11. Juli 2021 / 20:12 Uhr

Spielausschuss-Chef erklärt: Erst bei 50 Prozent der Spiele wird die Saison gewertet

Spielausschuss-Chef erklärt: Erst bei 50 Prozent der Spiele wird die Saison gewertet

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
FLB-Spielausschuss-Vorsitzender Wilfried Riemer (links) mit Hermann Winkler, dem Präsidenten des NOFV.
FLB-Spielausschuss-Vorsitzender Wilfried Riemer (links) mit Hermann Winkler, dem Präsidenten des NOFV. © imago images/Matthias Koch
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Fußball-Landesverband Brandenburg: Wilfried Riemer erklärt, warum der FLB den Paragrafen 29 der Spielordnung angepasst hat und welche Varianten vor dem Saisonstart diskutiert wurden.

Der Spielausschuss habe gute Arbeit geleistet, betonte Wilfried Riemer in der vergangenen Woche am Rande der ersten Landespokal-Auslosung dieser Saison. Der Vorsitzende des Gremiums im Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) verwies darauf, dass ein Großteil der Weichen für die Spielzeit 2021/22 bereits gestellt seien. Rahmenterminplan, Wettspielanweisungen, Spielpläne. Was kann die in den Startlöchern stehende Fußballsaison in Brandenburg da eigentlich noch aufhalten? „Wenn uns die Pandemie nicht dazwischen kommt, können wir normal starten“, sagt Riemer.

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Auszuschließen sei das freilich nicht, das weiß auch der Funktionär aus Finowfurt (Barnim), der neben seiner Aufgabe beim FLB auch Spielleiter der Regionalliga Nordost ist und von 2014 bis 2018 Vorsitzender des Fußballkreises Oberhavel/Barnim war. „Ich bin kein Hellseher“, sagt er. In einigen europäischen Ländern steigen die Corona-Inzidenzen wieder an, in Deutschland ist die Delta-Variante auf dem Vormarsch. Um die Austragung aller Spiele zu gewährleisten, hat beispielsweise der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV), bei dem Riemer ebenfalls im Spielausschuss sitzt, beschlossen, die 17 Mannschaften starke Regionalliga der Frauen nur in einer einfachen Runde auszuspielen.

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Auch für die Spielklassen auf Landesebene seien solche Varianten diskutiert worden, berichtet der 66-Jährige. „Wir haben im Spielausschuss verschiedene Szenarien durchgesprochen“, sagt Riemer. Darunter sei auch die Option einer einfachen Spielrunde – also je einmal jeder gegen jeden – gewesen. „Eine andere Idee war, die Staffeln noch einmal zu teilen.“ Am Ende habe man sich gegen diese Vorschläge und für den gewohnten Saisonablauf mit Hin- und Rückrunde entschieden. „Weil wir überschaubare Staffelgrößen haben“, erklärt Wilfried Riemer.

Eine Anpassung, die durchaus als Reaktion auf die im Frühjahr abermals abgebrochene Serie zu werten ist, gibt es im Brandenburger Fußball aber doch. „Am 21. Juni hat der FLB auf einer Vorstandssitzung eine angepasste Spielordnung verabschiedet“, so der Barnimer. Mit einer wichtigen Änderung in Absatz zwei des Paragrafen 29, der die Spielwertung regelt. Hier wird nun explizit auch die Möglichkeit eines Saisonabbruchs genannt. Riemer erläutert: „Haben bei einem Saisonabbruch 75 Prozent der Mannschaften einer Spielklasse mindestens die Hälfte der Spiele absolviert, wird die Saison gewertet.“ So schaffe der Verband rechtliche Klarheit. „Es gibt kein Rätselraten mehr.“ Die Tabelle würde dann nach der bekannten Quotientenregelung – also die Anzahl der Punkte dividiert durch die Anzahl der Spiele – festgestellt werden. Haben alle Teams einer Staffel die gleiche Anzahl von Spielen, kommt die Quotientenregelung nicht zur Anwendung. Und haben mehr als ein Viertel aller Teams in einer Spielklasse weniger als die erforderlichen 50 Prozent der zu Saisonbeginn geplanten Spiele bestritten, erfolgt keine Wertung – auch Auf- und Abstieg werden dann ausgesetzt. „Wir orientieren uns damit an den Regelungen des DFB und des NOFV“, stellt der Spielausschuss-Chef klar.

"Fußball an der frischen Luft kein Pandemietreiber"

Sollten wirklich alle Stricke reißen und der Verband kann auch die dritte Spielserie in Folge nicht planmäßig zu Ende führen, will er sich mit der neuen Regelung gegen mögliche Härtefälle absichern. Wie den des Brandenburger SC Süd. Die Havelstädter sollten nach dem Abbruch der Saison 2020/21 eigentlich aus der Oberliga absteigen, weil der Regionalverband die Ermittlung von Auf- und Absteigern nach der Quotientenregelung in seiner Spielordnung festgelegt hatte. Eine Mindestanzahl von Spielen war darin nicht vorgegeben. Der BSC Süd klagte gegen diese Wertung – und bekam schließlich Recht. Ende Mai kippte das NOFV-Verbandsgericht die Abstiegsregelung.

Geht es nach Wilfried Riemer soll es aber gar nicht zu solch einem Abbruchszenario kommen. Zwar beobachtet auch der Finowfurter die Entwicklungen rund um das Coronavirus aufmerksam, er bleibe aber optimistisch, dass nach zwei abgebrochenen Spielzeiten endlich wieder ein reguläres Saisonende möglich ist. „Ich hoffe sehr, dass wir auch bei steigenden Infektionszahlen auf mehr Verständnis dafür stoßen, dass Fußball an der frischen Luft kein Pandemietreiber ist“, sagt der Funktionär. Zudem habe sich die Praxis der Selbsttests vor Spielen oder Trainingseinheiten etabliert. Und auch Impfkampagne schreite weiter voran. „Wenn sich dieser Prozess fortsetzt, hoffe ich stark, dass das Infektionsrisiko nicht mehr so hoch ist wie im vorigen Herbst – und dass wir wieder normal durch die Saison kommen.“ Vorbereitet ist jedenfalls alles für den ersten Anpfiff – wenn Corona nicht wieder dazwischengrätscht.