12. Oktober 2021 / 18:52 Uhr

Speedway-Chef der "Wölfe" Wittstock: "Unsere Fans sind unsere Sponsoren"

Speedway-Chef der "Wölfe" Wittstock: "Unsere Fans sind unsere Sponsoren"

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Sportlich fuhren die WIttstocker Speedway-Wölfe in der abgelaufenen Saison oft hinterher – unzufrieden ist man mit dem Rennjahr dennoch nicht.
Sportlich fuhren die WIttstocker Speedway-Wölfe in der abgelaufenen Saison oft hinterher – unzufrieden ist man mit dem Rennjahr dennoch nicht. © Thomas Klemm
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Während der Saison geht es permanent Schlag auf Schlag, für Frank Mauer bleibt wenig Zeit zum Durchatmen. Nun kehrt zwar etwas Ruhe beim Vereinschef des Motorsportclubs "Wölfe" Wittstock ein, doch der 50-Jährige weiß auch: „Nach dem Rennjahr ist vor dem Rennjahr.“ Auf sportlichen Erfolg warteten die Speedway-Asse aus der Dossestadt 2021 vergebens, dennoch fällt das Fazit positiv aus. Über das straffe Programm, den Überraschungsmeister Landshut, die Kaderplanung und die Mitgliederversammlung am Freitag spricht Mauer im Interview mit dem SPORTBUZZER.

Zwölf Rennen, zwölf Niederlagen. Gibt es der zweiten Rennsaison im Nachbarland dennoch etwas Positives abzugewinnen?

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Frank Mauer: Ja natürlich, wir haben aus negativen Dingen auch Positives gewonnen. Wir konnten uns noch vor dem Start von einigen Fahrern trennen, wo wir vielleicht etwas blauäugig waren, wo ich menschlich enttäuscht wurde, ohne Namen nennen zu wollen. Wir haben Ruhe ins Team bekommen und hin und wieder auch gezeigt, dass wir als Einheit auftreten können.

Der MSC „Wölfe“ hatte wegen der Corona-Beschränkungen seine Teilnahme bereits abgesagt, durfte dann aber doch noch nachrücken. Wie glücklich sind Sie im Nachhinein, dass es geklappt hat?

Es war eine Kraftanstrengung, das überhaupt durchzusetzen. Die anderen Vereine in der Liga mussten alle zustimmen, über Wochen war das ein Krampf, dafür mussten wir wirklich kämpfen und auch zittern. Ich bin aber sehr zufrieden, dass uns die Teilnahme ermöglicht wurde, so hat unser Fahrerfeld nicht in der Luft gehangen und es gab Bahnsport in Wittstock zu sehen.

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Hat dieses Hin und Her, diese damals unklare Situation und haben spätere Meinungsverschiedenheiten dem Verein oder ihrer Person geschadet?

Wir wurden schon teilweise durch den Kakao gezogen, sowohl von der polnischen Presse als auch in deutschen Speedway-Foren. Was dort geschrieben wurde, viele Unwahrheiten habe ich gelesen, das geht auf keine Kuhhaut. Es ärgert mich, wenn sich Leute, die nicht im Bilde sind, öffentlich äußern und damit ein schlechtes Bild auf uns werfen. Es gab in diesem Jahr unprofessionelles Verhalten einiger Fahrer – und das funktioniert einfach nicht.


Fast wöchentlich fanden die Rennen statt – sechs auf dem heimischen Heidering, vier in Polen, eines im lettischen Daugavpils und eines im bayrischen Landshut. Das war ein straffes Programm, oder?

Sehr straff, ja – und extrem anstrengend. Weil wir mit Verletzungspech zu kämpfen hatten und die Mannschaft oft umkrempeln mussten. Aber das ist eben der Sport, wir hatten uns das so ausgesucht, mussten das Beste daraus machen und werden auch aus den Fehlern gelernt haben.

In der 2. Liga Polens, also der dritthöchsten Speedway-Liga im Nachbarland, setzte sich am Ende der deutsche Debütant Landshut in einem spannenden Finale gegen Opole durch und startet somit im kommenden Jahr eine Etage höher. War das eine Überraschung?

Schon ein wenig, wobei Landshut um den Aufstieg fahren wollte. Deren Kader war bärenstark, sie haben sich auch von Rennen zu Rennen gesteigert und ich habe dem Vorsitzenden, Gerald Simbeck, persönlich gratuliert. Es zeigt, dass auch in Deutschland guter Bahnsport betrieben wird. Ich möchte aber nicht vergessen, dass wir der Vorreiter waren. Hätte Wittstock nicht den Schritt nach Polen gewagt, wäre Landshut möglicherweise auch noch nicht da.

