26. Mai 2020 / 23:33 Uhr

VfL zerlegt Bayer: Spaß auf Geister-Reisen und Wasser für Arnold

VfL zerlegt Bayer: Spaß auf Geister-Reisen und Wasser für Arnold

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Maximilian Arnold feiert sein Tor - und Geburtstag
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Einen bärenstarken Auftritt legte Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg am Dienstagabend bei Bayer Leverkusen hin. Die Tore von Marin Pongracic (2), Maximilian Arnold und Renato Steffen bescherten dem Team von Trainer Oliver Glasner einen 4:1-(1:0)-Sieg.

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Sie spielen in dieser Saison lieber auswärts – und haben auch auf Geister-Reisen Spaß! Das hat das tolle 4:1 (1:0) des VfL Wolfsburg am Dienstagabend in der Fußball-Bundesliga bei Bayer Leverkusen gezeigt. Marin Pongracic (mit seinen ersten beiden VfL-Toren), der bärenstarke Maximilian Arnold und Renato Steffen sorgten mit ihren Toren für den vierten Auswärtssieg in den vergangenen fünf VfL-Ligaspielen, zudem gab es noch ein Remis. Für Bayer traf Julian Baumgartlinger. Ergebniskosmetik, mehr war es nicht.

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Auswärts läuft es so richtig gut für Wolfsburg. 24 Zähler hat der VfL in der Fremde schon geholt, zu Hause sind es erst 18 Punkte. Warum tut sich der VfL da leichter? Bereits vor dem Bayer-Spiel war das Thema. „Warum es so ist, weiß ich nicht. Dafür habe ich keine Erklärung“, so Trainer Oliver Glasner achselzuckend. „Wir versuchen, jedes Spiel gleich anzugehen – aber es ist uns, was die Ergebnisse und auch die Leistung angeht, auswärts leichter gefallen.“

<b>Koen Casteels</b>: Unsicherheit beim Rauslaufen in der Anfangsphase, danach selten gefordert und immer zur Stelle. - Note 3 Zur Galerie
Koen Casteels: Unsicherheit beim Rauslaufen in der Anfangsphase, danach selten gefordert und immer zur Stelle. - Note 3 ©

Glasner hatte nach dem 0:2 gegen Dortmund am Samstag in Leverkusen zwar an seinem 4-4-2-System festgehalten, aber aufgrund des kurzfristigen Ausfalls von Admir Mehmedi (Achillessehnen-Probleme) musste er personell umstellen. Statt Daniel Ginczek spielte Josip Brekalo im Sturm neben Wout Weghorst. Doch der kleine Kroate war mehr eine spielende Spitze. Für Mehmedi rutschte Joao Victor ins Team. Zusammen mit dem in der Rückrunde so torgefährlichen Steffen sollte er für Tiefe im VfL-Spiel sorgen. „Ein Thema, was uns die gesamte Saison schon verfolgt, ist, dass wir es zu wenig schaffen, hinter die gegnerische Kette zu kommen“, hatte Glasner vor dem Duell mit Bayer moniert.

Seine Erklärung dafür: „Wir haben vom Naturell eher Spieler, die gern zum Ball gehen, die gern den Ball am Fuß haben und wenige, die ohne Ball in die Tiefe gehen.“ In Leverkusen jedoch gab es vor allem in der ersten Halbzeit genau diese Momente immer wieder. Meist war es Arnold (wird am Mittwoch 26 Jahre alt), der die Bälle eroberte und dann für die von Glasner geforderten Umschalt-Momente sorgte.

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Marin Pongracic war der Mann des Spiels ©

Der VfL hätte schon weit vor der Pause führen können, ja müssen, weil die Wolfsburger nach Bällen in die Tiefe viel Gefahr ausstrahlten und so die Leverkusener vor größte Probleme stellten, doch es brauchte kurz vor der Pause einen Freistoß zur hoch verdienten Führung.

Auffällig: Im Vergleich zum Angsthasen-Auftritt gegen Dortmund in der ersten Halbzeit spielte Wolfsburg diesmal mit viel mehr Mut, mit viel mehr Selbstvertrauen, presste zeitweise sehr hoch – und besiegte die Leverkusener, die zuvor zwölf Pflichtspiele in Folge nicht mehr verloren hatten. Aber dann kam der VfL – und zerlegte Bayer, schlug mit dem Tabellenvierten ein Spitzenteam und darf als Tabellensechster weiterhin von Europa träumen.

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Auch dank Doppelpacker Pongracic. Der im Winter geholte Abwehrspieler war total happy, meinte bei Sky: „Das waren meine ersten beiden Tore als Profi – ich wusste gar nicht, dass ich Tore schießen kann.“ Der Innenverteidiger war für 10 Millionen Euro von RB Salzburg gekommen und hat VfL-Eigengewächs Robin Knoche auf die Bank verdrängt.

Beide Male war Pongracic per Kopf erfolgreich. Welcher Treffer war schöner? „Das weiß ich gar nicht,die waren ja beide ziemlich ähnlich.“ Dann lobte der schnelle Abwehrmann Vorlagengeber Arnold: „Die Flanken sind optimal gekommen. Wenn ich die nicht gemacht hätte, dann hätte ich nie ein Tor geschossen. Das waren Top-Flanken von Maximilian.“ Sein Trainer lobte: „Er hat so wie gesamte Defensiv-Reihe sehr gut gespielt defensiv. Dass er Kopfballtore machen kann, wusste ich gar nicht. Er hat sich und uns überrascht und seine Leistung gekrönt. Auch für ihn gilt: Er darf sich nicht ausruhen. Er hatte einen guten Einstieg nach dem Corona-Break, aber er muss genau da weitermachen."

Nach dem Spiel meinte Glasner: „Kompliment an die Mannschaft. Sie hat alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Das war toll mitanzusehen. In den ersten zehn Minuten hatten wir ein bisschen Probleme, danach waren wir toll organisiert. Hatten schon in der 1. Halbzeit zwei, drei dicke Chancen. In der zweiten Halbzeit dann dasselbe Bild. Heute bin ich sehr zufrieden und stolz. Gratulation an die Spieler für diese Leistung.“

Eine besondere Gratulation gibt es für Maximilian Arnold. Erstmals in seiner Karriere war er in einem Bundesliga-Spiel an drei Toren beteiligt, 215 Partien hat das Eigengewächs bisher in der Eliteliga absolviert. Gute 90 Minuten nach dem Abpfiff in Leverkusen durfte er dann so richtig feiern, denn dann – um Mitternacht – begann sein 26. Geburtstag. Glasner: „Wir sind erst heute angereist und jetzt direkt mit dem Flugzeug zurück. Da sind zwei Flaschen Wasser für jeden drin. Eine mit Gas und eine ohne. Da kann er sich aussuchen, welche er spendiert...“ Und: „Maxi Arnold hat sehr sehr gut organisiert, das Zentrum mit Schlager sehr gut dichtgemacht. Max hat natürlich mit zwei Assists und einem Freistoß-Tor seine Leistung gekrönt. Aber ich tue mich heute schwer, jemand hervorzuheben, weil es eine geschlossene Mannschaftsleistung war. Wir müssen jetzt für Frankfurt noch mal alle Kräfte mobilisieren. Wir haben gegen Augsburg ein sehr ordentliches Spiel gemacht, gegen Dortmund defensiv auch, waren nur nach vorne zu ungeordnet. Heute hat beides zusammengepasst.“