23. Dezember 2021 / 12:14 Uhr

"Schlicht katastrophal": Wie Basketball, Eishockey & Co. unter Geisterspielen leiden

"Schlicht katastrophal": Wie Basketball, Eishockey & Co. unter Geisterspielen leiden

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Geisterspiele stellen die Sportvereine besonders abseits des Fußballs vor große Herausforderungen.
Geisterspiele stellen die Sportvereine besonders abseits des Fußballs vor große Herausforderungen. © IMAGO/Eibner/Zink (Montage)
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Viele deutsche Profi-Ligen spüren die wirtschaftlichen Auswirkungen von Geisterspielen weitaus stärker als der Fußball. Es drohen erneut schwierige Zeiten für Basketball, Eishockey, Handball & Co.

Es ist vielleicht ein angemessenes Zeichen, dass die meisten Fußball-Bundesligisten am Tag danach keinen Kommentar mehr abgeben wollten. Mit Verweis auf sich wiederholende Argumentationen. Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) äußerte sich durchaus verständnisvoll, dass das neue Jahr flächendeckend mit Geisterspielen beginnt, die sich über den gesamten Winter erstrecken könnten.

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Zwar seien die vorübergehenden Einschränkungen von Bund und Ländern "bedauerlich, aber nachvollziehbar – auch wenn wir alle noch bis vor Kurzem gehofft haben, dass es eine bundesweite Rückkehr zu Spielen ohne Fans in den Stadien nicht mehr geben würde." Die spitzzüngige Tonalität, die der am Mittwoch seinen Schreibtisch räumende Chef Christian Seifert in einem letzten Mediengespräch in der Vorwoche angeschlagen hatte, war aus diesem Statement nicht herauszulesen.

Vielleicht, weil über dem gesamten deutschen Sport ein viel größeres Damoklesschwert schwebt. Eines, das an die düstersten Zeiten der Pandemie erinnert, als am Anfang der Corona-Krise gar kein Ball mehr rollte. Weder bei den Amateuren noch bei den Profis. Als Sport- und Spielplätze wochenlang zugesperrt waren. Kann das wieder passieren?


Das Robert Koch-Institut hatte vor dem Bund-Länder-Gipfel in seinem Strategiepapier unter anderem ein "Verbot von Großveranstaltungen" und die "Schließung von Sportstätten im Innenbereich" als Sofortmaßnahmen gefordert. Dieses Szenario droht nun wohl, wenn die hochansteckende Omikron-Variante die Zahl der Infizierten in kaum beherrschbare Bereiche treibt.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) forderte, den Breitensport nicht wieder mit einem Bannstrahl zu bedenken. "Es ist wichtig und notwendig, dass die 90. 000 Sportvereine in Deutschland ihren 27 Millionen Mitgliedern weiterhin niedrigschwellige Bewegungsangebote machen können und so die Bevölkerung aktiv bleibt."

Der ehemalige DOSB-Vizepräsident Kaweh Niroomand, Manager von Volleyball-Meister BR Volleys und Sprecher der Berliner Profivereine, sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: "Die Vereine sind Sozialstationen der Gesellschaft. Nirgendwo ist die Schule der Demokratie besser aufgestellt als in den Vereinen. "Neben ökonomischen Hilfen müsste auch in sozialen Bereichen was getan werden, "um das Verlorengegangene wiederzubringen."

Ein Shutdown käme "einem Berufsverbot gleich" und müsse mit aller Macht abgewendet werden, warnte auch Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), die das Glück hat, dass der Spielbetrieb wegen der Europameisterschaft bis zum 9. Februar ruht. Gerade die Hallensportarten trifft der Zuschauerausschluss viel härter als die Freiluftsportart Fußball mit ihrem aus den Fernsehverträgen garantierten Milliardengrundstock.

Handball, Eishockey oder Basketball hängen am Tropf der Ticketeinnahmen – und tragen zwischen den Feiertagen eigentlich publikumsträchtige Partien aus. "Wir sind in der Hochsaison rund um Weihnachten und spielen laufend. Es schlägt schon voll rein, die Folgen sind wirtschaftlich schlicht katastrophal", sagte Stefan Holz, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL), dem Sportinformationsdienst.

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hat vorsichtshalber die Gehälter häufig an die Zuschauerzahlen gekoppelt, entsprechende Klauseln seien in den Verträgen verankert, verriet Geschäftsführer Gernot Tripcke. "Die Klubs werden irgendwie über die Saison kommen, aber viele sind für die Zukunft wirklich gefährdet."

Viele Profiligen würden bei einer Pause von mehreren Wochen zudem in Terminprobleme geraten. Die nächste Saison 2022/2023 ist bereits heillos überfrachtet. Und wenn der Fußball zuletzt auch oft von Demut redete: Weder die Nationalverbände noch UEFA oder FIFA waren bereit, auch nur einen Wettbewerb zu opfern.