21. Juni 2020 / 17:49 Uhr

Insgesamt zu schwach: Heiße Schlussphase reicht Hannover 96 nicht in Aue

Insgesamt zu schwach: Heiße Schlussphase reicht Hannover 96 nicht in Aue

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Enttäuschung nach dem Spiel bei Waldemar Anton.
Enttäuschung nach dem Spiel bei Waldemar Anton. © imago images/Picture Point
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In der Schlussphase machte Hannover 96 beim FC Erzgebirge Aue noch einmal richtig Druck. Der Ausgleichstreffer fiel aber nicht mehr, 96 verliert das Auswärtsspiel mit 1:2 (0:1). Die Roten ließen sich zu einfach auskontern und waren vorne zu lange zu ungefährlich.

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Immerhin sind keine Fans aus Hannover mitgefahren! Beim letzten Geister-Auswärtsspiel der Saison zeigte 96 noch mal einen ganz gruseligen Kick – 1:2 in Aue. Und das trotz vermeintlicher Überlegenheit.

Das Team von Trainer Kenan Kocak kontrollierte in Aue zwar den Ball – nur leider nicht das Spiel. In der ersten halben Stunde waren es 80 Prozent Ballbesitz, bis Mitte der zweiten Halbzeit immer noch 70 Prozent. Aber Hannover wusste nichts mit dem Ball anzufangen. Kocak säuerlich: „Diese Statistik ist mir Jacke wie Hose. Wir wollen effektiven Ballbesitz haben.“

Effektiv war aber nur Aue. Die Hausherren waren in der 23. Minute überhaupt zum ersten Mal im 96-Sechzehner, das war dann direkt die Führung durch Pascal Testroet – mit freundlicher 96-Mithilfe. Denn defensiv machte kaum einer, was er sollte. Aue hatte einen üblen Fehlpass von Timo Hübers abgefangen, der reinrotierte Florent Muslija stand katastrophal, und dann klatschte der Ball auch noch von der Hacke von Marvin Ducksch in den Lauf von Vorbereiter Florian Krüger. Der legte quer auf Testroet, 0:1 aus 96-Sicht.

Bilder zum Spiel FC Erzgebirge Aue gegen Hannover 96

Die Auer Spieler feiern ihren Treffer. Zur Galerie
Die Auer Spieler feiern ihren Treffer. ©

Zu wenig klare 96-Torchancen

Es blieb auch danach ein ähnliches Bild: Die beste Rückrunde-Offensive der Liga tat sich schwer gegen tiefstehende Hausherren. Obendrein fehlten zündende Ideen. „Wir hatten nicht die nötige Qualität gegen einen tief- und gutstehenden Gegner“, urteilte Kocak. Auch „Präzision, Timing, Laufwege, Passqualität“ stimmten nicht. Autsch! „Wir waren sehr behäbig, konnten zu wenig die Räume freiziehen“, befand der Trainer. Ein Glück, dass es für 96 um nichts mehr geht …

Die beste Chance hatte noch Hendrik Weydandt, sein Drehschuss aus zwölf Metern ging aber zwei, drei Meter am Tor vorbei. „Und hat oft das Tempo gefehlt“, urteilte auch Sturmkollege Ducksch. „Wir haben zu lange den Ball gehalten und uns nicht die ganz klaren Torchancen erspielen können …“

Zwar war auch Aue ganz selten vorne, aber dann sehr viel gefährlicher. In der 53. Minute hatte Hannover noch Glück, dass der Ball nach einem gut gemeinten Rettungsversuch von Julian Korb nur an den Pfosten klatschte. Beim dritten Mal, dass Aue in den 96-Sechzehner kam, war das Glück leider aufgebraucht. Wieder war’s ein wenig überraschend, wieder Krüger als Vorbereiter und wieder sah die 96-Abwehr nicht gut aus. Krüger schickte Clemens Fandrich bei einem Konter tief, der umurvte den von den Kollegen im Stich gelassenen Michael Ratajczak im Tor. Ganz cool – und damit ganz anders als 96.

SPORTBUZZER-Redakteur Jonas Szemkus kommentiert die 96-Niederlage in Aue
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Ducksch schafft noch den Anschluss

Hannover wirkte danach ein bisschen wacher, mehr als der Anschlusstreffer von Marvin Ducksch (79.) gelang aber nicht. Aues Keeper Robert Jendrusch hatte einen Schuss von Cedric Teuchert nach vorne gefaustet und Ducksch per Kopf abgestaubt.

Die Pleite und die Art und Weise, gab Kocak zu, „ärgert mich“. Doch zumindest eine hilfreiche Sache wollte er mitnehmen aus Aue. Doch die könnte den einen oder anderen 96-Profi noch schmerzen. „Es war für mich noch mal ein deutlicher Fingerzeig, wo wir für die Zukunft auch Entscheidungen treffen müssen.“ Mit so einer Wackel-Leistung wird das jedenfalls schwer mit dem Aufstiegstraum.