23. Januar 2021 / 11:41 Uhr

Wieder Spaß am Fußball: Borussia Empelde wächst seit Jahren - und punktet in der Jugendarbeit

Wieder Spaß am Fußball: Borussia Empelde wächst seit Jahren - und punktet in der Jugendarbeit

David Lidón
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Erstvertretung der Empelder Männer hat sich in den letzten Jahren von der 4. Kreisklasse bis in die Spitzengruppe der 2. Kreisklasse hochgespielt.
Die Erstvertretung der Empelder Männer hat sich in den letzten Jahren von der 4. Kreisklasse bis in die Spitzengruppe der 2. Kreisklasse hochgespielt. © deisterpics/Stefan Zwing/privat
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Bei der Borussia haben vieler Empelder den Spaß am Fußball zurückgewonnen. Mittlerweile gehören 259 Mitglieder zum Verein, der seit seiner Gründung vor rund acht Jahren kontinuierlich wächst. Speziell die Jugendarbeit ist den Verantwortlichen um den heutigen Vorsitzenden Dieter Knop wichtig.

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Es soll ja vorkommen, dass ein dickes Auto in der Garage einen Menschen glücklich macht. Wie eine Vereinsgründung vor der Garage gleich Hunderte Menschen glücklich gemacht hat, zeigt das Beispiel Borussia Empelde.

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"Wir wussten, was in Empelde machbar ist"

Am Maifeiertag 2013 kamen zwei Handvoll Fußballverrückte vor dem Unterstellplatz des Wagens von Versammlungsleiter Stefan Quint zusammen, um einen Klub aus der Taufe zu heben, der den Empeldern in ihrem Ort wieder Spaß am Spiel mit dem runden Leder vermitteln sollte. Seit der Gründung vor sogenannter „Quincys Garage“ ist Borussia bemerkenswert gewachsen: Zwei Männerteams, drei Seniorenmannschaften, eine Frauen- sowie sechs Jugendformationen laufen mittlerweile mit dem schwarz-weiß-grünen Wappen auf. „Wir wussten, was in Empelde machbar ist“, sagt Vorsitzender Dieter Knop. „Eine solche Entwicklung war zu Beginn wünschenswert, aber mit so einem Zulauf konnte man nicht rechnen.“

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Das Ende des Ortsrivalen

Ein Faktor dafür ist sicherlich das Ende des Ortsrivalen SC Empelde gewesen, der sich laut Knop „selbst ruiniert hat“. Im Sommer 2018 konnte der SCE keine Mannschaften für den Spielbetrieb mehr melden, von nicht geleisteten Zahlungen an die Stadt Ronnenberg war zu lesen. „Der schlechte Ruf des SC Empelde kam ja nicht von ungefähr“, sagt Lorenz John, Vorgänger von Knop als Borussias Vorsitzender und heutiger Beisitzer.

Das misslungene Engagement des Duos Karsten Poerz und Peter Reintjes, das 30 Neuzugänge mitbrachte, unter ihnen den Ex-Profi Nico Patschinski, war so etwas wie der Todesstoß für den Verein, der schon in den Jahren zuvor von der Kreisliga in die 2. Kreisklasse durchgereicht worden war. Begriffe wie „turbulent“ und „Chaos“ waren seit Beginn der 2010er-Jahre treue Begleiter des SCE gewesen.


"Auffangbecken der alteingesessenen Empelder"

Der Großteil des Gründungsvorstandes von Borussia ist zuvor Teil der Ü32 des SC Empelde gewesen und nach Differenzen mit der Klubführung ausgetreten. Zu umliegenden Vereinen wollten sie nicht gehen, die gepflegte Bezirkssportanlage im größten Stadtteil Ronnenbergs sollte ihre Heimat bleiben. Die Idee, einen eigenen Verein zu erschaffen, wurde in die Tat umgesetzt. „Über die Jahre wurden wir zum Auffangbecken der alteingesessenen Empelder, die dem anderen Verein zuvor enttäuscht den Rücken zugekehrt hatten“, sagt Knop. Den Namen Borussia schlug John vor, selbst langjähriger Fan der Mönchengladbacher, bei den Vereinsfarben stand neben dem Traditionsklub vom Niederrhein natürlich auch Hannover 96 Pate.

In der Gründungsphase des neuen Vereins, der ausschließlich Fußball anbietet, ließ sich John drei Monate von seinem Arbeitgeber freistellen, um den erforderlichen Zeitaufwand aufbringen zu können. „Ich bin im Messebau tätig und oft auf Montage. Nach einem halben Jahr als Vorsitzender habe ich dann gemerkt, dass mir berufsbedingt leider die Zeit fehlt, um dieses Amt weiterzuführen“, sagt der 53-Jährige.

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Knop übernimmt das Amt des Vorsitzenden

Ihm folgte Knop, der sich im Ruhestand befindet und daher in dieser Hinsicht besser aufgestellt ist. Beide betonen, wie familiär es bei der Borussia zugeht – sicherlich ein weiterer Grund dafür, dass sich über die Jahre immer mehr interessierte Kicker anschlossen. „Früher waren bei den Spielen Kind und Kegel sowie Oma und Opa dabei, das hat mir immer viel Spaß gemacht“, sagt der 71-jährige Knop. „Leider ist das mittlerweile nicht mehr so, aber ich versuche, den Menschen diese alten Werte zu vermitteln.“

Gemeinschaftsgefühl entwickelt

Das Gefühl von Gemeinschaft ist aufgekommen, 259 Mitglieder sind es zurzeit. Speziell die Jugendarbeit ist den Borussen wichtig: Bis auf die B- und C-Jugend haben sie in allen Altersklassen eine Mannschaft angemeldet, bei den F-Junioren gar zwei. „Wenn du die Kids in der F-Jugend gut behandelst, dann bleiben sie dem Verein über die ganze Jugendzeit treu“, lautet Johns Credo.

In Zeiten von Jugendspielgemeinschaften ist es erstaunlich, dass die Borussia in Eigenregie sechs Nachwuchsteams stellen kann – ein weiteres ist erst vor der Saison auseinander gefallen. „Unser Ziel ist, in jeder Altersklasse Mannschaften zu stellen“, sagt John. „Zu Saisonbeginn haben es drei A-Junioren zu den Männern geschafft, zukünftig werden es noch mehr werden. Ein eigenes U23-Team wäre irgendwann ein Traum.“

"Die Kreisliga haben wir langfristig im Blick"

Knop und John sind nur zwei der vielen Ehrenamtler, die bei den Empeldern mit Erfolg viel leisten. „Und ein großes Kompliment geht auch an die Eltern unserer Jugendkicker, die den Betrieb mit am Leben erhalten“, sagt der Vorsitzende. Einen sehr guten Kontakt pflegt sein Klub zudem zur Stadt Ronnenberg. Zwar musste diese den Ascheplatz auf der Bezirkssportanlage entfernen, weil dort eine Grundschule entsteht. Dafür versprach Bürgermeisterin Stephanie Harms den Fußballern für den A-Platz eine Flutlichtanlage sowie für den B-Platz eine neue Drainage. „Ich hoffe, das klappt bald, denn es ist dringend erforderlich“, sagt John – die Corona-Unterbrechung wird ja hoffentlich nicht ewig andauern.

Die Erstvertretung der Männer hat sich von der 4. Kreisklasse bis in die Spitzengruppe der 2. Kreisklasse hochgespielt – „die Kreisliga haben wir langfristig im Blick“, sagt Knop. Doch viel wichtiger sei, dass Borussia viele Empelder und deren Spaß am Fußball zurückgewonnen hat.