18. März 2020 / 09:31 Uhr

Speerwerfer Thomas Röhler wünscht sich Olympia-Verschiebung: "Kein fairer Vergleich"

Speerwerfer Thomas Röhler wünscht sich Olympia-Verschiebung: "Kein fairer Vergleich"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Speerwerfer Thomas Röhler wünscht sich aufgrund des Coronavirus eine Verschiebung der Olympischen Spiele, verriet er dem SPORTBUZZER.
Speerwerfer Thomas Röhler wünscht sich aufgrund des Coronavirus eine Verschiebung der Olympischen Spiele, verriet er dem SPORTBUZZER. © imago images/Laci Perenyi/Montage RND
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Die Coronavirus-Pandemie legt die Sportwelt derzeit komplett lahm. Auch die Athleten der Olympischen Sportarten leiden darunter. Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler spricht im SPORTBUZZER-Interview über finanzielle Einbußen, die Verschiebung der Spiele und, warum er kein Mitleid mit Fußballern hat.

Nicht nur der Fußball ist massiv von der Coronavirus-Pandemie betroffen. Nachdem die Bundesliga am Montag bekanntgegeben hatte, dass der Spielbetrieb vorerst bis zum 2. April ausgesetzt wird, zog die UEFA am Dienstag nach: Die Europameisterschaft 2020 wurde erst einmal verschoben. Einzig das Internationale Olympische Komitee (IOC) hält an der Austragung der Olympischen Spiele in Tokio fest. Für Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler ein falsches Zeichen. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über finanzielle Herausforderungen für Athleten der Olympischen Sportarten, eine Verschiebung der Spiele - und, warum er die Sorgen um den Fußball nicht erst nehmen kann.

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SPORTBUZZER: Herr Röhler, das Coronavirus hat nicht nur auf die Gesellschaft einen großen Einfluss – auch Sie als Sportler müssen mit den Auswirkungen klarkommen. Wie stellt sich das aktuell dar?

Thomas Röhler: Das erste Mal wirklich betroffen hatte es mich bei der Rückreise aus dem Trainingslager aus der Türkei. Als die Info kam, dass die Türkei die Grenzen dichtmacht, haben wir in einer Nacht- und Nebelaktion die Sachen zusammengepackt und sind am Wochenende abgereist. Die Speerwurf-Sachen haben wir erst einmal zurückgelassen, weil wir nicht wussten, wie sich die Reise gestalten wird.

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Wie sieht Ihr Alltag nun zu Hause aus?

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Der Montag war für mich ein Organisationstag. Ich habe erst einmal einen Großeinkauf gemacht, den ich nach dem Trainingslager ohnehin hätte machen müssen. Jetzt sind noch ein paar Dinge mehr im Korb gelandet, um vorbereitet zu sein. Was den Trainingsalltag angeht, haben wir in unserem Olympiastützpunkt noch die Möglichkeit, dort ein Wurftraining durchzuführen. Ansonsten habe ich Ideen, wie ich mit meinem Trainingspartner zu Hause trainieren könnte. Fakt ist: Die Jugend-Leichtathletik steht still. Das Wichtigste ist, dass wir alle gesund bleiben. Deshalb habe ich Termine abgesagt, die nicht wichtig sind. Die öffentlichen Hinweise werden auch von mir umgesetzt.

Röhler: Haben alle finanzielle Einbußen

Wettkämpfe wurden abgesagt. Das beeinflusst Sie als Sportler auch finanziell, weil Start- und Preisgelder fehlen.

Es ist eine große Folgekette. Wir leben im Ungewissen. Wir als deutsche Athleten werden so schnell nicht in ein anderes Land reisen. Dadurch werden wir alle große finanzielle Einbußen haben. Wir haben keine Anstellungsverträge und sind Freiberufler beziehungsweise Einzelunternehmer. Die Fußballer zum Beispiel sind ja Angestellte.

Laufen Sie Gefahr, finanzielle Probleme zu bekommen?

