02. Februar 2021 / 19:13 Uhr

Spiel-Absage wegen Corona-Fällen: Darum läuft's bei den Grizzlys anders als beim VfL

Spiel-Absage wegen Corona-Fällen: Darum läuft's bei den Grizzlys anders als beim VfL

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung

DEL, Eishockey, Gruppe Nord, Grizzlys Wolfsburg - Eisbären Berlin, 31.01.2021,
Große Nähe auf der Bank: Mit ein Grund dafür, warum die Grizzlys Wolfsburg vorsichtshalber in Quarantäne gehen, wie Sozialdezernentin Monika Müller erläutert. © Boris Baschin
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Zweiter Corona-Fall in kurzer Zeit bei Eishockey-Erstligist Grizzlys Wolfsburg. Diesmal geht das komplette Team in häusliche Quarantäne. Was Kapitän Sebastian Furchner und Trainer Pat Cortina sagen, warum es anders läuft als bei den Wolfsburger Fußball-Profis und wie es für die Grizzlys weitergeht, haben wir zusammengefasst.

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Zweiter positiver Corona-Fall bei den Grizzlys Wolfsburg binnen weniger Tage, diesmal zogen Gesundheitsamt und DEL-Klub die Notbremse. Nachdem am Montag Abend Verteidiger Armin Wurm positiv auf das Virus getestet worden war, wurde die für Dienstag angesetzte Partie in Köln am Spieltag abgesagt. Das Eishockey-Team ist erst einmal bis Freitag in häuslicher Quarantäne, mindestens ein weiteres Spiel wird verlegt.

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Bei den Grizzlys läuft es damit anders als bei den Fußball-Profis des VfL Wolfsburg, die schon neun Fälle hatten – und den Spielbetrieb fortsetzen. Wolfsburgs Sozialdezernentin Monika Müller begründet: „Im Profisport gilt ebenso wie in anderen Lebens- und Arbeitsbereichen, dass alle ermittelten Kontaktpersonen der ersten Kategorie in Quarantäne müssen. Die Kontaktpersonenermittlung bei der Grizzlys und der Austausch mit der ärztlichen Betreuung der Grizzlys haben dazu geführt, vorläufig für die gesamte Mannschaft entsprechend eine Quarantäne zu verfügen.

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Großer Unterschied zum Fußball: „Eishockey ist als Hallensport bei niedrigen Temperaturen grundsätzlich infektionsträchtiger als Freiluftsportarten und führt gelegentlich zu näheren Kontakten – nicht zwingend Körperkontakt, aber auch längere räumliche Nähe kann genügen, da Aerosole im Raum schweben – auch während des Trainings“, so Müller. „Daher ist es, auch in Abstimmung mit den Grizzlys, sinnvoll, vorsorglich alle Trainings- beziehungsweise Spielteilnehmenden entsprechend in Quarantäne zu schicken.“

Klub und Gesundheitsamt stehen stets in engem Kontakt, nach der positiven Testung von Valentin Busch am vergangenen Donnerstag wurde die Freitag-Partie in Köln noch ausgetragen, nachdem alle Teamkollegen negativ getestet worden waren. Deren Tests fielen jetzt zwar laut Grizzlys allesamt erneut negativ aus, dennoch wurde nun anders gehandelt. „Wir hoffen jetzt natürlich, dass kein weiterer Spieler infiziert ist. Die Quarantäne ist eine präventive Maßnahme. Die Tests sind stets nur eine Momentaufnahme, da man auch bei einem negativen Test schon krank sein kann. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel fünf bis sieben Tage“, erläuterte Teamarzt Dr. Axel Gänsslen. „Wir wollen ein Höchstmaß an Sicherheit, um Risiken für unsere Mannschaft und den Gegner so gering wie möglich zu halten.“