Die Teufel aus Landshut ganz vorne, die Wittstocker Wölfe ganz hinten. Warum blieb der sportliche Erfolg an der Dosse aus?

Das ist schwer zu sagen. In erster Linie hatten wir vermutlich nicht das Team, welches wir in dem Jahr davor hatten. Möglicherweise fehlten uns auch einfach zwei Top-Scorer. Es war ein Lehrjahr und ich bin überzeugt davon, dass wir es schon bald besser machen werden. Wir haben auch nicht immer die besten Bedingungen vorgefunden und unsere Stamm-Mannschaft wurde, wie gesagt, durcheinander gewürfelt.

Blickt man neidisch Richtung Bayern?

Nein, da bin ich nicht neidisch. Landshut arbeitet einfach professionell, die sind nicht umsonst Deutscher Rekordmeister, haben einen super Vorstand, gute Leute im Verein. Selbiges trifft auch für uns in Wittstock zu, aber von der Professionalität her ist uns Landshut um einiges voraus, was aber auch normal ist, weil es bei uns nur über das Ehrenamt funktioniert und wir für unser Hobby und unsere Leidenschaft brennen. Wenn man so will, ist Landshut der FC Bayern des deutschen Bahnsports und wir waren in dieser Saison eher so wie meine Hertha. (lacht) Wir müssen zusehen, dass wir uns professioneller vermarkten, das wird bei der Vorstandssitzung am Freitag auf alle Fälle ein Thema sein.

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Was stimmt Sie optimistisch, dass es in der Rennsaison 2022 mehr Siege zu bejubeln gibt?

Die Zuschauer sind der springende Punkt, die Unterstützung von den Rängen brauchen wir. Die Fans finden den Weg ins Stadion, wenn wir uns gut verkaufen. Und das ist unser Ziel: Wir werden eine vernünftige Mannschaft zusammenstellen, die wenigstens drei oder vier Siege einfährt. Wir waren ja oft dran, sind nicht so weit weg davon. Im Winter werden wir unsere Bahn so präparieren, dass das Team so früh wie möglich im nächsten Jahr trainieren kann. Außerdem plane ich ein, zwei Vorbereitungsrennen unmittelbar vor dem Saisonauftakt – die hatten wir in diesem Jahr auch nicht. Dann können die Wölfe mit breiter Brust antreten.

Bleiben die „Wölfe“ Ihrer Philosophie, auf deutsche Talente zu setzen, treu oder wird man auf dem Transfermarkt zuschlagen?

Momentan sieht es so aus, dass einige Fahrer parat stehen und auch frei sind. Landshut wird für die neue Liga aufrüsten, da schaue ich natürlich, ob sich etwas anbietet. Celina Liebmann oder Erik Bachhuber sind für die Junioren-Position gute Optionen. Und ich liebäugel aktuell mit dänischen Talenten – da sind tolle Nachwuchsfahrer dabei. Zudem haben Punktegaranten wie Max Dilger oder Matic Ivacic bereits angekündigt, weiter für uns aktiv sein zu wollen.

Das vereinseigene „Race of the Night“, welches traditionell zum Abschluss der Saison auf dem Heidering gefahren wird, hielt in diesem Jahr eine Überraschung bereit. Es wurde erstmals der Einzelmeister der 2. polnischen Liga ermittelt. Glückte die Premiere?

Das war ein super Abschluss, die Resonanz sehr gut – damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet. Nach dem Rennen habe ich die Saison Revue passieren lassen und daran wollen wir im neuen Jahr anknüpfen. Wir brauchen dazu die Fans, denn umso mehr Leute wir ins Stadion bekommen, umso mehr Möglichkeiten haben wir, die Saison in Polen zu finanzieren. Unsere Fans sind unsere Sponsoren.

Am Freitag lädt der Motorsportclub Wittstock zur Mitgliederversammlung samt Vorstandswahlen ins Clubheim auf dem Heidering. Was erhoffen Sie sich für die Zukunft des Vereins und werden Sie weiterhin an der Spitze stehen?

Wir wollen am Freitag eine ordentliche und saubere Versammlung über die Bühne bekommen und einen neuen Vorstand präsentieren, gerne weiterhin mit mir an der Spitze. Ich will die Zukunft des Vereins mitgestalten, wir wollen die Wölfe vorantreiben und uns weiterhin einen Namen machen.