28. März 2020 / 12:45 Uhr

Spielerberater Jörg Neblung warnt: Dann ist Bundesliga-Fortsetzung "so gut wie ausgeschlossen"

Spielerberater Jörg Neblung warnt: Dann ist Bundesliga-Fortsetzung "so gut wie ausgeschlossen"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Spielerberater Jörg Neblung glaubt, dass wegen der Corona-Krise Bundesliga-Stadien in dieser Saison nicht mehr gefüllt werden. 
Spielerberater Jörg Neblung glaubt, dass wegen der Corona-Krise Bundesliga-Stadien in dieser Saison nicht mehr gefüllt werden.  © Getty Images/imago images/Schwörer Pressefoto
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Spielerberater Jörg Neblung zweifelt an einer Fortsetzung der wegen der Corona-Krise unterbrochenen Bundesliga-Saison. Zudem könnte es starke Auswirkungen auf mögliche Transfers von Stars wie Kai Havertz oder Jadon Sancho geben.

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Alle großen Fußball-Ligen stehen aufgrund der anhaltenden Corona-Krise still. Wann ein halbwegs regulärer Spielbetrieb wieder möglich sein wird, ist unklar. Auch die Bundesliga pausiert wohl mindestens bis Ende April, was vor allem für Spieler, deren Verträge im Ende Juni auslaufen, Probleme und offene Fragen nach sich zieht. Spielerberater Jörg Neblung sieht aufgrund der verrinnenden Zeit eine Fortsetzung der Bundesliga in aktuer Gefahr.

Neblung zweifelt an Bundesliga-Fortsetzung

"Ich denke, dass die Fortsetzung des Ligabetriebs über den 30.6. hinaus nur das allerletzte Mittel sein kann. Wenn wir im Mai noch keinen Spielbetrieb haben, ist es so gut wie ausgeschlossen, dass wir die Saison ganz regulär beenden", warnte der 52-Jährige, der unter anderem Zweitliga-Torhüter Stefan Ortega betreut, im Interview mit transfermarkt.de.

Die Verträge von Dortmunds Mario Götze (von links), Paris' Thomas Meunier und Chelseas Willian laufen im Sommer 2020 aus. Zur Galerie
Die Verträge von Dortmunds Mario Götze (von links), Paris' Thomas Meunier und Chelseas Willian laufen im Sommer 2020 aus. ©

Daraus würde zwangsläufig ein Abbruch resultieren, da bei vielen Spielern nach dem 30. Juni große Unklarheiten herrschten. Das betrifft nicht nur Profis mit auslaufenden Verträgen, sondern auch Akteure, deren Wechsel bereits vorzeitig ausgehandelt wurde, oder Leihspieler. "Nehmen wir einmal an, der Wechsel eines Bundesliga-Spielers ins Ausland zum 30..6 steht bereits fest. Würde er im Juli dann für seinen alten Verein auflaufen, oder schon seinen neuen Klub unterstützen, bei dem er das Fünffache verdient?", sagte Neblung.

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Der 30. Juni wurde von der FIFA als Enddatum für Verträge festgelegt, um einen internationalen Transfermarkt zu ermöglichen. Eine Ausdehnung von vorhandenen Verträgen wurde bereits diskutiert, sei laut Neblung aber nur schwierig möglich. "Es bedarf einer internationalen Abstimmung und zudem einer Freiwilligkeit der Spieler", betonte der Spielerberater und warnte: "Die FIFA wird nur Empfehlungen geben können. Ohne das 'O.k.' jedes einzelnen Spielers wird das nicht funktionieren."

Neblung schließt Transfer-Rekord aus

Neblung erwartet jedoch auch kurz- und mittelfristige Folgen für Klubs und Spieler, was Transfers angeht - insbesondere bezüglich Ablösesummen und Gehältern. "Wir haben einen eindeutigen Umsatzeinbruch zu verbuchen. Auch Investoren wie Audi, VW oder Red Bull haben wirtschaftliche Einbuße zu verzeichnen, von denen die Vereine betroffen sein werden. Das wird sich unter anderem in geringeren Ablösesummen niederschlagen", erklärte der 52-Jährige und urteilte: "In den nächsten zwei Jahren wird es tendenziell keinen 300-Millionen-Transfer geben."

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Das betreffe auch Spieler wie Kai Havertz oder Jadon Sancho, bei denen "es mit dreistelligen Millionenbeträgen eher schwierig werden" könnte. Neblung geht deshalb davon aus, dass ursprünglich geplante Transfers wie der Verkauf von Havertz verschoben werden: "Das könnte auch zum Umdenken bei Vereinen wie Bayer 04 Leverkusen führen. Vielleicht macht es mehr Sinn, mit einem Havertz-Verkauf bis in den Sommer 2021 zu warten, wenn sich der Markt wieder erholt hat."

Neblung glaubt nicht an langfristigen Wandel

An einen langfristigen Wandel durch die Corona-Krise glaubt der Spielerberater aber nicht. "Ich widerspreche den Leuten, die sagen, im Fußball wird es ein Umdenken geben. Der Fußball an sich wird weiter seine Umsätze generieren, sobald sich die Pandemie entspannt. Dementsprechend werden die Marktmechanismen wieder zu einem erneuten Anstieg der Ablösesummen führen, auch wenn sich der 300-Millionen-Transfer vielleicht noch um zwei, drei Jahre verzögert", urteilte Neblung.