30. September 2021 / 22:54 Uhr

Union Berlin schreibt gegen Maccabi Haifa Geschichte: Erster Sieg in der Conference League

Union Berlin schreibt gegen Maccabi Haifa Geschichte: Erster Sieg in der Conference League

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Torschütze zum 1:0: Andreas Voglsammer bringt den 1. FC Union gegen Maccabi Haifa in Führung. 
Torschütze zum 1:0: Andreas Voglsammer bringt den 1. FC Union gegen Maccabi Haifa in Führung.  © AP Photo/Michael Sohn
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Der Berliner Fußball-Bundesligist gewinnt trotz einer verhaltenen ersten Halbzeit 3:0 gegen Maccabi Haifa. Die gelernten Stürmer Voglsammer, Behrens und Awoniyi treffen zum ungefährdeten Heimsieg im Olympiastadion.

Etwas über eine Stunde war gespielt im Berliner Olympiastadion, als die Fans des 1. FC Union Berlin unter den 23.342 Zuschauern zwei schmale Spruchbanner hochhielten. „Du bist mein Zuhause. Bei dir fühl ich mich frei!“, stand auf dem einen. „Stadion An der Alten Försterei!“, auf dem anderen. Eine vergnügliche Party feierten sie im wenig geliebten Stadion des Stadtrivalen Hertha BSC dennoch. 3:0 (1:0) siegte Union im zweiten Gruppenspiel der Conference League gegen Maccabi Haifa nach Toren von Andreas Voglsammer (33. Minute), Kevin Behrens (48.) und Taiwo Awoniyi (76.).

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"Alles in allem muss man sagen, dass die bessere Mannschaft gewonnen hat", gestand Gästetrainer Barak Bakhar, seine Elf habe nach vorn zu wenig gemacht. "Am Anfang hatten wir, glaube ich, ein paar Probleme", sagte Unions Behrens, "dann haben wir uns gefangen und souverän gewonnen." Sturmpartner Andreas Voglsammer meinte: "Wir haben nix anbrennen lassen und haben eiskalt die Dinger vorne gemacht."

Union Berlin in Noten:  Die Einzelkritik zum 3:0 gegen Maccabi Haifa

Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. Zur Galerie
Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. ©

Dass der 1. FC Union im Olympiastadion trotz des rot ausgelegten Europapokal-Stoffs nicht heimisch werden will, demonstrierte der Verein schon vor dem Anpfiff. Aus den Boxen dröhnte „Auswärtsspiel“, jener legendäre Hit der Toten Hosen, in dem es eben um mehr geht als nur ein Spiel. Das galt dieses Mal auch für die Ansetzung, die eine historische war – der erste Auftritt einer israelischen Fußballmannschaft überhaupt im Berliner Olympiastadion. „Der Sport ist nochmal eine weitere Möglichkeit, die Erinnerung an die Shoa zu thematisieren“, sagte Maccabis Pressesprecher David Bazak dem RBB. Die Gäste hatten bereits am Mittwoch vor dem Abschlusstraining einen Kranz am Holocaust-Mahnmal niedergelegt. "Wir wissen um das Historische, es ist wichtig, niemals zu vergessen", sagte Trainer Bakhar nach dem 0:3.

Dort, wo 1936 Hitlers Propaganda-Spiele stattfanden, im weiten Rund des Olympiastadions, grüßten am späten Donnerstagabend über 1000 Maccabi-Fans ihre Mannschaft. „Hier reinzukommen, als freier Mensch, ist etwas, das mich sehr berührt. Juden durften hier damals ja gar nicht hinein. Und heute kommen wir mit unserem Verein. Das geht auch über den Fußball hinaus!“, meinte Bazak.

Haifas Anhänger schwangen grüne und silberne Fahnen, als ihre Elf den Rasen betrat. Pyrotechnik hatten sie auch mitgebracht, passend zum rot erleuchteten Stadion, weshalb zum Anpfiff mehr Feuer im Spiel war als in den darauffolgenden 45 Minuten.

