15. Oktober 2020 / 17:20 Uhr

96-Stürmer Marvin Ducksch droht Ausfall gegen Paderborn - Zuber ärgert sich über Länderspielreisen

96-Stürmer Marvin Ducksch droht Ausfall gegen Paderborn - Zuber ärgert sich über Länderspielreisen

Jonas Szemkus und Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Stürmer Marvin Ducksch droht gegen Paderborn auszufallen.
96-Stürmer Marvin Ducksch droht gegen Paderborn auszufallen. © Florian Petrow (Archiv)
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Vor der Partie in Paderborn bangt 96-Trainer Kenan Kocak um seinen torgefährlichsten Stürmer. "Wir müssen sehen, ob das reicht bis Sonntag", so der Coach über Marvin Ducksch. Wenn nicht, muss er seinen Traumsturm aus dem Derby umbauen. Derweil bereiten die jüngsten Länderspielreisen den 96-Verantwortlichen Kopfschmerzen. 

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Es ist noch nicht einmal zwei Wochen her, da lagen sich die 96-Profis mit Derbygefühlen in den Armen. Vier Tore, dominiert, danach Partystimmung mit den Fans (und Abstand). Marvin Ducksch und Hendrik Weydandt hatten im Sturm harmoniert und Braunschweig die Grenzen aufgezeigt. Ducksch brillierte mit zwei Torvorlagen – doch vorm Sonntagspiel in Paderborn (13.30 Uhr) plagen 96 Sturmsorgen. Ducksch hat es an der Wade – und dann bremst auch noch diese verflixte Länderspielpause den Derbyeffekt.

Die allergrößte Euphorie dürfte 13 Tage nach dem 4:1-Sieg ein wenig verpufft sein. Aber sicher nicht ganz, sagt Sportdirektor Gerhard Zuber: „Aus Siegen nimmst du immer was mit, aus dem Derby noch mehr.“ Die Derbysieger hätten dem hohen Druck im Vorfeld widerstanden, „und wir haben zum Beispiel gesehen, dass wir nach einem Rückstand zurückkommen können“, lobt Zuber.

Impressionen von 96-Training am 15. Oktober 2020.

Impressionen vom 96-Training am 15. Oktober 2020. Zur Galerie
Impressionen vom 96-Training am 15. Oktober 2020. ©

"Man muss sehen, ob das reicht bis Sonntag."

Es bleiben nicht die einzigen Erkenntnisse aus dem Derbysieg: Auch bei der Startelf dürfte es in Paderborn zumindest sehr ähnlich aussehen – wenn Ducksch denn rechtzeitig fit wird. Am Dienstag hatte er beim Training etwas im Muskel an der Wade gespürt, auch gestern konnte er noch nicht richtig mit dem Team trainieren. „Man muss sehen, ob das reicht bis Sonntag“, sagt Kenan Kocak, der die Erwartungshaltung trotzdem klar definiert: „Wir wollen da weitermachen, wo wir aufgehört haben.“

Die Spielpause hat 96 je­doch ein paar Sorgen eingebrockt. Die eine ist Ducksch, aber auch bei den Länderspiel-Rückkehrern hat Hannover ein besonderes Auge darauf, wegen erhöhter Be­las­tung und erhöhten Infektionsrisikos.

Denn für Nations League und Testkicks fuhren und flogen die nominierten Profis munter durch halb Europa. Florent Muslija war erst im Kosovo und dann für das Na­tions-League-Spiel in Griechenland. Die beiden 96-Japaner Sei Muroya und Genki Haraguchi spielten in den Niederlanden und fuhren dann mit dem Auto zurück aus Utrecht nach Hannover. Sie hatten dort unter anderem gegen Kamerun mit Franck Evina getestet.

Zuber kritisiert Länderspielreisen

Klingt irgendwie nach je­der Menge Ansteckungsgefahr. Auch 96-Sportchef Zu­ber findet es „nicht wirklich nachvollziehbar“, was den Profis für vermeintliche (Länderspiel-)Normalität abverlangt wird. Er rechnet sogar damit, dass es in nächster Zeit Spielabsagen geben könnte wegen positiver Tests nach den Länderspielreisen. „Hier ziehst du dich als Fußballer komplett zurück, bleibst viel daheim“ – und für die Länderspiele geht’s auf Reisen: „Da ist das Möglichkeit einer Ansteckung doch viel höher.“

So weit ist es zum Glück noch nicht, auch die berechtigten Corona-Befürchtungen wegen Abwehreinkauf Simon Falette haben sich in Wohlgefallen aufgelöst. Kollegen aus dem Nationalteam Guineas waren positiv auf Covid-19 getestet worden.

Falette musste kurz in Quarantäne, hat sich aber nicht infiziert. Er ist Reinrückkandidat für die Startelf, würde in Paderborn sein 96-Debüt geben. Er könnte Mike Frantz auf die Bank verdrängen.

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Bijol muss sich ausruhen

Ganz sicher nur auf der Bank wird Jaka Bijol sitzen. Der junge Slowene soll bei 96 durchstarten, doch auch der slowenische Nationalcoach Matjaz Kek weiß um die Qualitäten des Sechsers und setzte ihn gleich dreimal ein: 45 Minuten gegen San Marino, 90 Minuten gegen das Kosovo, am Mittwochabend noch mal 82 Minuten beim 4:0-Sieg in der Nations League gegen Moldau. 96-Trainer Kocak hatte zuvor noch für etwas Ruhezeit für Bijol geworben – erfolglos. Der Sechser wird sich jetzt eben in Paderborn „ausruhen“ dürfen. „Wir müssen auch an den Jungen denken“, erläutert Kocak, „er hat binnen sechs, sieben Tagen das dritte Spiel in den Knochen. Und dazu kommt, dass er in Europa herumgeflogen ist. Und das in der Corona-Zeit.“