29. Juni 2022 / 09:39 Uhr

Spieler der Stunde: Darum ist Tennisprofi Oscar Otte in Wimbledon mehr als ein Überraschungskandidat

Spieler der Stunde: Darum ist Tennisprofi Oscar Otte in Wimbledon mehr als ein Überraschungskandidat

Klaus Bellstedt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Oscar Otte beeindruckte in Wimbledon in der ersten Runde mit einer starken Leistung.
Oscar Otte beeindruckte in Wimbledon in der ersten Runde mit einer starken Leistung. © IMAGO/Hasenkopf (Montage)
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Oscar Otte setzte sich in der ersten Runde in Wimbledon im Eiltempo durch. Viele Experten trauen dem deutschen Profi bei dem Grand-Slam-Turnier mehr als die Außenseiterrolle zu. In die Setzliste des Turniers hat er es immerhin schon geschafft. 

Der Montag in Wimbledon war wettertechnisch durchwachsen. Immer wieder wurden die Matches beim Rasenturnier wegen Regen unterbrochen. Beim Veranstalter gingen da sofort die roten Lampen an – es drohten Verzögerungen. Gerade zu Beginn eines Grand-Slam-Events, wenn bis zum hintersten Nebenplatz sämtliche Kapazitäten voll benötigt werden, hat die Turnierleitung Sorge, den Zeitplan nicht einzuhalten. Da kam Oscar Otte gerade recht. Der Kölner – in Abwesenheit des verletzten Alexander Zverev die deutsche Nummer eins in Wimbledon – schaffte es noch vor Einbruch der Dunkelheit, sein Erstrundenmatch zu beenden.

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Es war eine eindrucksvolle Vorstellung des 28-Jährigen. Er bezwang nach nur einer Stunde und 17 Minuten seinen Kumpel Peter Gojowczyk glatt in drei Sätzen mit 6:1, 6:2 und 6:1. In diesem deutschen Duell wurde Otte in jeder Situation seiner Favoritenrolle gerecht und stellte seine bestechende Form unter Beweis. Otte, in der Weltrangliste auf Position 36 geführt, hat ein richtig gutes Tennisfrühjahr hinter sich. Viele sehen in ihm gerade so etwas wie den Spieler der Stunde auf der Männertour. Schon Ende April beim Sandplatzturnier in München schaffte er es bis ins Halbfinale. Und auch die Rasensaison verläuft für Otte bisher glänzend. Sowohl in Stuttgart als auch in Halle drang er in die Runde der letzten vier vor.

Seine exzellenten Leistungen wurden auch in Wimbledon re­gis­triert. Der Lohn: Otte wurde beim Rasenklassiker in die Setzliste aufgenommen. Damit geht er den dicken Brocken zu Beginn des Turniers aus dem Weg. Nach dem Sieg gegen Gojowczyk schreiben ihm einige fast schon ein bisschen mehr als nur die Rolle des Überraschungskandidaten zu.

Otte ist in England beliebt

Seit den US Open 2021 geht es für Otte bergauf. In New York schaffte er es bis ins Achtelfinale und schied dort erst gegen den Top-Ten-Spieler Matteo Berrettini aus. Richtig aufmerksam wurde man aber schon etwas eher. Im vergangenen Jahr in Wimbledon spielte Otte in der zweiten Runde ein sensationelles Match gegen Publikumsliebling Andy Murray aus Schottland. Nach fünf Sätzen und einem großen Kampf musste sich der Deutsche geschlagen geben. In Erinnerung blieb der Tennisszene vor allem ein Bild: Nachdem Otte auf dem rutschigen Rasen mal wieder die Balance verloren hatte, blieb er in lässiger Pose einfach auf dem Gras liegen und tat so, als würde er eine Zigarette rauchen. Die skurrile Szene brachte dem humorvollen Rheinländer viele Sympathien ein. In diesem Jahr steht aber mehr seine spielerische Leistung im Vordergrund. Und die ist beachtlich.

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Sein guter Aufschlag, der Return und die soliden Volleys lassen ihn auf Rasen zu einem unangenehmen Gegner werden – auch für die Besten der Szene. Otte bewegt sich auf dem Platz manchmal wie Goofy, mitunter wirkt er etwas antriebslos. Aber das gehört bei ihm zum Gesamtpaket dazu.

Seine Lockerheit kommt Otte allerdings nie abhanden. Dabei hätte er zum Wimbledon-Start durchaus jeden Grund dafür gehabt. Bei seiner Ankunft ging im heillosen Chaos am Londoner Flughafen Heathrow seine Tennistasche mit Schuhen und Saiten verloren. "Ich glaube, die Tasche ist weg“, berichtete Otte am Montagabend nach seinem Sieg gegen Gojowczyk. Aber er nahm das mit Humor. "Wenn es hier weiter so gut läuft, muss mir mein Ausrüster eben noch ein paar Rasenschuhe nachschicken." An diesem Mittwoch ist Otte wieder im Einsatz. Sein Ausrüster sollte das Paket zumindest schon mal frankieren

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