08. Dezember 2014 / 14:53 Uhr

Spielabbrüche in der Saison: Wenn die Nerven durchgehen

Spielabbrüche in der Saison: Wenn die Nerven durchgehen

Paul Berten und Jan Szyszka
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Rudelbildung in Badenstedt: Auch dieses Spiel wurde nicht mehr fortgesetzt.
Rudelbildung in Badenstedt: Auch dieses Spiel wurde nicht mehr fortgesetzt. © Sasche Priesemann (Archiv)
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Der Eklat beim C-Juniorenspiel zwischen Arminia Hannover III und dem Mühlenberger SV schockiert die Fußball-Szene in der Region. Doch leider ist dieser Abbruch kein Einzelfall. Allein in dieser Saison wurden schon zahlreiche Spiele abgebrochen.

Es ist eine traurige Bilanz: Weit mehr als ein dutzend Spiele wurden in der Saison 2014/15 in Hannover-Stadt und Hannover-Land abgebrochen. Glücklicherweise waren die Auswüchse dabei nicht so dramatisch, wie beim jüngsten Fall im Juniorenfußball zwischen den C-Junioren von Arminia Hannover III und dem Mühlenberger SV.

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Wir haben für Euch eine Chronik der Spielabbrüche zusammengestellt. Die Fälle sind dabei oft unterschiedlich: Von Mannschaften, die sich ungerecht behandelt fühlen und deswegen vom Platz gehen - über Ausschreitungen neben dem Spielfeld  - bis hin zu Schiedsrichtern, die aggressiv angegegangen wurden.

10. August, Kreisliga 3:

Es ist der erste Spieltag und der TuS Seelze ist zu Gast beim SG Bredenbeck. Der Schiedsrichter hat viel zu tun, er verteilt insgesamt vier rote Karten, davon allein drei an Seelze (65., 67., 92. Minute). Die letzte ist offenbar eine zuviel - denn die Mannschaft des TuS verlässt geschlossen aus Protest den Platz. Der Spielstand zu diesem Zeitpunkt: 1:0 für Bredenbeck.

Während die Seelzer sich benachteiligt fühlen - es hilft sicher nicht, dass der Schiedsrichter ein alter Bekannter ist - kann der SG den Abbruch nicht verstehen. „Aus meiner Sicht waren alle Entscheidungen des Unparteiischen korrekt“, sagte Bredenbecks Vorsitzender Reinhard Wiens. Der NFV gab ihm mittlerweile Recht und wertete das Spiel mit 5:0 für den SG.

17. August, 4. Kreisklasse 1:


Eine Woche später in der vierten Kreisklasse, TUS Röddensen III empfängt SG Kirchwehren/Lathwehren II. Die dritte Mannschaft Röddensens hat eine besondere Geschichte. Es handelt sich um ein Team, welches weitgehend aus Asylbewerbern besteht - ein einmaliges Integrationsprojekt in Norddeutschland. Doch obgleich der NFV das Projekt unterstützt, waren zum Anpfiff noch nicht genug Spieler vom Verband freigegeben - die zweite Mannschaft Röddensens sprang ein.

Und die Röddenser hatten im Spiel gegen Kirchwehren/Lathwehren einen besonderen Vorteil: Das Team kannte den Schiedsrichter. Man hielt sich bewusst zurück, während es für die Gäste Karten hagelte. Um die fragwürdigen Entscheidungen des Schiedsrichters auszugleichen, verschossen die Teams absichtlich Elfmeter und warfen Einwürfe gezielt zum Gegner. Irgendwann reichte es den Gästen, sie verließen geschlossen den Platz um keinen Platzverweis zu riskieren.

Das verrückte Spiel fand einen doppelt versöhnlichen Ausgang. Nach dem Abbruch kickten Kirchwehren/Lathwehren und die Mandela-Team getaufte Mannschaft von TUS Röddensen III ein Freundschaftsspiel aus - ganz ohne Schiedsrichter. Und zudem war zufällig der Vorsitzende des NFV-Kreises Hannover/Land, Fritz Redeker, vor Ort. Seiner Fürsprache war es zu verdanken, dass das Spiel schnell, unkompliziert und mit Zustimmung beider Mannschaften neu angesetzt werden konnte.

