09. März 2020 / 09:31 Uhr

Auftakt im Sommermärchen-Prozess der WM 2006: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Auftakt im Sommermärchen-Prozess der WM 2006: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das Präsidium des Organisationskomitees für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland (v.l.): Vizepräsident Wolfgang Niersbach, Vizepräsident Theo Zwanziger, Präsident Franz Beckenbauer und der 1. Vizepräsident Horst R. Schmidt.
Das Präsidium des Organisationskomitees für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland (v.l.): Vizepräsident Wolfgang Niersbach, Vizepräsident Theo Zwanziger, Präsident Franz Beckenbauer und der 1. Vizepräsident Horst R. Schmidt. © dpa
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An diesem Montag soll der Prozess gegen Ex-DFB-Funktionäre und ihre Rolle vor der Fußball-WM 2006 beginnen. Sie selbst werden nicht in die Schweiz reisen. 

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Was Mohamed bin Hammam wohl umtreibt? Sollte der 70-Jährige, einst eine der skandalösesten Figuren im Weltfußball, verfolgen, welche Wirrungen der Schweizer Prozess um das deutsche Sommermärchen bei der Fußball-WM 2006 nimmt – er dürfte erheitert sein. Zuletzt stand der für diesen Montag anberaumte Verhandlungsbeginn vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona wegen des Coronavirus auf der Kippe. Und auf der Anklagebank droht Leere: Zwei der drei beschuldigten Ex-Funktionäre des Deutschen Fußball-Bundes haben eine Reise in die Schweiz ausgeschlossen. Skurrile Voraussetzungen für einen skurrilen Prozess, dessen Ursache den Sommermärchenmythos arg ramponierte. 

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Worum geht es?

Um die Aufklärung des Skandals um die Zahlung von 6,7 Millionen Euro im Jahr 2005. Die Affäre wurde 2015 aufgedeckt. In Deutschland ermittelten die Behörden in Frankfurt/Main. Der DFB hatte zudem selbst eine Anwaltskanzlei mit Nachforschungen beauftragt. Die Ergebnisse blieben überschaubar, was vor allem auch an bin Hammam liegt.

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Beim damaligen Fifa-Finanzchef landete im Jahr 2002 eine Zahlung derselben Summe, angewiesen von Franz Beckenbauer, damals Chef des WM-Organisationskomitees, und dessen Vertrauten. Die deutsche Fußballikone hatte sich das Geld beim Unternehmer Robert Louis-Dreyfus geliehen. Die Begründung: Das Geld habe für einen WM-Zuschuss der Fifa fließen müssen. Der Weltverband bestreitet das. 

Der Zweck der Überweisung von 2002 ist deshalb ungeklärt. Eine Bestechungszahlung im Fifa-Präsidentschaftswahlkampf? Eine Überweisung für die nötigen Stimmen bei der WM-Vergabe nach Deutschland im Jahr 2000? Auch über einen privaten TV-Rechtedeal von Beckenbauer wird spekuliert. Bin Hammam ist in der Schweiz weder angeklagt noch als Zeuge geladen. 

Die Schweizer sehen sich zuständig, weil für die Zahlungen auch Schweizer Bankkonten verwendet worden sind, zudem war die in der Schweiz ansässige Fifa involviert.

Wer ist angeklagt?

Unter anderem müssen sich die ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger (74) und Wolfgang Niersbach (69) verantworten. Vor Gericht werden sie nicht erscheinen, was sie mit gesundheitlichen Problemen und der Sorge vor dem Coronavirus begründeten. Der ebenfalls angeklagte Ex-Generalsekretär des Verbandes, Horst R. Schmidt (78), dürfte aus ähnlichen Gründen fernbleiben. Verantworten muss sich zudem der Schweizer Urs Linsi (70), einst Fifa-Generalsekretär. Er soll beim Prozess, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten wird, erscheinen. 

Dem Quartett wird ungetreue Geschäftsbesorgung vorgeworfen. Als Zeugen sind Ex-Fifa-Boss Joseph Blatter, Günter Netzer und Beckenbauer geladen. Für den Fall, dass die Angeklagten am Montag nicht erscheinen, hatte das Gericht angekündigt, am Mittwoch starten zu wollen – auch ohne die Beschuldigten. Blatter und Netzer sollen am 12. März befragt werden. Beckenbauer wäre tags darauf dran.

Das Verfahren gegen den 74-Jährigen war wegen dessen Gesundheitszustandes abgetrennt worden. Ob er als „Auskunftsperson“ auftritt? Das Gericht steht unter Zeitdruck: Am 27. April muss ein erstinstanzliches Urteil gefällt werden, weil sonst die Verjährung eintritt. Eine Gefängnisstrafe haben die deutschen Funktionäre ohnehin kaum zu befürchten, laut „Spiegel“ wurde ihnen „freies Geleit“ zurück nach Deutschland zugesichert.

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Welche Rolle spielt der DFB?

Der DFB tritt als Nebenkläger auf. „Scheinbar sind da Sachen gelaufen, die man nur kriminell nennen kann“, sagte Präsident Fritz Keller im ZDF. Er bat darum, „endlich mit der Wahrheit auf den Tisch zu kommen, damit wir uns nicht mehr mit so etwas beschäftigen müssen“. 

In Deutschland steht ein Verfahren in Frankfurt/Main wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung im Raum. Die Ex-Funktionäre hatten die Überweisung als Beitrag zu einem WM-Kulturprogramm deklariert – das so nie stattgefunden hat.