Äußerst schlapp geriet der erste Durchgang, überraschend passiv das Berliner Spiel. Union-Trainer Urs Fischer, der oft meckernd durch die Coaching-Zone trottete, gestikulierte viel und viel vergebens. Letztlich verdienten sich die etwas engagierteren Unioner die Pausenführung durch Voglsammers Tor nach Vorarbeit von Kevin Behrens zwar, an Torchancen und Kombinationen mangelte es aber stark. Kevin Möhwald hatte nach knapp einer halben Stunde die erste richtige Chance des gesamten Spiels, Maccabis durch die Luft fliegender Torwart Joshua Cohen parierte.


Rönnow ersetzt Stammtorwart Luthe

Vielleicht lag der träge Beginn auch an den personellen Umstellungen der Berliner. Dass Trainer Urs Fischer in den Cupwettbewerben gerne mal rotieren lässt, ist bekannt. Gegen Haifa krempelte er seine Elf aber auf derart vielen Positionen um, dass es fast schon wie ein mittelschwerer Aufstand gegen alle Aufstellungspropheten anmutete. Nicht mal Stammtorwart Andreas Luthe durfte seinen Platz behalten, den er beim samstäglichen 1:0-Sieg gegen Bielefeld in bester Ordnung hinterlassen hatte.

Eigentlich habe man Ersatztorwart Frederik Rönnow schon in Prag einsetzen wollen, erklärte Fischer, doch der Torwart habe sich vor dem Slavia-Spiel noch leicht verletzt. So kam Rönnow also erst gegen Haifa zu seinem Pflichtspieldebüt für die Berliner, bei denen Fischer aus der Dreier- eine Viererkette bastelte. Immerhin die war mit den etatmäßigen Außen Christopher Trimmel (rechts) und Niko Gießelmann (links) erwartet worden. Weiter vorn durften dafür mit Kevin Möhwald, Genki Haraguchi, Kevin Behrens und Sheraldo Becker Spieler ran, die Fischer zuletzt nicht präferiert hatte. Die beiden etatmäßigen Offensivkräfte Max Kruse und Taiwo Awoiyi nahmen nur auf der Bank Platz.

So einschläfernd die erste Halbzeit begonnen und beendet worden war, so verheißungsvoll startete die zweite. Eine Freistoßflanke von Christopher Trimmel beförderte Kevin Behrens per Kopf über die Linie. Die Maccabi-Trommeln in der Kurve schlugen dessen ungeachtet weiter im Takt, nur auf dem Platz fanden die Gäste nie ihren Rhythmus. Lediglich Spielmacher und Kapitän Tjaronn Chery sammelte Pluspünktchen.

Die Berliner taten kaum noch mehr als sie mussten. Torchancen blieben zunächst rar, von einem spektakulären Fernschuss Beckers abgesehen. Der Flügelspieler knallte den Ball nach einem Sprint über die rechte Seite an den Außenpfosten des Maccabi-Tores (68. Minute).

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Neuen Schwung erhoffte sich Fischer durch die Hereinnahmen von Grischa Prömel und Awoniyi, die nach 72 Minuten für Möhwald und Behrens kamen. Vier Minuten später erfüllte Awoniyi seine Mission bereits. Ansehnlich hatten sich die Berliner nach vorn kombiniert und den Ball zu guter Letzt Becker überlassen, der gefühlvoll auf Awoniyi flankte. Der hielt den Fuß so hin, dass der Ball im linken oberen Winkel einschlug – die Entscheidung. "Mit dem 3:0 war das Spiel dann auf unserer Seite", erkannte Fischer richtigerweise.

Der Trainer gönnte Levin Öztunali (für Becker), Tymoteusz Puchacz (für Voglsammer) und Julian Ryerson (für Rani Khedira) noch ein paar europäische Minuten. Am Ergebnis änderte sich trotz guter Chancen für Christopher Trimmel und Puchacz nichts mehr. Und so feierten die Berliner einen unterm Strich ungefährdeten Heimsieg, den die Fans mit "Auswärtssieg, Auswärtssieg"-Rufen zelebrierten.