Selbst wenn die Liga-Regularien die Möglichkeit gäben, mit den negativ getesteten Spielern anzutreten, so war das diesmal offenbar weder für das Gesundheitsamt noch für den Klub eine Option. „Natürlich befürworten und akzeptieren wir die Entscheidung des Gesundheitsamtes, die in enger Abstimmung mit unseren Ärzten getroffen wurde und sehen es als positives Zeichen, dass alle anderen Tests negativ ausgefallen sind“, so Manager Charly Fliegauf. „Wir sind uns unserer Verantwortung aber klar bewusst und handeln gemeinsam präventiv – zum Schutz und zur Vorsorge aller Beteiligten. Gänsslen, auch Klub-Hygienebeauftragter, fügt hinzu: „Was wäre, wenn bei uns noch weitere Spieler schon infiziert wären, was wäre, wenn nach dem Spiel gegen uns plötzlich Köln-Spieler positiv getestet würden? Das wäre nichts, was irgendwer will.“ Die Wolfsburger Spieler werden nun täglich getestet, bleiben alle negativ, können sie am Samstag das Training wieder aufnehmen.

Kapitän Sebastian Furchner begrüßte die Entscheidung: „Ich bin froh, dass so eine konsequente Entscheidung getroffen wurde. Wir haben immer gesagt, dass wir die Saison spielen wollen, aber das die Gesundheit über allem steht.“ Coach Pat Cortina sagte: „Ich hoffe, alle anderen bleiben gesund. Die Situation müssen wir nehmen, wir haben immer gesagt, dass so etwas passieren könnte, und dass wir dann damit umgehen werden. und das tun wir. Die Gesundheit ist das Wichtigste.“

Gänsslens Credo ist: „Im Umgang mit Corona sollte man ein Höchstmaß an Sensibilität walten lassen!“ Der Mediziner ist Facharzt im Klinikum Wolfsburg hat die Corona-Regeln und Hygienemaßnahmen des Klubs für Training und Spielbetrieb maßgeblich mitgestaltet. Was Covid-19 angeht, steht er für eine, wie er selbst sagt „ aggressiv-restriktive“ Haltung. „Das Virus ist gefährlich“, hatte er bei den Informationen an die Grizzlys-Profis bereits im Spätsommer erklärt. Der Mediziner hat führend eine App zur Bewertung und Diagnose von Gehirnerschütterungen mit entwickelt und nach der Covid-Infektion von Grizzlys-Profi Janik Möser die Return-to-Play-Richtlinien für die DEL im Hinblick auf die Pandemie überarbeitet. Bei Möser war, höchstwahrscheinlich als Folge der Infektion, eine Herzmuskelentzündung aufgetreten, die, wenn sie nicht rechtzeitig entdeckt wird, schlimmste Folgen haben kann.

Verlegungen und Termine, straffes Programm

Wenn die Grizzlys wie erhofft am Samstag wieder das Training aufnehmen können, müssen keine weiteren Partien verlegt werden, es wartet dann aber ein strammes Programm. Die Partie gegen Bremerhaven wurde vom kommenden Sonntag auf Montag (19.30 Uhr) verschoben, am Mittwoch kommt dann die Düsseldorfer EG, am Sonntag darauf geht es nach Krefeld, am Dienstag 16. Februar, nach Düsseldorf und am Donnerstag, 18. Februar, daheim gegen Iserlohn - das sind fünf Partien binnen elf Tagen. Damit werden die Grizzlys umgehen müssen und sie wollen es. Kapitän Furchner: "Als Eishockeyspieler sind wir kämpfen gewohnt." Und: wenn es nicht zu diesem engen Plan käme, wäre das negativ. Denn dann gäbe es neue Covid-Fälle. Und das wollen die Grizzlys eben vermeiden. Die am Dienstag abgesetzte Partie in Köln wird nun am 17. März nachgeholt. Von diesem Termin war gerade erst das am 10. Februar eingeschobene Spiel gegen die DEG herunter genommen worden. Die ausfallende Länderspielpause hatte das möglich gemacht.