04. Mai 2021 / 18:12 Uhr

So wollen die Grizzlys Wolfsburg Eishockey-Geschichte schreiben

So wollen die Grizzlys Wolfsburg Eishockey-Geschichte schreiben

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Grizzlys Likens Strahlmeier
Der Pott ist zum Greifen nah! In jedem Fall wird es für Jeff Likens (l.) am Mittwoch das letzte Heimspiel seiner Karriere, wenn er mit Dustin Strahlmeier (r.) und den Grizzlys Wolfsburg die Eisbären Berlin zum zweiten Play-Off-Finalspiel erwartet. Wolfsburg braucht noch einen Sieg aus maximal noch zwei Spielen. © Grizzlys Wolfsburg/City-Press GmbH
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Showdown im Eishockey-Oberhaus. Die Final-Play-Offs laufen, die Grizzlys Wolfsburg führen mit 1:0 Siegen gegen die Eisbären Berlin, haben am Mittwoch (19.30 Uhr, live auf Sport1) Heimrecht und brauchen noch einen Sieg aus maximal zwei Spielen für ihren ersten Meistertitel. Nicht nur Coach Pat Cortina baut auf mentale Stärke seines Sensationsteams gegen den Favoriten.

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Dreimal standen sie schon im Play-Off-Finale um den deutschen Eishockey-Titel. Doch näher dran als jetzt waren die Grizzlys Wolfsburg noch nie! Nur noch ein Sieg aus maximal zwei Spielen fehlt. Den ersten Matchball gegen die Eisbären Berlin haben die Niedersachsen am Mittwoch (19.30 Uhr, live auf Sport1) in eigener Halle. Als Best of Five (2011) oder Best of Seven (2016 und 2017) waren die Finalserien für die Grizzlys zwar länger, doch sowohl gegen die Eisbären 2011 als auch später gegen München verloren sie jeweils Spiels eins.

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Mehr Außenseiter als in diesem Jahr war Wolfsburg noch nie. In der Addition von Nord- und Südgruppe starten sie diesmal von Rang sechs. 2011 waren sie Erster, wurden vom Dritten Berlin, der als Favorit in die Saison gegangen war, gestoppt, verloren drei Spiele am Stück. 2016 und 2017 war München jeweils Hauptrundensieger und Top-Favorit, die Grizzlys waren als Fünfter und Vierter bis in die Endspielserien marschiert. Diesmal kippten sie Top-Favorit Mannheim, Favorit Nummer zwei, München, strich früh die Segel, mit Berlin geht es nun gegen Titelfavorit Nummer drei.

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Zu verlieren haben die Grizzlys, die in dieser Spielzeit mehrfach um den Einzug in die Play-Offs zittern mussten, gar nichts mehr. Sie wollten mindestens ins Viertelfinale, das Planziel ist erreicht. Sie sind schon Gewinner. Doch jetzt wollen sie alles. „Der letzte Schritt ist der größte. Wir wollen ihn gemeinsam gehen“, sagt Charly Fliegauf, Manager der Niedersachsen.

Likens: Letztes Heimspiel eines "unglaublichen" Spielers

Der Plan dafür. "Nicht anders als sonst", sagt Coach Pat Cortina, der sich bei den Fans, bei denen er lange einen schweren Stand hatte inzwischen jede Menge Respekt erarbeitet hat. "Wir müssen im Hier und Jetzt sein, nur an dieses kommende Spiel denken, wie zuletzt mental stark sein und clever mit der Scheibe. Und wieder stark in der defensiven Zone." Denn nicht nur ihm ist klar: "Berlin hat große Offensivqualität." Mannheim um Ex-Grizzlys-Coach Pavel Gross rauszuwerfen, war ein Gesellenstück, jetzt könnte Cortina mit Wolfsburg schaffen, was Gross dreimal misslang. Mit Wolfsburg Meister werden. Bei den Adlern übrigens hängt der Haussegen schief.