Wir sind stark beeinflusst, ich bin aber aktuell so aufgestellt, dass ich für Krisensituation gewappnet bin. Klar, es sollte kein Dauerzustand werden. In solchen Lagen ist essenziell, dass ich durch Vorleistungen auch Zahlungen von der deutschen Sporthilfe bekomme – genauso wie andere Sportler. Die Sporthilfe leistet eine Grundsicherung, andere Sportler sind bei Polizei, Zoll und Bundeswehr angestellt oder verbeamtet. Ich gehe nicht davon aus, dass wir vor August wieder Wettkämpfe bestreiten werden.

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Das sind die deutschen Medaillengewinner der Leichtathletik-WM: Unter anderen Christina Schwanitz, Konstanze Klostermann und Malaika Mihambo holten Edelmetall. ©

Ist der Staat nun auch gefordert?

Ich würde es mir wünschen, weil wir als Sportler auch unser Land vertreten. Von uns wird gefordert, dass wir uns professionell weiter auf die Olympischen Spiele vorbereiten. Und spätestens 2021 werden wieder wichtige Wettkämpfe stattfinden. Ich bin gespannt, ob wir Unterstützung bekommen. Es hängen ja auch Vereine dran, damit verbunden auch die Kinder-Leichtathletik. Das gilt aber nicht nur für den Sport. Es gibt genug Künstler, Freiberufler, Unternehmen, denen es aktuell schlecht geht.

Im Fußball sprechen Klubs schon von Existenzen, die auf dem Spiel stehen.

Das amüsiert mich etwas. Der Fußball setzt Unmengen an Geld um – und jetzt sollen die die Ersten sein, die finanzielle Probleme bekommen? Da mussten wir im Trainingslager schon schmunzeln. Dass es den Klubs schlecht geht, weil der Sport eine riesige finanzielle Blase hinter sich herzieht, glaube ich. Aber die Spieler – mit denen wir uns als Sportler eher vergleichen müssen – haben alle genug Geld. Von denen ist, anders als bei uns, niemand in finanzieller Gefahr.

Röhler für Verlegung von Olympia: "Würde mich freuen"

Das IOC beharrt aktuell darauf, die Olympischen Spiele im Sommer auszutragen. Sie persönlich gehen davon aus, dass vor August keine Wettkämpfe stattfinden. Müssen die Spiele abgesagt werden?


Ich sehe es kritisch. In vielen Verbänden wurden die Qualifikationskriterien bereits vereinfacht, weil in der Leichtathletik die wenigsten schon qualifiziert sind. Ich sehe allerdings derzeit keine Grundlage für einen fairen sportlichen Vergleich – und das sollen die Olympischen Spiele sein. Ich kenne viele Sportler, die nicht richtig trainieren können. Wenn das Haus groß genug ist, kann man etwas machen. Aber eine Vorbereitung unter normalen Umständen ist nicht möglich. In manchen Ländern gibt es derweil keine Einschränkungen. Da gibt es einfach unterschiedliche Voraussetzungen. Deshalb würde ich mich über eine Verschiebung der Olympischen Spiele freuen, um die Ausgangslage für alle auf null zu setzen. Ich weiß allerdings auch, was finanziell an den Spielen hängt. Auch emotional wäre es für die Japaner ein herber Schlag.

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Würden Sie - Stand jetzt – an den Olympischen Spielen teilnehmen?

Ich kenne die Gefahrenlage nicht genau, aber ich würde mich nicht in eine gesundheitliche Gefahr begeben. Dafür würde ich mich auch als Athletensprecher einsetzen. Stand heute würde ich nicht nach Asien reisen – das kann ich aber auch ändern.

Welche Rolle kann der Sport nun einnehmen?

Ich sehe den Sport derzeit in der Lage, dass wir die Menschen wieder auf andere Gedanken bringen können, wenn sich die Lage wieder beruhigt. Für viele Menschen ist es ein herber Verlust, dass niemand mehr zum Training gehen darf – oder selbst im Fernsehen kein Sport mehr läuft. Es ist schön zu sehen, dass der Sport einen großen Stellenwert besitzt. Vielen Menschen fehlt jetzt etwas.

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