28. Oktober 2020 / 10:33 Uhr

Spieltagsabsetzung sorgt in Schaumburg für Verwirrung

Spieltagsabsetzung sorgt in Schaumburg für Verwirrung

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Amateurfußball-Saison in Hamburg ist vorerst unterbrochen worden.
Symbolbild © Sportbuzzer
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Auf Kreisebene wurde in Schaumburg am vergangenen Wochenende kein Fußball gespielt. Auf Bezirks- und Landesebene dagegen schon. Irritierend, finden viele Trainer.

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Der Fußballkreis Schaumburg pausiert coronabedingt. Kurios ist dabei allerdings, dass die Schaumburger Teams auf Bezirks- und Landesebene ganz normal weiterspielen können und das auch tun. Nun hat der NFV-Kreis Schaumburg auch die beiden Spiele unter der Woche abgesagt.

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Der TuS Germania Apelern hätte gestern den VfR Evesen II empfangen. Am morgigen Donnerstag wäre die SG Bad Nenndorf/Riehe II auf den SV Goldbeck getroffen. Auf Ansteckungen beim Fußball kann sich die vom Kreisvorsitzenden Marco Vankann initiierte Absetzung des Spieltages nicht stützen. Wie Anja Gewald, Sprecherin des Landkreises Schaumburg, auf Nachfrage bestätigt: „Wir können solche Zahlen gar nicht ermitteln. Das wäre zu aufwendig, da fehlt es auch an Personal.“ Im zerstrittenen Kreisvorstand soll es bezüglich der Absetzungen auch keine Einigkeit gegeben haben. Zudem wurden im Bezirk Hannover nur in Schaumburg die Spiele abgesetzt. Wie es am nächsten Wochenende weitergeht, soll am Donnerstagabend entschieden werden, wenn der Kreisvorstand tagt. Die bisherigen Abstimmungen liefen per E-Mail. Was sagen die Schaumburger Trainer und Verantwortlichen zur aktuellen Situation?

Daniel Burk (TuS Germania Apelern): „Wir reden im Kreis von bisher fünf bis sechs abgesetzten Spielen wegen Corona. Bei uns im Fußball gab es bisher keine Infektionsrate, die gestiegenen Zahlen sind auf private Feiern zurückzuführen. Wenn der VfL Bückeburg gegen den VfR Evesen spielen kann, kann das auch die SG Rodenberg gegen den TuS Apelern. Wir trainieren ganz normal weiter und halten uns weiterhin an unser Hygienekonzept.“

Matthias Tatge (Geschäftsführer ETSV Haste): „Wir haben das Training für knapp zwei Wochen eingestellt, werden die Lage aber weiterhin täglich bewerten und alle nötigen Maßnahmen für unseren Verein treffen. Es fällt schwer, aber wir machen das, um die ETSV-Familie zu schützen.“

Sandy Röhrbein (Trainer SG Rodenberg): „Das ist schon komisch, dass wir pausieren müssen und im Bezirk oder der Landesliga die Spiele stattfinden können. Wenn Bückeburg gegen Evesen vor 100 Zuschauern stattfindet, ist das Risiko deutlich größer, als wenn in der 3. Kreisklasse fünf Zuschauer am Spielfeldrand stehen. Mich nervt vor allem, dass man vom Kreis so wenig Infos bekommt und es so stückchenweise abgesagt wird. Wir haben das Training erst mal ausfallen lassen, würden aber Freitag wieder starten, wenn wir am Wochenende spielen.“

Marco Gregor (Trainer SV Engern): „Der Kreis hat es bisher gut moderiert und im Sinne der Vereine entschieden. Die Absage war auch mit Sicherheit gut gemeint, aber es ist unglücklich, dass die Vereine aus dem Bezirk und der Landesliga spielen dürfen. Ich habe gestern eine Stunde mit einem Herrn der Corona-Hotline telefoniert, und der hat mir erklärt, dass es keinen Querverweis zwischen dem Sport und den Inzidenzzahlen gibt. Der Ansatz ist da eher bei den Zuschauern zu suchen. Ich hätte aber auch ein mulmiges Gefühl gehabt, aktuell nach Stadthagen fahren zu müssen oder gegen sie zu spielen. Von daher wäre es für mich eine Möglichkeit, einfach weiterzuspielen und die Vereine aus dem Hotspot mal für zwei Wochen rauszunehmen. Wenn Stadthagen momentan dieser Hotspot ist, wüsste ich nicht, wieso es nicht beispielsweise Engern gegen Exten geben dürfte. Bisher ist doch alles gut gelaufen, und wir müssen einfach weiterhin vorsichtig sein. Händeschütteln steht bei uns inzwischen im Strafenkatalog.“

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Oliver Rick (Trainer SG Bad Nenndorf/Riehe): „Für mich ist der ganze Vorgang unverständlich. In Schaumburg haben Spiele mit Schaumburger Vereinen stattgefunden, ab der Kreisliga wurde alles abgesetzt. Ist das dann im Bezirk ein anderes Spiel? Die haben doch keine anderen Hygiene-Konzepte als die Kreisvereine, und bisher hat doch alles funktioniert. Klar, die Zahlen gehen nach oben – und man muss das beobachten. Ich bin echt ratlos, wie es jetzt weitergeht.“

Thomas Serinek (Spartenleiter TSV Eintracht Bückeberge): „Entscheiden möchte ich das nicht. Aber vielleicht wird mir mal jemand erklären, warum der Bezirksligist Enzen spielen darf, Bückeberge in der 1. Kreisklasse aber nicht. Hätten unsere Frauen ein Spiel gehabt, hätten sie spielen dürfen, die Herren nicht. Gibt es im Bezirk kein Corona? Fußball ist Freiluftsport, und die Vereine haben das mit ihren Hygiene-Konzepten bisher im Griff. Ich sehe keinen Grund, warum wir nicht spielen sollen, zumal es bislang ja auch keine Vorgaben von oben zu geben scheint.“

Bernd Hillmann (FSG Pollhagen-Nordsehl/Lauenhagen): „Ich war von der Absage des Spieltages sehr überrascht, zumal es ja keine neue Verordnungslage gibt. In Bückeburg wurde Derby gespielt, im Kreis alles abgesetzt. Das versteht keiner. Natürlich muss man die steigenden Zahlen im Auge haben, aber die Leute scheinen sich eher bei Familienfeiern anzustecken. Wir hätten am Freitag auch gern mit unseren Altsenioren gewonnen, da schauen maximal zehn Personen zu.

Mehrheit für „wenn schon, denn schon“

An einer Online-Umfrage auf sportbuzzer.de/schaumburg („War die Absage der Spiele im Kreis richtig?“) haben sich bis gestern Abend 353 User beteiligt. Die Mehrheit (45 Prozent) ist der Meinung, dass im Zuge der Absetzung des Spieltages im Kreis auch in den höheren Ligen nicht hätte gespielt werden dürfen („wenn schon, denn schon“). 28,9 Prozent der abstimmenden Personen findet die Absetzung „völlig übertrieben“. 26,1 Prozent sind dagegen überzeugt, dass die Maßnahme richtig gewesen sei, „weil kein unnötiges Risiko eingegangen werden sollte“.