24. Februar 2020 / 15:22 Uhr

Spielabsagen in Italien: So beeinflusst das Coronavirus den Sport - Olympia-Absage kein Thema

Spielabsagen in Italien: So beeinflusst das Coronavirus den Sport - Olympia-Absage kein Thema

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Gefahr, die vom Coronavirus ausgeht, könnte auch Einfluss auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio nehmen.
Die Gefahr, die vom Coronavirus ausgeht, könnte auch Einfluss auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio nehmen. © imago images/ZUMA Press/Montage
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In Italien wurden Spiele der Serie A bereits abgesagt, am kommenden Wochenende könnte der ganze Spieltag ausfallen. Auch auf die Europa League droht der Coronavirus Einfluss zu nehmen. Immer häufiger bekommt der Sport durch die Lungenkrankheit Probleme, Absagen sind Standard. Und was ist mit den Olympischen Spielen? Ein Virologe warnt.

Dass Spiele in den wichtigsten europäischen Fußball-Wettbewerben abgesagt werden, kommt in der Regel nur äußerst selten vor. Zu eng sind die Spiele getaktet, zu wenig Ausweichmöglichkeiten gibt es im engen Kalender mit Liga- und Europapokalspielen, zu viele verschiedene Interessen herrschen vor. Doch die globale Bedrohungslage durch den Coronavirus, an dem inzwischen weltweit über 2500 Menschen gestorben sind, erfordert vor allem in Italien derzeit genau solche Maßnahmen. Vier Spiele in der Serie A fielen am vergangenen Wochenende aus, für den nächsten Spieltag gibt es bereits erste Absagen.

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„Wir denken derzeit darüber nach, alle Spiele auszusetzen“, sagte Italiens Regierungschef Giuseppe Conte sogar. Auch in der Europa League am Donnerstag könnten ungewöhnliche Maßnahmen beim Spiel von Inter Mailand gegen Ludogrets Razgrad ergriffen werden. Derzeit wird darüber diskutiert, das Spiel ohne Zuschauer auszutragen – zu groß sei die Gefahr, dass sich Zuschauer gegenseitig mit dem Coronavirus anstecken könnten.

Ein Modell mit Zukunft? Wenn es nach der italienischen Liga geht, dann schon. „Alle Sportarten für die nächste Woche hinter verschlossenen Türen zu spielen, wäre denkbar, damit die Fans zu Hause bleiben können“, sagte Maurizio Casasco, der Präsident des italienischen Verbandes der Sportärzte. „Aber die Vereine müssen sich einig sein. „In Italien gibt es mehr als Fußball. Das Thema betrifft alle Sportarten.“

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Coronavirus sorgt für viele Absagen im Sport

Es sind die in Europa gravierendsten Eingriffe in den Sportalltag durch den Coronavirus, doch seit Ausbruch der Epidemie wird die gesamte Sportwelt in Atem gehalten. Zahlreiche Veranstaltungen – vor allem in Asien - wurden bereits absagt. Die Hallen-Weltmeisterschaft der Leichtathleten, die Mitte März im chinesischen Nanjing stattfinden sollte, wurde um ein Jahr verschoben. Das Formel-1-Rennen in Shangai fällt vorerst aus. Der Saisonstart der chinesischen und südkoreanischen Fußball-Ligen wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Weltcups der Biathleten und alpinen Skiläufer in China wurden gestrichen, Golfturniere gecancelt, Olympia-Qualifikationsturniere im Frauen-Fußball und Basketball in andere Länder verlegt – genauso wie die WM im modernen Fünfkampf.

Die chinesischen Handballerinnen verzichten sogar gänzlich auf ihre Chance, sich in solch einem Turnier für Olympia zu qualifizieren. Aus Angst vor Infektionen setzt die chinesische Anti-Doping-Agentur derzeit Test komplett aus. Über die Absage der Olympischen Spiele in Tokio (24. Juli bis 9. August) wird immer wieder diskutiert – vor allem nachdem der Tokio-Marathon für 38.000 Hobbyläufer abgesagt wurde. Nur die Profis dürfen am kommenden Wochenende auf die Strecke.