27. August, Kreispokal:

In der zweiten Runde des Kreispokals Hannover/Land reiste der TSV Schulenburg Leine zum SC Alferde. Zur Halbzeit steht es noch 1:1, beide Tore erzielte der Gastgeber, wenn auch eines ins eigene Tor. In der 70. Minute gibt es einen Foulelfmeter für Alferde - es wird der Führungstreffer. Als der Schiedsrichter kurz vor Schluss dem SC einen weiteren Strafstoß zuspricht, gehen die TSV-Spieler aus Protest gegen die Schiedsrichterleistung geschlossen vom Platz.

"Das war definitiv eine sonderbare Spielleitung. Ich kann die Reaktion meiner Mitspieler daher zwar irgendwo nachvollziehen, richtig finde ich sie aber nicht", betonte Schulenburgs Pressewart Ulrich Bock. "Im Nachhinein wäre es sicher souveräner gewesen, einfach darüber zu lachen." Auch dieses Spiel wertete der NFV mit 5:0 für den Gegner - die konsequent in der dritten Runde ausschieden und dabei sogar noch zwei Spieler mit Verletzungen verloren.

31. August, Kreisliga 3:

Und schon wieder die Kreisliga Hannover/Land Staffel 3. Der TuS Harenberg ist zu Gast beim SC Hemmingen-Westerfeld. Das Heimteam lag zunächst zurück, drehte aber bis zur 70. Minute das Spiel. Die Partie wurde in der Folge immer emotionaler und die Entscheidungen der Schiedsrichterin wurden zunehmend kommentiert.

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Die Schlüsselszene ereignete sich in der 85. Minute. Der Hemminger Torwart Alexander Thomsen regte sich lautstark auf und sein Bekannter Lewis Asamoah wollte ihn beruhigen, berührte sein Gesicht. Leider spielt Asamoah für die Gegenseite und die Schiedsrichterin sah eine Tätlichkeit. Auf die rote Karte für Asamoah folgte eine Rudelbildung, eine weitere Rote für Harenberg und schließlich der Spielabbruch. Da Harenberg für die Rudelbildung verantwortlich war, wurde das Spiel mittlerweile mit 5:0 für Hemmingen gewertet. Und Asamoah? Der bleibt für insgesamt fünf Spiele gesperrt!

7. September, 4. Kreisklasse 4:

Beim Spiel zwischen dem TSV Ingeln-Oesselse II und TuS Röddensen sind sich die beteiligten Seiten sich noch nicht ganz einig, ob es überhaupt einen Spielabbruch gab. Der TuS meldete einen von ihrer Seite provozierten Abbruch, sowohl der Gegner als auch der Schiedsrichter meldeten jedoch ein regulär abgepfiffenes Spiel - beim Stand von 4:3 für Ingeln-Oesselse.

TuS-Trainer Jörg Hengstmann spekuliert auf eine Neuansetzung: "In Röddensen hatten wir den Fall, dass der Gegner Kirchwehren wegen der Schiedsrichterleistung auch vom Platz gegangen war und dieses Spiel wurde auch neu angesetzt." Er befeuert damit die Angst des NFV, dass der Spielabbruch zum Trend werden könnte. Eine konkrete Entscheidung zur Partie ist bislang noch nicht gefallen.

*14. September, Landesliga:


Ausgerechnet das Landesliga-Spitzenspiel zwischen dem Tabellenführer vom OSV Hannover und Verfolger Heeßeer SV endete in der Nachspielzeit in einem Eklat. Der OSV hattegerade durch Betrim Shabani das 4:3 erzielt, da sorgte eine unbedachte Aktion für tumultartige Szenen. Beim Torjubel der Hannoveraner direkt vor der Gäste-Bank fühlte sich Heeßels Torwart Benjamin Brosche offenbar so provoziert, dass er Athiwat Khambor ein Bein stellte. Kambors Teamkollege schubste den Ersatzkeeper dann gegen die Auswechselbank, sodass dieser sich schwer am Handgelenk verletzte.

In der Folge kam es zu einer Rudelbildung, die OSV Jugendtrainer Andreas Ott als sehr unübersichtlich beschrieb: „Es waren bis zu 30 Leute beteiligt“,. Sogar eine Flasche flog auf das Spielfeld. Weil dabei gegen die Heeßeler Drohungen ausgesprochen wurden, wie HSV-Trainer Niklas Mohs berichtete, weigerte sich dessen Team weiterzuspielen. Der Schiedsrichter brach die Partei daraufhin ab.

