25. November 2021 / 15:52 Uhr

Spielbetrieb lahmgelegt – Fußball-Verbandsligisten laufen Sturm

Spielbetrieb lahmgelegt – Fußball-Verbandsligisten laufen Sturm

Christian Falkenberg/Johannes Weber
Ostsee-Zeitung
Die Corona-Krise trifft den Amateurfußball erneut. Der Spielbetrieb ruht.
Die Corona-Krise trifft den Amateurfußball erneut. Der Spielbetrieb ruht. © HANNO BODE/IMAGO
Anzeige

Die Verbandsligisten sind empört über den Beschluss des Landesfußballverbandes, die Verantwortung für den Spielbetrieb und die Umsetzung der verschärften Corona-Maßnahmen in Vereinshände zu legen.

Schon wieder trifft es den Amateurfußball: Die beiden großen Fußballverbände – Nordostdeutscher Fußballverband (NOFV) und Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern (LFV-MV) – haben auf die stetig steigenden Corona-Zahlen reagiert und den Spielbetrieb weitestgehend lahmgelegt – allerdings nicht einheitlich. Während der NOFV den Spielbetrieb aller zugehörigen Spielklassen (einschließlich Oberliga) bis 31. Dezember eingestellt hat, überträgt der LFV die Verantwortung für die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs an die Vereine – allerdings mit einer wesentlichen Zusatzaufgabe. Sowohl für den Spielbetrieb, das Training als auch für Zuschauer gilt die 2G-Regel beziehungsweise 2Gplus für Veranstaltungen im Innenraum. Die Einhaltung und Umsetzung der Maßnahmen obliegt den Vereinen. Für die Klubs ist der damit verbundene Mehraufwand kaum zu leisten. Daher kann binnen 48 Stunden vor Anpfiff die Partie abgesagt werden, sollten die Vereine die Umsetzung nicht gewährleisten können oder wollen.

Der SPORTBUZZER MV sprach mit Vereinsvertretern der Verbandsliga. Alle Partien am 13. Spieltag der höchsten MV-Spielklasse sind abgesetzt worden. Selten gab es so viel Einigkeit unter den Vereinen. Für Unverständnis sorgen vor allem die Willkür bei Spielabsagen und die Kontrolle der 2G- beziehungsweise 2Gplus-Vorgabe bei Trainingseinheiten und am Spieltag.

Mehr Fußballnews

Für den FC Schönberg ist „diese Regelung nicht einheitlich und daher aus unserer Sicht keine Lösung. Jeder hat die Möglichkeit, Spiele ausfallen zu lassen. So ein Szenario stellt keinen Wettbewerb mehr da. Zudem ist Training mit 2Gplus kaum umsetzbar. Unsere Spieler sind alle durchgeimpft“, schildert Sven Wittfot, Vorstand Sport.

Anzeige

Vizepräsident Tom Brüggert von Anker Wismar vermisst eine klare Linie. „Ehrlich gesagt, wir sind sprachlos. Die Regelung trifft uns hart und unvermittelt. Der LFV müsste eine klare Entscheidung treffen, entweder Ja oder Nein“, schimpft Brüggert. Jens Schweder, Sportlicher Leiter des Güstrower SC, prangert vor allem die Leistbarkeit an. „Als Dachverband hätte ich vom LFV mehr Verantwortung erwartet, er macht es sich zu einfach. Die vorgegebenen Maßnahmen durch die Landesregierung gehen weit über das Ehrenamt hinaus, das können wir nicht stemmen. Schon jetzt vermute ich, dass wir nicht die komplette Saison durchziehen werden können.“

Ins gleiche Horn stößt Sven Lange, Trainer des Malchower SV: „Ich habe kein Verständnis mehr für die Regelungen der Landesregierung. Ich erkenne kein Konzept dahinter. Die Wahlen sind vorbei und der Amateursport gehört wieder zu den ersten Sachen, die zumachen müssen. Schon in den vergangenen beiden Jahren mussten die Vereine einen Riesenaufwand betreiben, um Hygienekonzepte für ihren Spielbetrieb aufzustellen. Die jetzigen Regelungen sind einfach nicht machbar“, findet der Malchower Übungsleiter.

Stephan Malorny, Trainer des FC Förderkader, befürchtet, dass die Solidarität abhandenkommt. „Wir hätten am Wochenende gespielt und hatten uns da mit dem FSV Bentwisch auch schon darauf verständigt. Kriterium wäre gewesen, dass kein Spieler ausgeschlossen wird. Jetzt kam aber die Nachricht, dass der Vorstand des FSV beschlossen hat, alle Partien bis zur Winterpause abzusagen, um sich mit den anderen Vereinen zu solidarisieren. Diese Form der Solidarität verstehe ich allerdings nicht ganz.“


Die Oberliga hat im Gegensatz zur Verbandsliga durch den NOFV klare Lage und einheitliches Handeln vorgegeben. Die vom Verband durchgesetzte Einstellung des Spielbetriebs ist zwar schmerzhaft, aber sie ist einheitlich. Das ist etwas, was man sich vom LFV ebenfalls gewünscht hätte.

Die aktuelle Corona-Lage im MV-Sport

Die Entscheidung des LFV trugen zwei von vier Kreisfußballverbänden mit. Dagegen setzten der KFV Nordvorpommern-Rügen und Schwerin-Nordwestmecklenburg ihre restlichen Partien für dieses Jahr ab. Die Kreisfußballverbände Vorpommern-Greifswald und Westmecklenburg befinden sich bereits in der Winterpause.