21. Januar 2021 / 22:27 Uhr

Frühes Aus droht: DHB-Team startet mit Niederlage gegen Spanien in WM-Hauptrunde

Frühes Aus droht: DHB-Team startet mit Niederlage gegen Spanien in WM-Hauptrunde

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Unter Druck: Philipp Weber muss sich des Spaniers Viran Morros (rechts) erwehren.
Unter Druck: Philipp Weber muss sich des Spaniers Viran Morros (rechts) erwehren. © Sascha Klahn/dpa
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Die deutsche Nationalmannschaft ist mit einer 28:32 (13:16)-Niederlage gegen Spanien in die Hauptrunde der Handball-WM gestartet. Damit droht der DHB-Auswahl das frühzeitige WM-Aus - sie hat das Weiterkommen nicht in der eigenen Hand.

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Alfred Gislason setzte sich auf seinen Stuhl, verschränkte die Arme über den Kopf und schaute nachdenklich ins Leere. Die Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Deutschlands Handballer haben bei der WM in Ägypten zum Auftakt der Hauptrunde ihr Alles-oder-Nichts-Spiel gegen den Europameister Spanien mit 28:32 (13:16) verloren. Das Minimalziel Viertelfinale können sie nun nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Die Erkenntnis ist bitter: Eine überragende Viertelstunde nach der Pause reichte nicht.

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„Wir haben ein geiles Spiel gemacht, haben dagegen gehalten. Zwei, drei Fehler brechen uns das Genick“, war Torwart Jogi Bitter geknickt. Die Mannschaft sei immer noch verärgert, hatte Co-Trainer Erik Wudtke vor dem Spiel gemeint. Verärgert darüber, dass sie sich für die gute Leistung gegen Ungarn nicht belohnt habe. „Ich hoffe, das gibt die nötige Energie.“ Und die gab es. In der Offensive fanden die Deutschen gute Lösungen gegen die offensive Deckung der Spanier, die das Rückraumtrio mit drei Spielern fast bis zur Mittellinie verfolgte. Vor allem die wendigen Paul Drux und Philipp Weber rissen immer wieder Lücken. Auch Andreas Wolff, der erneut zwischen den Pfosten begann, gab mit ersten Paraden der Abwehr Rückhalt. Die zeigte sich bissig, kompromisslos. Es fühlte sich gut an, es sah gut aus. Auch auf der Anzeigetafel: 4:3 nach neun Minuten.

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Doch dann kam das, was zuletzt immer passierte. Die Deutschen hatten gewusst, wie sehr es auf Pass- und Ballsicherheit ankommt. Auch auf die Chancenverwertung. Denn die Spanier sind bekannt für ihre Gegenstöße. Und genau diese Ballverluste nutzten die Iberer gnadenlos aus. Zwei schnelle Konter – und Deutschland lag 6:9 (15.) zurück. Dazu nach Torerfolgen noch zweimal mit schneller Mitte überrumpelt – auch das tat weh. Die Deutschen spielten geduldig, mit Drang zum Tor. Sie erarbeiteten sich gute Chancen. Doch Rodrigo Corrales stand immer wieder im Weg.

Torwart Corrales rettet Spanien

Der Keeper, der beim ungarischen Topverein Veszprem seine Euros verdient, hatte schon zur Pause mit acht Paraden 40 Prozent der Bälle pariert. „Es muss alles passen, wenn wir sie schlagen wollen“, hatte Gislason gesagt. Die Chancenverwertung, die Ausbeute beim Torwurf (54 Prozent), sie passten nicht. Das fand auch Sportvorstand Axel Kromer zur Pause (13:16): „Da waren einige Fehlwürfe zu viel. Das ist ein Zeichen, dass wir Lösungen gefunden haben. Problematisch war auch, dass wir zu viele Gegenstoß-Tore kassiert haben. Das macht die Differenz aus.“


Keine Überraschung: Immerhin sind die Iberer Europameister, haben mit ihrer goldenen Generation nur ein Ziel: Olympia-Gold im Sommer in Tokio. Dieses Schmuckstück fehlt den Granden, mit einem Schnitt von 31,3 Jahren das älteste Team, noch. Die WM ist für sie ein Warm up. Doch die Deutschen heizten ihnen ein. Die Aktionen, die Würfe – entschlossener, mutiger. Vor allem Timo Kastening drehte auf, sorgte mit vier seiner sieben Treffer fast im Alleingang zur Führung (20:19/38.). Eine Bereicherung: WM-Neuling Juri Knorr mit guten Moves und Anspielen. Dazu noch wichtige Paraden des eingewechselten Johannes Bitter und die Hoffnung war da (24:21/43.). Doch zwei, drei Ballverluste, ein Stürmerfoul – und die Routine gewann wieder die Oberhand.

Gislason bemängelt Chancenverwertung

Auch, weil die Deutschen die Big Points, die wichtigen Punkte, nicht machten. Gensheimer scheiterte beim Konter, Kastening von Außen, Schiller von der Siebenmeterlinie. Spanien enteilte mit sechs Treffern in Folge auf Plus drei (28:25/52.) - zu viel. „Wir haben uns nach einer überragenden Viertelstunde selbst kaputt gemacht, zu viel Risiko gespielt, zu viele freie Bälle vergeben“, fand Gislason.

Nun war dieses Spiel keines von diesen historischen K.o.-Duellen gegen Spanien gewesen, nach denen eine Mannschaft in den Bus zum Flughafen steigen muss. Doch es fühlte sich so an. Gensheimer und Co. hatten selbst vom Do-or-Die-Spiel gesprochen. Ganz so schlimm ist es nicht. Fakt ist aber: Sie haben es jetzt nicht mehr selbst in der Hand, müssen für ihr Minimalziel Viertelfinale auf fremde, auf polnische Hilfe hoffen und die restlichen zwei Spiele gegen Brasilien (Samstag, 20.30 Uhr) und Polen (Montag, 20.30 Uhr) für sich entscheiden.