Gross wetterte nach dem Aus gegen die Grizzlys heftig gegen die Liga und ihre Saisonplanung. Die Liga - das sind aber die Klubs, die sich gemeinsam, und laut Manager Charly Fliegauf "einstimmig" für den späten Saisonbeginn ausgesprochen hatten. Jetzt erklärte Mannheims Sportmanager Axel Alavaara, unter Gross einst Top-Spieler in Wolfsburg, in einem TV-Interview: "Die Adler stehen gar nicht hinter diesen Worten. Das ist seine persönliche Meinung."

Sind alle Akteure fit, wird Wolfsburg mit dem gleichen Aufgebot spielen und mit Dustin Strahlmeier im Tor wie am Sonntag beim 3:2 n. V. in Berlin. Sind alle fit? "Es gibt das eine oder andere Fragezeichen", sagt der Coach. Allerdings: Die gibt es immer. Wer nur annähernd einsatzbereit ist, wird spielen. Physisch und mental werden de Grizzlys weiter enorm gefordert sein. Einer ist für Cortina ein "unglaublich, wenn man von mentaler Stärke spricht" und ein "großartiger Anführer, was Kampfgeist angeht:" Jeff Likens. Sein 765. DEL-Einsatz am Mittwoch ist vielleicht der letzte. Das wäre die Krönung. Auf jeden Fall aber ist es sein letztes Heimspiel - in Deutschland, für die Grizzlys. Er beendet seine Karriere. Wer ihn kennt, weiß: das blendet er aus. Er ist der Typ: Hier und Jetzt, sagt: "Wir wollen das Spiel gewinnen, nur das zählt!

Cortina weiß: "Finale ist besonders, man bekommt viele Nachrichten, mehr Anfragen als sonst. Vielleicht ist man vor dem Spiel ein weniger anders angespannt als sonst. Aber während des Spiels ist das alles weg. Da zählt nur das Spiel." Denn: "Das nächste Spiel ist das wichtigste Spiel", so sei die Denkweise, sagt Keeper Dustin Strahlmeier, der überragende Play-Offs spielt. Er bringt seine Gefühle so auf den Punkt: "Ich versuche von Scheibe zu Scheibe zu denken, den Jungs hinten zu helfen, die Jungs helfen mir, das ist ein Geben und Nehmen. Ich gucke gar nicht so viel auf mich, es geht darum, dass wir als Mannschaft die Siege holen."

Nijenhuis mega frustriert und auch mega happy

Einige Wolfsburger können weiterhin nicht spielen, werden auf der Tribüne die Daumen drücken: Fabio Pfohl (Hand-OP) und Jan Nijenhuis, zum Ende der Hauptrunde von Ingolstadts Colton Jobke schwer gecheckt. Ryan Button (Schlüsselbeinbruch) ist schon in Kanada, Jordan Boucher wurde suspendiert. Nijenhuis erlitt eine Gehirnerschütterung. "Es geht mir gut"", sagt er. Aber: Bei höherer Belastung hatte er noch Probleme, deshalb trainiert er jetzt nur noch ganz locker. Faire Geste: Übeltäter Jobke, der dafür gesperrt worden war, hat Nijenhuis übrigens geschrieben. Ein Spiel vor der Verletzung hatte Nijenhuis (19) sein erstes DEL-Tor geschossen, fühlte sich super. "Da ist es jetzt natürlich mega frustrierend, nicht spielen zu können. Aber ich bin auch mega happy zu sehen, wie es auf dem Eis läuft. Wir haben es verdient da zu sein, wo wir sind. Ich hoffe, dass der Sack am Mittwoch zugebunden wird." Wie konnte es zu so einer Wandlung nach einer schwierigen Hauptrunde kommen. Der U-20-Nationalspieler hat eine treffende Erklärung: "Wir wussten von Anfang an, dass wir Qualität haben, es hat vielleicht gebraucht, den Weg zu finden, selbst wenn er vorgegeben war. Wir hatten viele Hochs und Tiefs, waren nach Niederlagen natürlich sauer, aber haben nie schlechte Stimmung gehabt, haben immer zusammengehalten und das hilft uns jetzt enorm."