08. April 2020 / 15:58 Uhr

Strafanzeige: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Wolfsburg-Training

Strafanzeige: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Wolfsburg-Training

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Diese Anzeige gegen den VfL ging bei der Staatsanwaltschaft ein
Diese Anzeige gegen den VfL ging bei der Staatsanwaltschaft ein
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Gegen den VfL Wolfsburg wird wegen des Kleingruppen-Trainings in der VW-Arena ermittelt. Grund ist eine anonyme Anzeige, die bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig einging.

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Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt wegen der Aufnahme des Kleingruppentrainings gegen den Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg. Anlass der Ermittlung ist eine anonyme Strafanzeige, die bei der Staatsanwaltschaft am 3. April einging. "Gegenstand der Strafanzeige sind angebliche Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz durch die Trainingsaufnahme der VfL-Profis trotz der bestehenden Corona-Schutzmaßnahmen", bestätigt Hans Christian Wolters, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft.

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Namentlich richtet sich die Anzeige, die dem SPORTBUZZER vorliegt, gegen die "VfL Wolfsburg Fußball GmbH, vertreten durch GF Jörg Schmadtke". Auf neun Punkte aufgeteilt - und in einem zwei Tage später datierten Schreiben um fünf Punkte erweitert -, erläutert der Anzeigensteller seine Sicht des Sachverhalts. Das vom VfL in Kleingruppen abgehaltene Training in der VW-Arena, verstoße gegen die geltenden Regelungen, weil "unter anderem der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann", zudem sei es fraglich, "ob es sich hier überhaupt um eine Ausübung einer beruflichen Tätigkeit handelt, da der Spielbetrieb nach Vorgabe der lizenzgebenden Organisation DFL [...] zunächst bis zum 30. April ausgesetzt wurde". Das "reine fit halten", so heißt es weiter, sei "allein dem persönlichen Lebensbereich des Spielers zuzuordnen".

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Koordinationstraining im Kraftraum: John-Anthony Brooks. Zur Galerie
Koordinationstraining im Kraftraum: John-Anthony Brooks. ©

Der Absender der Anzeige gehört nach eigenen Angaben "der definierten Altersgruppe" an, "die als besonders schutzbedürftig eingestuft wird" und begründet so sein Vorgehen. Er bezieht sich vor allem auf die Paragrafen zwei und drei der "Niedersächsischen Verordnung über die Beschränkung sozialer Kontakte zur Eindämmung der Corona-Pandemie", in denen unter anderem die Ausübung beruflicher Tätigkeit erlaubt wird - wenn ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird.

Dass die Staatsanwaltschaft, die den Vorgang unter dem Aktenzeichen 123Js19987/20 führt, Ermittlungen einleitet, sei "kein Indiz für einen tatsächlichen Gesetzesverstoß. Vielmehr ist die Staatsanwaltschaft von Gesetzes wegen verpflichtet, ungeachtet der Werthaltigkeit eingehender Strafanzeigen in jedem Fall förmliche Ermittlungsverfahren einzuleiten", betont Wolters. Heißt: Es ist noch gar nicht klar, wie intensiv die Staatsanwaltschaft der Sache überhaupt nachgeht. Wolters: "Dies wird im Wesentlichen davon abhängen, ob der in der Strafanzeige geschilderte Sachverhalt zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten liefert." Falls nicht, würden "Ermittlungen im eigentlichen Sinne nicht geführt werden".

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VfL-Profis im Supermarkt: Renato Steffen und Xaver Schlager Zur Galerie
VfL-Profis im Supermarkt: Renato Steffen und Xaver Schlager ©

Anhaltspunkte für strafbares Verhalten liefert der VfL nach eigener Einschätzung nicht. Geschäftsführer Schmadtke will sich zu der Strafanzeige zwar nicht äußern ("Uns ist von diesem Vorgang nichts bekannt"), hatte aber in der vergangenen Woche betont, "dass wir uns an alle behördlichen Maßnahmen hier vor Ort halten".

Der VfL trainiert seit dem 23. März wieder mit dem kompletten Kader – in Kleingruppen, die sich zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten in der VW-Arena (und seit Montag phasenweise auch auf dem Platz) bewegen. Unter ähnlichen Bedingungen halten mittlerweile viele Klubs der 1. und 2. Liga ihre Übungseinheiten ab. Sollte die Strafanzeige wider Erwarten Erfolg haben, hätte das entsprechende Auswirkungen auf alle Klubs. Nach SPORTBUZZER-Informationen ging zudem eine ähnlich formulierte Anzeige des selben Absenders auch bei der Staatsanwaltschaft Hannover ein und bezieht sich auf das 96-Training.

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In Wolfsburg achten die Spieler dabei penibel auf die Vorgaben, wie etwa Mittelfeld-Akteur Xaver Schlager berichtet: "Man geht zum Training in seiner Gruppe, trifft sich mit diesen Spielern. Man sieht dabei nicht viele andere, nur Trainer und Physios, die zugeteilt sind." Zudem tragen alle Akteure dabei Handschuhe. Schlager: "Man greift sich ja immer mal schnell mit der Hand durchs Gesicht. So schützt man sich und auch die anderen, weil jeder irgendwelche Sachen berührt", so Schlager, "das ist eine weitere Maßnahme, die helfen soll.“