29. März 2019 / 12:53 Uhr

So sind Studenten in Göttinger Sportvereinen integriert

So sind Studenten in Göttinger Sportvereinen integriert

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Fans des Hockey-Clubs Göttingen jubeln ihrer ersten Damenmannschaft zu, die mit vielen Studentinnen gespickt ist.
Fans des Hockey-Clubs Göttingen jubeln ihrer ersten Damenmannschaft zu, die mit vielen Studentinnen gespickt ist. © Schneemann
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In der Universitätsstadt Göttingen kommen auf etwas mehr als 130 000 Einwohner rund 30 000 Studenten. Viele von ihnen treiben in Göttinger Vereinen Sport – und sind gut integriert, finden die Klub-Verantwortlichen.

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Dabei ist auch in Göttinger Sportvereinen nicht alles eitel Sonnenschein: Früher wurde nach dem Training noch Skat gespielt, heute beklagen ältere Klubmitglieder, dass die Spieler nach dem Duschen sofort das Weite suchen. Sind daran auch die Studenten Schuld, die im Regelfall in ihrer Studienzeit keine große Verbindung zu den Göttinger Klubs aufbauen? Wir haben uns bei drei Vereinen mit einem hohen Studentenanteil umgehört: Wie gestaltet sich das Vereinsleben? Sind die Studenten gut integriert?

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SVG Göttingen

Studenten seien „grundsätzlich Fluch und Segen“, sagt Thorsten Tunkel, Fußball-Abteilungsleiter der SVG Göttingen. „Segen eher für die höherklassig spielenden Mannschaften, Fluch für die niedrigklassig spielenden Teams.“ Studenten, die in der ersten Mannschaft der SVG in der Landesliga kicken, seien bei jedem Spiel dabei, und der Klub profitiere von ihrer Spielstärke, erläutert Tunkel. Spieler der dritten oder vierten Mannschaften mit studentischem Hintergrund seien demgegenüber am Wochenende, wenn Spiele anstehen, oftmals „auf Heimaturlaub“.

Von Vorteil sei in dieser Hinsicht die Möglichkeit der Zweitspielerlaubnis auf Kreisebene, die laut Tunkel regelrecht boomt: Spieler dürften neben ihrem Stammverein somit auch für einen anderen Klub, in diesem Fall die SVG, auflaufen – wenn sie mal übers Wochenende am Studienort bleiben. Der Nachteil: „Die Passmappen sind so dick wie die Bibel“, sagt Tunkel.

Bilder vom Spiel der SVG Göttingen beim SC Hainberg:

SC Hainberg - SVG Göttingen, Landesliga Braunschweig 2018/19

SC Hainberg - SVG Göttingen, Landesliga Braunschweig 2018/19 Zur Galerie
SC Hainberg - SVG Göttingen, Landesliga Braunschweig 2018/19 © Schneemann

Das Vereinsleben sei „grundsätzlich in vielen Bereichen eingeschränkt“, berichtet der SVG-Abteilungsleiter. „Auf der Jahreshauptversammlung kommt regelmäßig die Frage: Warum kommt die Mannschaft nach dem Spiel nicht in die Vereinsgaststätte und spricht mit den Fans?“ Sogenannte „alteingesessene“ SVG-Kicker kämen dem Wunsch nach und nähmen nach der Partie auch noch ein Getränk zu sich, „aber es gibt immer viele Leute, die dann nicht können“.

Schuld daran sei aber nicht so sehr der studentische Hintergrund der SVG-Spieler, sondern der Zeitgeist, findet Tunkel: „Klar verzweifelt man, wenn die Spieler zehn Minuten nach dem Abpfiff das Gelände verlassen, aber die Jungs haben heute schlichtweg andere Interessen. Das ist einfach so“, sagt Tunkel, der den studentischen Anteil in den SVG-Teams II bis IV auf „Minimum 50 Prozent“ beziffert.

HC Göttingen

Bei den Hockeyspielern des HC Göttingen kämen auf 166 Vereinsmitglieder rund 70 Studenten, berichtet der Vorsitzende Dirk Damm. Von Grüppchenbildung keine Spur: „Man trifft sich auch abseits der Jahreshauptversammlung“, stellt Damm klar.

So brächten sich viele Studenten von sich aus in die Übungsleitertätigkeit ein, einfach weil sie es von ihren Heimatvereinen nicht anders gewohnt seien. Die Position des Jugendleiters wird beim HCG beispielsweise von einem Studenten ausgefüllt.

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Die erste Herrenmannschaft, die in der Halle in die Regionalliga aufgestiegen ist, und das erste Damenteam, das den Sprung in die zweite Liga geschafft hat, bestehen fast ausschließlich aus spielstarken Studenten, die oftmals aus dem Westen der Republik kommen, wie Damm erläutert. Der Zusammenhalt sei groß, unter anderem werde auch Tennis auf der benachbarten Anlage des PSV Blau-Gelb gespielt. „Der Zusammenhalt und der Spaß spiegeln sich im Erfolg wider“, findet Damm.

MTV Geismar

Die Handballabteilung des MTV zählt mehr als 300 Mitglieder, die Studi-Quote in den Seniorenmannschaften liege bei mehr als 50 Prozent, schätzt MTV-Vorstandsmitglied und Jugendwartin Cathrine Schwerdt. „Es gibt immer welche, die nach dem Training verschwinden, aber wir zelebrieren das Drumherum regelrecht, und da mischt sich Jung und Alt“, sagt sie.

Bilder vom Spiel des MTV Geismar gegen die HG Rosdorf-Grone in der Herren-Verbandsliga:

MTV Geismar schlägt HG Rosdorf-Grone 20:16, Handball-Verbandsliga 2018/19

MTV Geismar schlägt HG Rosdorf-Grone 20:16, Handball-Verbandsliga 2018/19 Zur Galerie
MTV Geismar schlägt HG Rosdorf-Grone 20:16, Handball-Verbandsliga 2018/19 © Schneemann

Herren- und Damenteam feuerten sich gegenseitig an, im Anschluss an die Spiele gehe es manchmal gemeinsam zum Tanzen, berichtet Schwerdt. Auch wenn es nicht einfacher werde: Unter anderem dank der Studis könnten in Geismar Übungsleiterstellen besetzt werden. „Die Art des Studiums ist mit höherem Zeitdruck und Auslandssemestern eine andere geworden, aber viele bleiben nach dem Studium auch da und engagieren sich, einfach weil Göttingen so eine schöne Stadt ist“, so Schwerdt.

Alles in allem entstehe der Eindruck eines „sympathischen Haufens“ mit vielen Studenten, die Leben in die Bude bringen, findet die Jugendwartin. „Wenn ich bei Heimspielen anwesend bin, dann kenne ich viele Spieler gar nicht. Das macht dann Laune.“