10. Mai 2020 / 14:37 Uhr

Kevin Kühnert: DFL-Hygienekonzept "zu sehr in den Himmel gelobt" – SPD-Vize warnt vor Bundesliga-Sonderrolle

Kevin Kühnert: DFL-Hygienekonzept "zu sehr in den Himmel gelobt" – SPD-Vize warnt vor Bundesliga-Sonderrolle

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Aus Sicht von Kevin Kühnert wurde das DFL-Hygienekonzept zu früh mit Lob überschüttet.
Aus Sicht von Kevin Kühnert wurde das DFL-Hygienekonzept zu früh mit Lob überschüttet. © imago images/Montage
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Nach den positiven Corona-Fällen bei Dynamo Dresden ist die Debatte um den geplanten Neustart der Bundesliga und der 2. Liga wieder entbrannt. SPD-Vize und Fußball-Fan Kevin Kühnert hat Verständnis für die Pläne der DFL, sieht die vermeintliche Sonderrolle für die Bundesliga aber kritisch.

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Von einem großen Wurf war die Rede, einem Modell, was europaweit Schule machen wird. Das von der DFL vorgestellte Hygienekonzept für den geplanten Neustart der Bundesliga sowie der 2. Bundesliga am kommenden Wochenende war aus Sicht zahlreicher Virologen, Politiker und Sportfunktionäre das bestmögliche, um weiteren Neuinfektionen mit dem Coronavirus optimal vorzubeugen.

Doch dann kam der Samstagabend - und die Nachricht, dass Zweitliga-Schlusslicht Dynamo Dresden seine gesamte Mannschaft auf Weisung des Dresdner Gesundheitsamtes in eine 14-tägige Quarantäne schickt, nachdem es bei den engmaschigen Tests im Rahmen der neuen DFL-Politik zu zwei positiven Ergebnissen gekommen war. Aus Sicht von SPD-Politiker Kevin Kühnert zeigen sich nun die Schwächen des gepriesenen Papiers der DFL. "Das Hygienekonzept der DFL wird mir zu sehr in den Himmel gelobt", sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Sozialdemokraten im "Doppelpass" von Sport1.

Kühnert: "Kein Konzept der Welt" kann Infektionen verhindern

Wenn bei Spielern, Trainern oder Betreuern eine Infektion festgestellt werde, "dann ist sie da. Das kann kein Konzept der Welt verhindern", betonte Kühnert, der erhebliche Zweifel am frühzeitigen Neustart der Liga hat, die als erste Spitzenliga Europas am 16. Mai wieder in den Spielbetrieb starten wird - genau wie die nach dem Fall Dresden dezimierte 2. Liga.

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Er "wertschätze, was die Liga auf den Plan gebracht hat", sagte Kühnert. Allerdings habe man in Zeiten der Krise "nicht inne gehalten", sondern sofort nach einem schnellstmöglichen Termin für den Neustart gesucht.

DFL-Chef Christian Seifert hatte am Samstagabend demonstrativ erklärt, der Fall Dresden sei kein Rückschlag für das Hygienekonzept der Liga. Man habe sehr wohl gewusst, dass ein solcher Fall eintreten könne. Schließlich liege die Entscheidungsgewalt bei den lokalen Gesundheitsämtern, nicht bei der DFL. Kühnert dazu: "In der Bundesliga hängt alles davon ab, dass alle spielen. Sonst kann ich keine Saison zu Ende bringen. Ein Verein ist in der Lage, dass der ganze Spielbetrieb eingestellt werden muss."

Kühnert sieht Debatte über Sonderrolle des Profi-Fußballs

Dass der Fußball in der öffentlichen Wahrnehmung "Vorfahrt" vor anderen gesellschaftlichen Bereichen bekommt, kritisiert Kühnert: "Ich finde es schwierig, dass wir Schulkinder haben, die Elternzettel ausgeteilt bekommen, dass sie nach Hause geschickt werden, wenn sie die Regeln nicht einhalten. Diese Kinder sehen jetzt zwei Mal die Woche, wie ihre Lieblinge auf dem Rasen stehen und Zweikämpfe führen und Rudelbildungen entstehen." Das würde "die Debatte befeuern, ob der Fußball Sonderrechte genießt". Diesen Vorwurf hatte es zuletzt nicht zuletzt aus der Sportszene gegeben.

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Zwar gehe es "um wirtschaftliche Aspekte, es geht um das Überleben der Branche", stellte Kühnert fest, der selbst Fan von Zweitliga-Tabellenführer Arminia Bielefeld ist und seit Ende 2019 zum Führungsteam der SPD gehört. Doch der Überlebenskampf allein sei noch kein Blankoscheck: "So geht es vielen Menschen im Land aber gerade auch."