24. Juli 2020 / 17:38 Uhr

Neue Fußballer-Vereinigung befeuert Konkurrenz: Was wird aus der Spieler-Gewerkschaft VDV?

Neue Fußballer-Vereinigung befeuert Konkurrenz: Was wird aus der Spieler-Gewerkschaft VDV?

Hans-Günter Klemm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ex-Trainer Benno Möhlmann (links) ist der Initiator der Vereinigung der Vertragsfußballer (VDV). Die Bundesliga-Profi Mats Hummels (Mitte) und Andreas Luthe wollen mit dem neuen Bündnis bei zukünftigen Entscheidungen von den Klubs und der DFL mit einbezogen werden.
Ex-Trainer Benno Möhlmann (links) ist der Initiator der Vereinigung der Vertragsfußballer (VDV). Die Bundesliga-Profi Mats Hummels (Mitte) und Andreas Luthe wollen mit dem neuen Bündnis bei zukünftigen Entscheidungen von den Klubs und der DFL mit einbezogen werden. © Getty Images/Montage
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Die Vereinigung "Bündnis" soll Profis mehr Mitspracherechte erkämpfen. Was wird aus der eigentlichen Fußballer-Vertretung, der Vereinigung der Vertragsfußballer? Ein Überblick.

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"Ein bisschen enttäuscht" zeigt sich der Gründungsvater. Benno Möhlmann, Vorkämpfer für die Rechte der Fußball-Profis und Initiator der Vereinigung der Vertragsfußballer (VDV), vermisste während der Pandemie eine Wortmeldung der gewerkschaftsähnlichen Gruppierung. "Bei manchen Fragen hätte die VDV deutlicher Stellung beziehen können", sagt der 65 Jahre alte Ex-Trainer. Stattdessen hat ein neuer Mitbewerber die Gunst der Stunde genutzt.

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Seit einigen Wochen existiert "Das Bündnis", ein Zusammenschluss von bezahlten Fußballern und Fußballerinnen von der Bundesliga bis in die Regionalliga. Die zunächst lockere Gruppierung, der inzwischen über 300 Mitglieder angehören, fordert mehr Mitsprache, Mitbestimmung und Meinungsfreiheit. "Wir Spieler wollen eine Stimme bekommen. Wir wurden zuletzt oft übergangen", sagte Mats Hummels von Borussia Dortmund. Die Corona-Krise hat auch im Fußball lange zugedeckte Probleme kenntlich gemacht.

Kein Konfrontationskurs der VDV

Wie das fünfte Rad am Wagen fühlen sich die Profis, die als "dritte Macht" wahrgenommen werden möchten, wie es der Augsburger Andreas Luthe proklamiert. Neben der Deutschen Fußball-Liga (DFL), und den Vereinen sehen die Bündnisvertreter die Spielerseite als den Faktor in der Branche, der bisher vernachlässigt worden ist. Obwohl sie betonen, nicht auf Konfrontationskurs zur bestehenden Interessenvertretung zu gehen, klingen bei der neuen Gruppe die Enttäuschung und die Verärgerung über eine aus ihrer Sicht unzureichende Repräsentation durch die seit 1987 bestehende Vereinigung durch.

In einer Stellungnahme konnte VDV-Vizepräsident Carsten Ramelow (früher Bayer Leverkusen) seine Überraschung nicht verbergen. Er findet gut, "dass aktive Spieler nun verstärkt bereit sind, sich einzubringen". Gleichzeitig untermauerte er den Führungsanspruch: Alles müsse unter dem Dach der VDV geschehen. Der Prozess könne nur erfolgreich sein, "wenn er in geordneten Bahnen durch die Spielergewerkschaft durchgeführt wird."

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Das Transfer-Fenster hat in diesem Sommer für einen Tag am 1. Juli und dann wieder ab dem 15. Juli geöffnet. Mit Leroy Sané (zum FC Bayern) und Thomas Meunier (zu Borussia Dortmund) sind schon einige namhafte Transfers über die Bühne gegangen. Der SPORTBUZZER zeigt alle Sommer-Zugänge der Bundesligisten im Überblick. ©

Ob sich die neuen Spielervertreter darauf einlassen, mag bezweifelt werden. Die VDV hat sich bewährt in der rechtlichen Beratung von Spielern unterer Klassen, bei der Betreuung nach dem Karriereende und bei der Organisation von Trainingslagern für arbeitslose Profis. "Diese Hilfen werden bereitwillig angenommen", sagt Möhlmann. Doch wenn es um das große Ganze geht, herrscht zumeist Schweigen.

Der VDV kommt ein Anhörungsrecht zu, weit entfernt von Mitverantwortung oder Mitbestimmung. Befugnisse einer Gewerkschaft, wie sie in den Ligen Englands, Italiens oder Frankreichs existieren, sind Fehlanzeige. "Dort sind die Spielervertretungen ganz anders organisiert, finanzieren sich sogar durch Zuschüsse aus dem Topf der TV-Gelder", berichtet Möhlmann. Seine Versuche, eine ähnliche Struktur aufzubauen, scheiterten am Widerstand der Mächtigen. "Wir sind erst vom DFB und danach von der DFL bewusst kleingehalten worden."

Bayern-Boss Rummenigge skeptisch

Und die neue Organisation? Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge formulierte seine Skepsis. Er verstehe dies nur bedingt, "weil es schon eine Spielergewerkschaft gibt, die die Interessen der Spieler vertritt". Von Gegenwind wird sich "Das Bündnis" kaum abschrecken lassen. Die Profis beanspruchen Sitz und Stimme in der Taskforce, die sich um die Neuausrichtung des Profifußballs kümmern soll. Möhlmann begrüßt, dass sich Topspieler engagieren. Seine Hoffnung: "So können wir das Manko ausgleichen und möglicherweise eine starke Position auf Spielerseite aufbauen."