Virologe deutlich: "Schwierig, die Olympischen Spiele abzuhalten"

Ausgerechnet in der Stadt, wo in sechs Monaten das größte Sportfest der Welt mit Tausenden Sportlern und zahlreichen Zuschauern stattfinden soll, fällt also einer der wichtigsten Marathonläufe des Jahres aus. Für den Virologe Hitoshi Oshitani von der Tohoku-Universität im japanischen Sendai Grund genug, Alarm zu schlagen. „Im Moment wäre es schwierig, die Olympischen Spiele abzuhalten“, sagte er in der vergangenen Woche in einem Vortrag. „Wir müssen den besten Weg finden, um sichere Olympische Spiele zu veranstalten. Im Moment haben wir keine effektive Strategie.“ Schließlich hat Japan nach China die zweitmeisten am Covid-19-Virus Infizierten – was allerdings auch allein an 600 Personen auf einem Kreuzfahrtschiff lag, das in Japan in Quarantäne lag. So dachten die Veranstalter bisher aber nicht an eine Absage.


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„Da jede Menge unverantwortlicher Gerüchte im Umlauf sind, will ich noch einmal klarstellen, dass wir eine Verschiebung oder Absage nicht in Erwägung ziehen", sagte der Chef des japanischen Olympia-Komitees, Yoshiro Mori, erst kürzlich. Und auch Shinzo Abe, Premierminister Japans, verlässt sich auf die Veranstalter und die Weltgesundheitsorganisation WHO: „Wir werden eng mit der WHO zusammenarbeiten, um negative Auswirkungen in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele und der Paralympics zu vermeiden.“

Für den deutschen Speerwerfer, der in Tokio Titelverteidiger sein wird, hat das Coronavirus noch keine großen Einflüsse. "Im Moment gehe ich davon aus, dass das Virus für gesunde Menschen wie für uns Sportler nicht gefährlich wird. In meiner Saisonplanung muss ich ähnlich wie beim Zika-Virus 2016 flexibel bleiben", sagte er. Seine Reisen muss er allerdings auf die neue Lugenkrankheit anpassen. "Ich habe noch keine Flüge fest gebucht. Für Mai hatte ich eine Tokio-Reise geplant, um die Bedingungen vor Ort anzuschauen. Nun muss ich abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Ich hoffe, dass Olympia nicht verlegt wird. Wenn es so wäre, müssten wir es akzeptieren und das Beste draus machen."

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Organisatoren gegen eine Olympia-Absage

Auf die WHO, die von einer Abschwächung der neuen Virusinfektionen ab April ausgeht, verlässt sich auch das Internationale Olympische Komitee. „Der Ratschlag, den wir von der Weltgesundheitsorganisation erhalten haben, besagt, dass es keinen Grund für einen Notfallplan bezüglich einer Absage oder Verlegung der Spiele gibt", erklärte John Coates, Präsident der IOC-Koordinierungskommission. Dennoch wurde erst am Wochenende eine Schulung für die freiwilligen Olympia-Helfer verschoben. Dies soll aber keinen Einfluss auf die Vorbereitungen haben, teilte das Organisationskomitee mit. "Die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 werden wie geplant fortgesetzt. Gegenmaßnahmen gegen Infektionskrankheiten sind ein wichtiger Bestandteil der Pläne von Tokio 2020, sichere Spiele auszurichten", teilte das IOC am Montag mit.

Allerdings haben die Organisatoren inzwischen ein Krisenkontrollzentrum eingerichtet, dass sich um die Sicherheit der Sportveranstaltungen kümmern soll. 19 Testevents für die Olympischen Spiele sollen im kommenden Monat eigentlich stattfinden. Sie stehen nun unter besonderer Beobachtung – und weitere Absagen könnten die Olympia-Organisatoren weiter unter Druck setzen.