spielerischen Lösung“, sagt Slomka und fordert: „Wir müssen uns umstellen und auch dagegenhalten.“ Und noch deutlicher: „Wir müssen auch mal Drecksäcke sein.“

Auch im gegnerischen Strafraum. „Uns fehlt die Konsequenz vor der Kiste, die Abgebrühtheit, die Kälte vor dem Tor.“ Der Trainerwunsch: „Einfach mal das Ding reinschmettern. Es muss nicht immer toll aussehen, nicht reingezirkelt ins obere Eck.“

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96 nutzt Ballbesitz nicht

Mit optischer Überlegenheit ist ohnehin nichts gewonnen. So weiß Zieler auch: „Wir müssen uns bei eigenem Ballbesitz verbessern“. Mit 66 Prozent Ballbesitz ist 96 immer wieder ins Leere gelaufen und hat es nur ansatzweise geschafft, gefährlich zu werden.

Der Weg zum Tor führte, wenn überhaupt, meist über Linton Maina und Florent Muslija. Zwei junge Spieler, die das Versprechen einer besseren Zukunft in sich tragen, aber noch nicht einlösen können. „Wahnsinn, wie oft wir über die linke Seite durchgebrochen sind in der ersten Hälfte“, analysiert Slomka. „Aber wir haben es nie zu Ende gespielt. Wir müssen klären, woran das liegt.“

Einerseits sei das „eine technische Frage, auch bei Linton, den Ball sauber zu spielen, aber auch eine Positionierungsfrage im Zentrum“. Da konnten sich Marvin Ducksch und Hendrik Weydandt nicht durchsetzen. Der als Torgarant verpflichtete Ducksch vergab erneut eine Großchance zur Führung, wie zuletzt gegen Regensburg.

DFB-Pokal-Aus für Hannover 96 beim KSC: Die Stimmen zum Spiel

Ron-Robert Zieler: Es ist enttäuschend, in der 1. Runde rauszufliegen. Aber wir müssen aufpassen, ich finde, dass wir nicht alles schlecht gemacht haben und auch gute Akzente gezeigt haben, auch wenn der KSC durch die besseren Chancen verdient gewonnen hat. Wir müssen es in Ballbesitz einfach noch besser machen. Zur Galerie
Ron-Robert Zieler: "Es ist enttäuschend, in der 1. Runde rauszufliegen. Aber wir müssen aufpassen, ich finde, dass wir nicht alles schlecht gemacht haben und auch gute Akzente gezeigt haben, auch wenn der KSC durch die besseren Chancen verdient gewonnen hat. Wir müssen es in Ballbesitz einfach noch besser machen." ©

So ist 96 zu grün

Slomka bittet dennoch um Geduld. 96 habe viele gute junge Spieler, die auf einem guten Weg sind. „Ich bin nicht bereit, das aufzugeben.“ Der Coach will nicht auf reifere Spieler setzen. „Wir wollen junge Spieler ausbilden. Ich weiß aber, dass sie einen Reifeprozess durchlaufen müssen.“

Allerdings hatte Slomka „gehofft, dass wir weiter sind“. Zum Problem wird das Entwicklungsprogramm, weil außer Maina und Muslija kaum Spieler in Sicht sind, die die massierten Abwehrbollwerke in der 2. Liga mit ihrem Tempo und ihrer Kreativität durchbrechen können. 96 ist auf die Unreifen angewiesen. Das ist dann doch eine Frage der Qualität – und zwar vor, neben und hinter den jungen Wilden. So aber ist 96 zu grün für den Aufstieg.

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