18. Dezember 2021 / 20:26 Uhr

Hertha BSC furios: Spektakulärer 3:2-Erfolg gegen den BVB, Richter trifft doppelt

Hertha BSC furios: Spektakulärer 3:2-Erfolg gegen den BVB, Richter trifft doppelt

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Herthas Marco Richter (M.) schoss zwei der drei Hertha-Tore gegen Borussia Dortmund.
Herthas Marco Richter (M.) schoss zwei der drei Hertha-Tore gegen Borussia Dortmund. © Soeren Stache/dpa
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Die Berliner rehabilitieren sich für das desolate 0:4 unter der Woche und gewinnt mit 3:2 (0:1) gegen Borussia Dortmund. Im spektakulären Samstagabendspiel werden drei Tore aberkannt, Marco Richter trifft doppelt.

Hertha BSC hat zum Jahresabschluss ein Spektakelspiel abgeliefert. In einem chancen- und torreichen Spiel bezwangen die Berliner die favorisierte Borussia aus Dortmund am Samstagabend mit 3:2 (0:1). Damit rehabilitierte sich die Hertha für das desolate 0:4 am Dienstag gegen den FSV Mainz 05, während Dortmund als Tabellenzweiter inzwischen neun Punkte Rückstand auf den FC Bayern hat.

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Die Hoffnung von Trainer Tayfun Korkut, dass die angeschlagenen Stevan Jovetic (Wade) und Suat Serdar (Knie) noch fit werden, zerschlug sich, beide nahmen nicht einmal auf der Bank Platz. Kurzfristig fielen auch noch Kapitän Dedryck Boyata (Achillessehne) und Kevin-Prince Boateng (Knie) aus. In der Startaufstellung standen deshalb unter anderem Jurgen Ekkelenkamp, Myziane Maolida und Jordan Torunarigha. Außerdem feierte Rechtsverteidiger Peter Pekarik nach Verletzungspause sein Comeback, der gegen Mainz indisponierte Deyovaisio Zeefuik blieb dafür auf der Bank.

Einer der Neuen, nämlich Ekkelenkamp, war es auch, der die erste Riesenchance auf das 1:0 hatte. Nach sechs Minuten zog Ishak Belfodil von links in den Strafraum, passte auf den Niederländer und dessen Schuss konnte BVB-Keeper Marvin Hitz gerade noch am langen Pfosten vorbeilenken. Drei Minuten später grätschte Ersatzkapitän Niklas Stark knapp vor Erling Haaland eine Hereingabe weg. Noch gefährlicher wurde es in der elften Minute, als Marco Reus nach einer Flanke aus dem Halbfeld völlig frei vor Hertha-Keeper Alexander Schwolow auftauchte, der blieb allerdings lange stehen und verhinderte so den Rückstand.

Zwei Minuten später köpfte Reus eine Flanke von Thomas Meunier völlig frei knapp am Tor vorbei. Noch kurioser die Situation kurz danach, als Ekkelenkamp aus fünf Metern völlig frei vor dem Tor verzog - zu diesem Zeitpunkt hätten locker schon drei oder vier Tore gefallen sein können. Folgerichtig fiel dann auch das erste Tor: In der 15. Minuten flankte Pekarik flach in den Strafraum, Maolida hielt die Fußspitze hin und schoss das 1:0. Doch weil Belfodil beim Schuss im Abseits stand, nahm Schiedsrichter Marco Fritz das Tor nach Studium der Videobilder wieder zurück.

In der Folgezeit sank zwar die Qualität der Chancen, trotzdem blieb das Spiel sehr kurzweilig, was an beiden Mannschaften und dem schlechten Rasen lag, der die Pässe das ein oder andere Mal verspringen ließ, Konterchancen auf beiden Seiten waren die Folge. Auch das erste reguläre Tor (31.) war eher ein Zufallsprodukt. Mittelstädt sprintete nach hinten und rannte Haaland den Ball ab, doch der sprang in den Lauf von Julian Brandt, der überlegt mit links ins rechte obere Eck chippte - sehenswert und aus Sicht der Hertha doch unglücklich.

Drei Minuten vor der Pause erzielte Axel Witsel das 2:0 für den BVB, doch er verzichtete schon selbst auf einen Jubel, da er zuvor klar im Abseits stand. Ein 0:2 wäre für die Berliner noch ungerechter gewesen, hatten sie im ersten Durchgang doch gut mitgehalten und sich im Vergleich zum desolaten 0:4 in Mainz am Dienstag deutlich verbessert gezeigt. Und so galten die Pfiffe der Hertha-Fans zur Halbzeitpause nicht dem eigenen Team, sondern vielmehr dem Schiedsrichtergespann, das aus ihrer Sicht beim aberkannten Tor der Berliner daneben lag.


Das Spiel legte nach der 15-Minuten-Unterbrechung keine Pause ein, schon in der 51. Minute fiel der Ausgleich für Hertha. Einen butterweichen Pass von Vladimir Darida nahm Belfodil an, gewann das Sprintduell gegen Witsel und verwandelte schließlich auch noch aus fünf Metern gegen Hitz. Bitter für die Berliner allerdings: Vier Minuten später musste Pekarik angeschlagen für Zeefuik runter. Der sorgte gleich für einen Schreckmoment, als seine Rückgabe auf Schwolow zu kurz geriet und der Keeper in höchster Not retten musste. Die Szene sollte eine Randnotiz bleiben, weil Marco Richter sich in der 57. Minute ein Herz nahm und aus gut 20 Meter per Traumtor in den Winkel traf.

Das Spiel ließ den Zuschauern keine Verschnaufpause, in der 61. Minute erzielte der für Reus eingewechselte Thorgan Hazard das dritte irreguläre Tor des Abends, dieses Mal stand der bis dahin eher wirkungslose Haaland zuvor im Abseits. Eine weitere Topchance vergab Mahmoud Dahoud in der 66. Minute, einen Rückpass von Donyell Malen schoss er über das Hertha-Tor. Das Spiel blieb weiter verrückt: Belfodil scheiterte zunächst völlig frei gegen Hitz, der Abpraller fiel Richter vor der Füße und der drosch den Ball mitten in die Maschen zum 3:1 (69.).

BVB-Coach Marco Rose reagierte und wechselte gleich dreimal, Schulz, Meunier und Witsel gingen, Dan-Axel Zagadou, Raphael Guereiro und der Ex-Berliner Marius Wolf kamen, Hertha-Trainer Korkut frachte Linus Gechter und Lucas Tousart für Doppeltorschütze Richter sowie den an diesem Tag herausragenden Darida. Doch die Partie blieb weiter spannend, weil BVB-Joker Steffen Tigges in der 83. Minute sofort per Kopf traf, nachdem er erst zwei Minuten zuvor eingewechselt worden. Doch es blieb der letzte Höhepunkt in einem mit Höhepunkten gespickten Abend.