24. Januar 2022 / 17:45 Uhr

Neue Regeln im Kinderfußball: Mehr Ballkontakte und Spielzeit für alle

Neue Regeln im Kinderfußball: Mehr Ballkontakte und Spielzeit für alle

Jana Baumann und Robin Jantos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Im Kinderfußball soll der Spaß noch stärker in den Mittelpunkt rücken.
Im Kinderfußball soll der Spaß noch stärker in den Mittelpunkt rücken. © Imago/Camera 4
Anzeige

Der Kinderfußball steht vor großen Veränderungen. Der DFB will aus Fehlern der Vergangenheit lernen und reagiert auf sinkende Zahlen beim Nachwuchs. Die Kleinsten sollen weniger Leistungsdruck und mehr Spaß haben. Wenn der DFB-Bundestag zustimmt, gelten die neuen Regeln bundesweit ab der Saison 2024/25. An der Basis sind sie umstritten.

Einsames Herumstehen in der Abwehr oder Blümchenpflücken am Spielfeldrand: Für Kinder, die nicht so groß, schnell oder spielstark wie ihre Teamgefährten sind, sind die ersten Punktspiel-Erlebnisse oft frustrierend. Auch, damit diese Kinder nicht sofort den Spaß am Spiel verlieren und wieder abspringen, experimentiert der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seit einigen Jahren mit neuen Spielformen für die Kleinsten. Ab 2024 sollen diese nun bundesweit verbindlich werden.

Anzeige

„Jedes Kind, ob mehr talentiert oder weniger talentiert, soll die Chance auf viel Spielzeit bekommen. Damit wollen wir alle Spielerinnen und Spieler fördern und so gewährleisten, dass die etwas schwächeren Kinder weiterhin im Verein bleiben. Durch kleinere Mannschaftsgrößen können wir mehr Homogenität untereinander schaffen“, erklärt Florian Weißmann, Experte für Kinder- und Jugendfußball vom DFB-Jugendausschuss.

DFB-Bundestag muss noch zustimmen

Die DFB-Ausschüsse für Jugend sowie für Frauen- und Mädchenfußball hatten sich bereits für die neuen Spielformen ausgesprochen, jetzt ist dem der DFB-Bundesjugendtag einstimmig gefolgt. Wenn auch noch der DFB-Bundestag am 11. März zustimmt, gelten die neuen Regeln ab Sommer 2024 verbindlich.

Ziel: Mehr Ballkontakte

Von der G- bis zur E-Jugend soll dann mit weniger Spielern auf kleineren Feldern gekickt werden. Dadurch bekommen die Akteure mehr Ballkontakte. Ein Rotationsprinzip garantiert, dass alle gleichermaßen eingesetzt werden. Bei den Kleinsten, also in der G- und F-Jugend, soll es keine Torhüter und keine Meisterschaftsrunden geben, stattdessen Spielnachmittage und Festivals auf mehreren Feldern mit zwei oder drei (G-Jugend) beziehungsweise drei bis fünf (F-Jugend) Spielern pro Team.

Mit diesen neuen Regelungen will der DFB wieder mehr Kinder für den Fußball begeistern. Viele von ihnen verloren durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie die Lust am Fußball und meldeten sich vom Verein ab. Von 2019 bis 2021 lag der Mitgliederrückgang bei den bis 6-Jährigen bei fast drei Prozent, sogar noch etwas höher bei den 7- bis 14-Jährigen. „Die Kinder, die durch unsere neuen Spielformen dazukommen, sollen einfach Spaß am Fußball haben. Wenn wir diesen inhaltlichen Punkt erfüllen, werden wir wieder wachsen”, so Weißmann.

Umfrage: Was haltet Ihr von den geplanten Regeländerungen?

Änderungen sind umstritten

Etliche Vereine und Fußballkreise haben die neuen Spielformen bereits getestet. Während von Fachleuten ganz überwiegend Lob für die Modelle kommt, sind sie an der Basis umstritten. Es gibt Trainerinnen und Trainer, die von positiven Erfahrungen und mehr Spaß bei den Kindern berichten, während andere fürchten, dass die Ausbildung auf der Strecke bleibt, wenn der Nachwuchs erst später an das Leistungsprinzip herangeführt wird und Torleute erst ab der E-Jugend Spielpraxis bekommen. Vereinsvertreter wiederum haben ganz praktische Bedenken, weil ihre Klubs zusätzliche Tore anschaffen und mehr Ehrenamtliche einsetzen müssen, wenn auf vielen kleinen Feldern gleichzeitig gespielt wird.


Mehr von #GABFAF

Kopfbälle müssen nicht verboten werden

Ein Problem erledigt sich mit den neuen Spielformen aber fast von selbst: Kopfbälle, die längst als gesundheitsschädlich erkannt sind, brauchen nicht verboten zu werden. Denn auf dem kleinen Feld sind hohe Flanken kaum möglich, Einwürfe und Abstöße werden durch Eindribbeln ersetzt. Im Kinderfußball spielen Kopfbälle deshalb künftig praktisch keine Rolle mehr.