21. März 2021 / 09:45 Uhr

Spieler, Trainer, Vizepräsident: Meuselwitz-Coach Holm Pinder feiert 50. Geburtstag

Spieler, Trainer, Vizepräsident: Meuselwitz-Coach Holm Pinder feiert 50. Geburtstag

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Holm Pinder (links) feiert seinen 50. Geburtstag. Auch Manchester-City-Legende Uwe Rösler wird sicherlich gratulieren...
Holm Pinder (links) feiert seinen 50. Geburtstag. Auch Manchester-City-Legende Uwe Rösler wird sicherlich gratulieren... © Mario Jahn/Archiv
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Holm Pinder hatte beim FC Sachsen, VfB Leipzig, FSV Zwickau und ZFC Meuselwitz gespielt. Seine Trainer hießen Walter, Slaby, Hartwig, Steffens, Geyer, Dörner, Held, Woodcock, Körbel und Halata. Er selbst besitzt ebenfalls Erfahrungen als Coach und Vizepräsident eines Fußballclubs. Jetzt feiert der Tausendsassa seinen 50. Geburtstag. Die Reihe der Gratulanten wird wahrscheinlich nicht enden.

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Meuselwitz. Er war Spieler bei den beiden früheren Top-Vereinen in Leipzig, erlebte Trainerikonen von Engel und Dörner bis Hartwig und Körbel, ging nach Meuselwitz und ist dort nicht nur Nachwuchschef und Vizepräsident, sondern seit Ende des letzten Jahres (wieder) Cheftrainer: Holm Pinder. Am Sonntag wird der Tausendsassa 50 Jahre jung.

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Plötzlich waren die Stars aus dem Fernsehen da

Chemie-Legende Manfred Walter holte den 15-jährigen Kohren-Sahliser 1987 von der Bornaer Jugend nach Leutzsch. Zwei Jahre später versetzte er dem engagierten Nachwuchskicker einen schweren Schock, als er ihn aufforderte, seinen Spind zu räumen. „Da hatte ich schon Tränen in den Augen, weil ich dachte, jetzt ist es vorbei“, erinnert sich Pinder. Doch das Happy End folgte auf dem Fuße, als „Manner“ schmunzelnd hinzufügte, er solle sich zwei Türen weiter beim Trainer der ersten Mannschaft melden – bei Horst Slaby. „Unter ihm habe ich dann auch mein erstes Spiel in der Ersten bestritten – kurioserweise gegen Borna. Wir verloren…“, erinnert sich der Defensivspezialist.

Holm Pinder (r.) im Trikot des VfB Leipzig gegen den FSV Hoyerswerda im Bruno-Plache-Stadion
Holm Pinder (r.) im Trikot des VfB Leipzig gegen den FSV Hoyerswerda im Bruno-Plache-Stadion © dc3/Archiv

Stammplatz, Zweikampf mit Böhlen, die Fusion mit den Randleipzigern 1990. Die Hälfte des Teams musste gehen, Trainer Hans-Bert Matoul weigerte sich, die Entscheidung mitzutragen. Also musste wieder der getreue Manfred Walter ran. „Er kam in die Kabine und sagte, er lese jetzt zehn Namen vor. Das sind diejenigen, die bleiben können. Alle anderen hätten auf Beschluss des Vorstandes den Spind bis Mittag zu räumen“, erzählt Holm Pinder, „das war deprimierend hoch fünf“.

Zwei Stunden später kamen zwölf neue Spieler aus Böhlen, darunter Ex-Nationalspieler wie Frank Baum und Dieter Kühn, dazu stieß noch René Müller. „Die kannte ich alle nur aus dem Fernsehen, jetzt waren sie auf einmal meine Mannschaftskameraden.“

Pinder war Platzwart im Alfred-Kunze-Sportpark

Der Start in die letzte DDR-Oberligasaison verlief blendend, nach sieben Spieltagen waren die Leutzscher Zweiter. Der Platz hätte zum direkten Bundesliga-Aufstieg berechtigt. Dann kam der Platzsturm gegen Carl Zeiss Jena, der Totalabsturz, Trainerwechsel, Versagen in der Relegation.

Plötzlich fand sich Grün-Weiß in der Amateuroberliga wieder. Die Spieler suchten sich Jobs. Jens Härtel, heute mit Hansa Rostock auf Zweitligakurs, arbeitete bei einer Gebäudereinigung, Pinder war über eine ABM-Maßnahme Platzwart im heutigen Alfred-Kunze-Sportpark. Trotzdem stand er zwei Jahre später mit dem FC Sachsen vor der Tür zur 2. Liga. Doch die Lizenz wurde verweigert, andere schafften den Sprung in den bezahlten Fußball.

Weitere Jubiläen im Leutzscher Holz

Ein Jahr darauf ergriff der schlaksige Defensiv-Spezialist die Chance, doch noch 2. Bundesliga zu spielen – beim VfB Leipzig. „Ein Jahr zuvor hatte ich noch abgesagt, jetzt wollte ich es wissen.“ Drei Jahre Zweitklassigkeit in Probstheida, Spiele bei Eintracht Frankfurt und auf St. Pauli haben sich eingebrannt: „In Hamburg habe ich sogar mal ein Tor gegen René Müller gemacht“, erzählt er lachend.

Dann ging es nach Zwickau, Ex-Chemiker Achim Jungnickel hatte den Deal eingefädelt. Zurück zum VfB, Verletzungen, Bankdrücker, düstere Gedanken. Bis Damian Halata vor der Tür stand und fragte, ob Pinder sich einen Wechsel nach Meuselwitz vorstellen könne.

Hat seinen eigenen Weg gefunden

Konnte er. Fortan trug er fünf Jahre lang das Trikot in Zipsendorf. Danach Nachwuchstrainer, zweite Mannschaft, 2011 Coach der ersten Männer. Wer hat ihn als Trainer am meisten geprägt? „Anfangs war ich eher streng wie Eduard Geyer oder Achim Steffens. Im Augenblick versuche ich, mehr die ruhige Führung eines Damian Halata oder Frank Engel einzubringen.“

Holm Pinder
(rechts) als Chefcoach des ZFC Meuselwitz mit seinem Co-Trainer Daniel Rupf.
Holm Pinder (rechts) als Chefcoach des ZFC Meuselwitz mit seinem Co-Trainer Daniel Rupf. © Mario Jahn

Lernen konnte er jede Menge von den Walter, Slaby, Matoul, Hartwig, Engel, Steffens, Geyer, Dörner, Held, Woodcock, Starek, Körbel, Werner oder Halata. Seinen eigenen Weg hat er jetzt, in seiner zweiten Trainerzeit beim ZFC, endlich gefunden: „Es ist eine Mischung aus vielem. Aber ich bin ruhiger und souveräner geworden.“

Ob er das Amt über den Sommer hinaus ausfüllen wird, weiß er noch nicht. Gefallen würde es ihm schon, aber er weiß: „Das hängt von vielem ab. Vor allem von den Ergebnissen.“ Jetzt sei es erst mal wichtig, wie es überhaupt weitergehe.