14. September, 4. Kreisklasse 2:

Im Duell mit SV Steinkrug verließ die zweite Mannschaft des FC Rethen zehn Minuten vor dem Ende geschlossen den Platz. Eine aus ihrer sich indiskutable Schiedsrichter-Leistung hatte die FC-Reserve auf die Palme getrieben. Höhepunkt soll eine Tätlichkeit gewesen sein, die der Schiedsrichter nur mit einer gelben Karte ahndete.

21. September, Kreisliga Hannover:

Es ist die 92. Minute, die Emotionen im Spiel TSV Bemerode gegen SV Ahlem haben sich hochgeschaukelt. Ahlemer Spieler fühlen sich von den Bemerodern provoziert, vom Schiedsrichter benachteiligt. Als ein Ahlemer Spieler nach einer vermeintlichen Notbremse die rote Karte bekommt, redet ein Mitspieler heftig auf den Schiedsrichter ein, berührt ihn an Brust und Arm (wie auf diesen Fotos zu sehen ist) - wie heftig, darüber gibt es unterschiedliche Darstellungen. Der Schiedsrichter bricht das Spiel ab.

1. Oktober, Kreispokal Hannover-Land

Das Achtelfinale im Kreispokal zwischen dem MTV Immensen und SuS Sehnde wird nach dem Pause nicht wieder angepfiffen. Der Grund ist diesmal eher hanebüchen: Das Flutlicht in Immensen ist kaputt. Das Wiederholungsspiel - in Sehnde, weil das Flutlicht in Immensen weiter nicht funktioniert - gewinnt der SuS Sehnde.

26. Oktober, Kreisklasse Hannover

Gleich drei Spiele der Kreisklasse in der Stadt vorzeitig beendet.  In der 4. Kreisklasse 1 eskaliert die Partie zwischen dem TV Badenstedt und dem TSV Kirchrode II. Beide Seiten spielten übermäßig hart, provozierten sich ständig. Das Ergebnis: Eine Kopfnuss, ein Faustschlag ins Gesicht, eine aufgeplatzte Lippe – Spielabbruch in der 60. Minute. Unser Fotograf hat die entscheidende Szene im Bild festgehalten. Hier findet Ihr den Bericht mit Fotostrecke.

In der 3. Kreisklasse verließen die Spieler vom FC Bennigsen II beim MTV Lemmie den Platz, nachdem der Trainer nach eigener Aussage vom Schiedsrichter beleidigt worden sei. „Halt die Fresse da draußen!“, soll der Unparteiische gerufen haben. Vertreter beider Teams sehen das ganz unterschiedlich. Hier der Bericht mit Fotostrecke.

Und beim Badenstedter SC, souveräner Tabellenführer der 2. Kreisklasse, gegen Can Mozaik II merkten beide Mannschaften zunächst gar nicht, dass das Spiel abgebrochen worden war. Als in der Schlussminute das 1:0 für den BSC fiel, fühlte sich der Schiedsrichter von der anschließenden Rudelbildung bedroht und brach ab – die Teams hielten es für einen regulären Schlusspfiff. Hier der Bericht.

16. November, Bezirksliga 2

Im Bezirksliga-Spiel zwischen Damla Genc und dem TSV Krähenwinkel/Kaltenweide eskaliert die Lage in der 65. Minute: Nach einem Platzverweis für einen Damla-Spieler folgt eine Rudelbildung, in dessen Folge ein Damla-Akteur den Schiedsrichter attackiert haben soll. In der Folge griff der Klub durch: Trainer Niyazi Sarier warf mehrere Spieler aus dem Kader. Wenig später zog der Coach selbst einen Schlusstrich - und trat zurück.

6. Dezember, C-Junioren, 1. KK 2, Hannover-Stadt

Beim C-Jugend-Spiel zwischen Arminia Hannover III und dem Mühlenberger SV eskaliert die Situation. Ein 18-jähriger Schiedsrichter wird zusammengeschlagen. Spieler sollen zugetreten haben. Nun ermittelt die Polizei. (mehr zu dem Eklat im Jugendfußball und die Folgen für die Junioren des Mühlenberger SV gibt es hier)